Rückblick zum Workshop des Umsetzungsprojektes „Gewerkeübergreifende Zusammenarbeit“

 

Autoren: BWHM GmbH, FSTI, bwcon GmbH

Welche Organisationsform bietet den geeigneten Rahmen für zwei Handwerksbetriebe, die eine gemeinsame Projektidee verwirklichen wollen? Um diese Frage drehte sich der Workshop im Umsetzungsprojekt „Gewerkeübergreifende Zusammenarbeit“, der am 16. Oktober 2018 stattfand. Zu den Teilnehmern zählten die Schaaf GmbH, Maler Giese GmbH und FiliTime GmbH, sowie ein Vertreter des Vertreters des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands. Als Begleiter aus dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum waren Lisa Hornberger (bwcon) und Nina Steinhäuser (BWHM GmbH) mit dabei.

Die Idee einer auf die Bedürfnisse der Handwerksbetriebe abgestimmte, innovativen Softwarelösung hatten die Teilnehmer in den vergangenen sechs Monaten in mehreren Workshops bereits gemeinsam entwickelt. Die ursprüngliche Problemstellung für Hanna Schaaf von der Schaaf GmbH war, dass der Informationsaustausch mit Subunternehmern eine zunehmend große Herausforderung für den Betrieb darstellte. Wenn wir mit drei verschiedenen Gewerken an einer Baustelle arbeiten, muss es nicht sein, dass jeder nochmal neu das Aufmaß nimmt“, nennt sie ein Beispiel. Die anderen Unternehmen müssten nur auf diese Daten zugreifen können. Auch die Kommunikation läuft nicht gebündelt sondern über mehrere Kanäle unter anderem Telefon, Fax und E-Mail.

Patrick Giese von der Maler Giese GmbH hat sich hingegen über sein aus dem Malerbetrieb ausgegründetes Start-Up FiliTime GmbH schon des Problems der unzureichenden analogen Planstecktafel angenommen, die nun in einer digitalen Version von allen Mitarbeitern unterwegs abgerufen werden kann. Den Kopf hat Patrick Giese dabei voller weiterer Ideen.

Beim BIM-Cluster-Treffen im Juni, das vom Baden-Württembergischen Handwerkstag ausgerichtet wurde, trafen die beiden Betriebe schließlich aufeinander. Da man gleich bei der ersten Begegnung viele Überschneidungspunkte feststellte, gab es bereits am Tag darauf ein erstes gemeinsames Treffen mit dem Kompetenzzentrum. Bei diesem wurden erst einmal alle vorhandenen Ideen gesammelt und ein gemeinsames Konzept entwickelt. Außerdem konnte im Rahmen des Workshops ausgeschlossen werden, dass es bereits eine ähnliche Lösung am Markt gibt.

Welche Rechtsform ist für die gewerkeübergreifende Zusammenarbeit geeignet?

Vor der weiteren Ausgestaltung der Lösung, sahen die Projektteilnehmer jedoch die Notwendigkeit, erst einmal eine dazu passende Organisationsform auswählen. Zur Auswahl standen eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder eine Genossenschaft. Bevor man sich jedoch für eine der beiden Formen entschied, mussten erst einmal tragfähige Informationen zur Genossenschaft einfließen, da keiner der Projektteilnehmer bisher mit dieser Rechtsform in Berührung gekommen war.

Deshalb informierten die Projektteilnehmer auf dem Oktober-Workshop zunächst Herrn Roth, den teilnehmenden Gründungsberater des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands, über den Projektverlauf. Daraus entwickelte sich direkt eine Diskussion über die Anwendbarkeit des Genossenschaftsmodells auf das gemeinsame Vorhaben. Entlang des Fragenkatalogs, den die Betriebe im Vorfeld zusammengestellt hatten, gab Herr Roth detailliert Auskunft zu Fragen wie: „Kann der Gegenstand einer Genossenschaft die Entwicklung und der Betrieb von IT/Software sein?“ oder „Gibt es Fördermöglichkeiten bei Genossenschaftsgründungen?“ Obwohl die Überlegungen im Vorfeld deutlich mehr Richtung GmbH-Gründung gegangen waren, sind sich am Ende alle einig: Die Genossenschaft ist eine gute Option als Rahmen für das Vorhaben. Die beiden Betriebe feilen nun intensiv am Geschäftsmodell für ihre gemeinsame Genossenschaft und werden dabei weiterhin vom Kompetenzzentrum begleitet. Die beteiligten Unternehmen sind sich darüber einig, dass die Unterstützung des Kompetenzzentrums ein wichtiger Baustein zum Projektfortschritt war und auch zukünftig ist.

Ansprechpartner:

Lisa Hornberger, bwcon GmbH (hornberger@bwcon.de)
Patrick Weber, Ferdinand-Steinbeis-Institut (Patrick.Weber@steinbeis.de)
Nina Steinhäuser, BHWM GmbH (NSteinhaeuser@handwerk-bw.de)

Am 1. Oktober 2018 ist die »Mittelstand 4.0-Agentur Cloud« in den Kompetenzzentren Stuttgart und Lingen aufgegangen. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Multiplikatoren erhalten so regionale Anlaufstellen zu Cloud Computing, Smart Services und Smart Products.

Mit der Initiative Mittelstand-Digital unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bereits seit 2012 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der Digitalisierung. Das über drei Jahre eigenständig geführte Querschnittsthema Cloud Computing wird nun in die regionalen Angebote der Kompetenzzentren integriert, um den Bedürfnissen der ansässigen Zielgruppen noch besser gerecht zu werden.

Die »Mittelstand 4.0-Agentur Cloud« vermittelt seit Oktober 2015 bundesweit die praktische Bedeutung von Cloud-Services. Für den Wissenstransfer und einen vertrauenswürdigen Zugang zum Thema wurde bereits ein vielfältiges Informationsangebot vorwiegend für Multiplikatoren, aber auch für KMU entwickelt: Die Begleitung und Dokumentation von Umsetzungen in der Praxis liefert Rezepte aus erster Hand, wie der Einstieg in Cloud-Anwendungen gelingt. Leitfäden, Checklisten und Erklärvideos beantworten umfassend konkrete Fragestellungen und liefern Praxiswissen zu aktuellen Themenbereichen. In zahlreichen bundesweiten Veranstaltungen wurden Multiplikatoren wie Kammern, Verbände und Kompetenzzentren zu Fürsprechern von Cloud Computing gemacht. Sie erhielten von der Agentur Training, um mithilfe speziell konzipierter Veranstaltungskonzepte Wissen nachhaltig an die Unternehmen heranzutragen. Zudem wurde mit der Prozesslandkarte eine Informationsplattform geschaffen, um Unternehmensanforderungen zu konkretisieren und bei strategischen Entscheidungen für Cloud-Anwendungen zu unterstützen.

Ab Oktober 2018 werden diese kostenfreien Angebote in die Leistungen der regionalen Standorte der Kompetenzzentren Stuttgart und Lingen integriert und für die dort ansässigen KMU weiter ausgebaut. Auch Multiplikatoren werden weiterhin aktiv bei Cloud-Fragen unterstützt.

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart unter der Leitung von Jörg Castor, Wissenschaftler am Fraunhofer IAO, bietet zwei Anlaufstellen in Stuttgart und Karlsruhe und zeigt dort, wie digitale Anwendungen im Wertschöpfungsprozess effektiv Mehrwerte erzeugen. Unterstützt wird die Digitalisierung von Unternehmensprozessen, Produkten und Services in unterschiedlichen Reifegraden in den Themen Produktion, Mobilität, Gebäude und Gesundheitswesen sowie in den Querschnittsthemen Geschäftsmodellentwicklung und IT-Sicherheit. Außerdem wird Hilfestellung zu technischen und anwendungsbezogenen Aspekten und Fragen der Organisation gegeben. Unternehmen werden so Schritt für Schritt vom Konzept zur Realisierung begleitet. Jörg Castor begrüßt die Erweiterung des Angebots: »Viele Unternehmen, die an uns herantreten, überlegen sich, Cloud-Anwendungen einzuführen. Die tatsächliche Durchführung lässt aber noch viele Fragen offen – unter anderem zu IT-Sicherheit oder Datenschutz. Künftig werden wir noch besser in der Lage sein, diesen Fragestellungen zu begegnen und gemeinsam erfolgreiche Lösungen zu finden.«

Für das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Lingen könnte der neu gewonnene Themenbereich Cloud Computing passender nicht sein. Denn Cloud-Technologien lassen sich mit dem Lingener Themenschwerpunkt »Datengetriebene Geschäftsmodelle« sehr gut verknüpfen. Seit Oktober 2017 werden an sechs verschiedenen Standorten KMU dazu befähigt, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln oder eigene Produkte und Dienstleistungen digital zu veredeln. Und während der meist betagteren IT-Landschaft in KMU schnell die Puste ausgeht, kann Cloud Computing hinsichtlich der Datenspeicherung und -auswertung hilfreiche Dienste leisten.

Alle neuen Angebote für Multiplikatoren und KMU zum Thema Cloud Computing finden sich ab Ende 2018 auf der Webseite Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart sowie der Webseite Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Lingen. Die Webseite Mittelstand 4.0-Agentur Cloud steht den Zielgruppen noch bis Ende 2019 in unveränderter Form und mit allen Inhalten zur Verfügung.

Autor: bwcon GmbH, FSTI

Ergebnisse des Mikroprojekts im Bereich Service-/Geschäftsmodellentwicklung

 

Aufgabenstellung

In Deutschland gibt es etwa 9.000 Schornsteinfegerbetriebe. Fast alle stehen durch die digitale Transformation und die Energiewende vor großen Herausforderungen. Aufgrund neuer technologischer Entwicklungen und dem Einsatz von Sensoren, können neue Heizungssysteme vom Hersteller selbst überwacht und im Bedarfsfall gewartet werden. Somit entfällt eine wesentliche Einnahmequelle von Schornsteinfegern. Aber auch die Energiewende bringt Veränderungen für diese Berufsgruppe mit sich. Immer mehr Häuser werden passiv geheizt gleichzeitig nehmen Verbote und Einschränkungen für die Nutzung fossiler Brennstoffe zu. Für Schornsteinfeger stellt sich somit die Frage womit sie zukünftig noch Geld verdienen können.

Lösungsweg

In dem Mikroprojekt der Themen-schwerpunkte Service-/Geschäftsmodell-entwicklung und Gebäude wurden mit dem Bezirksschornsteinfeger Bernd Tretter aus Stuttgart zunächst die oben beschriebenen Herausforderungen identifiziert. Im Anschluss daran fand eine Analyse der Geschäftsfähigkeiten (Kernkompetenzen) eines Schornsteinfegers statt. Die Geschäftsfähigkeiten beschreiben dabei die Kompetenzen, mit welchen ein Schornsteinfeger seine Wertschöpfung erbringt. Für das Berufsbild des Schornsteinfegers konnten insbesondere die Fähigkeiten des Messens und der Analyse von Klimadaten wie Sauerstoff, Kohlenstoffmonoxid und -dioxid, Feinstaub, Feuchtigkeit und dem Schadstoffgehalt der Luft identifiziert werden. Auf Basis dieser Fähigkeiten wurde deutlich,  dass Schornsteinfeger genau wissen, wie die Luftzusammensetzung eines Raums sein muss, damit die Menschen gesund bleiben (Schimmelvorbeugung) und möglichst wenig Energie verschwendet wird (richtige Belüftung).

Die Auswertung des Raumklimas kann jedoch nur auf Basis von aktuellen Daten erfolgen. Damit der Schornsteinfeger die Analyse durchführen kann sind entsprechende Sensoren, die Raumklimadaten übertragen notwendig. Um die Potenziale und den Nutzen zu identifizieren wurde ein Demonstrator erarbeitet, dieser enthält Sensoren, die über eine Internetverbindung Daten an eine Open Source Plattform übertragen. Die Entwicklung des Demonstrators diente zur Veranschaulichung der Möglichkeiten für neue Services und Geschäftsmodelle, die sich aus Datenübertragung ergeben.

Entwicklung des Anwendungsszenarios

Mithilfe der Sensordaten zum Raumklima kann der Schornsteinfeger „Raumklima als Service“ anbieten. Zum einen könnte der Schornsteinfeger als Betreiber der Heizung fungieren. Hier würde er vom Kunden einen monatlichen Betrag (in etwa 400 € inkl. Heizöl) verlangen und stellt sicher, dass die Heizung immer funktioniert und der Kunde das vereinbarte Raumklima seitens der Heizung erhält. Darüber hinaus sorgen Sensoren und Aktoren dafür, dass die Belüftung in einer Linie mit den Heizvorgängen ist. Um dies zu verwirklichen muss der Schornsteinfeger mit anderen Gewerken wie etwa einem Fensterbauer, einem Elektriker und einem Flaschner gewerkeübergreifend zusammen-arbeiten. Darüber hinaus kann der Schornsteinfeger die Raumklimadaten nutzen um zusätzliche Services anzubieten. Die Datenanalyse kann somit beispielsweise Aufschluss darüber geben, ob das Gebäude besser gedämmt werden muss oder ob es mehr Entlüftungsmöglichkeiten benötigt werden, um beispielsweise eine Schimmelbildung zu verhindern.

Das Anwendungsszenario ist insbesondere für Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser, Seniorenheime, Büros aber auch öffentliche Gebäude interessant, da sich dort viele Personen in den Räumen aufhalten, die ein Interesse daran haben, dass ein gesundes Klima in den Zimmern herrscht.

Vorteile für den Schornsteinfeger
  • Direkter Kundenkontakt und Schnittstelle zum Kunden.
  • Aufwand für Hausbesuche reduziert sich.
  • Die datenbasierten Services funktionieren unabhängig vom Brennstoff.
  • Skalierbares, ortsunabhängiges Geschäftsmodell

 

Vorteile für den Kunden
  • Garantie, dass immer ein gesundes Klima im Raum herrscht.
  • Heizung zur Miete – der Kunde ist nicht mehr verantwortlich dafür, dass sie funktioniert.
  • Hohe Anschaffungskosten werden auf monatliche Raten aufgeteilt.

 

Dieses Projekt wurde im Rahmen des Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart gemeinsam mit Bernd Tretter, Bezirksschornsteinfeger durchgeführt. Sie möchten auch neue Services in Ihrem Bereich entwickeln? Nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.

 

Themenfeld Geschäftsmodelle: Patrick Weber (FSTI), Patrick.Weber@stw.de

Themenfeld Serviceentwicklung: Lisa Hornberger (bwcon GmbH), hornberger@bwcon.de

Themenfeld Gebäude: Nina Steinhäuser (BWHT), Nsteinhaeuser@handwerk-bw.de

Wie sieht die Produktionssteuerung der Zukunft aus und welche Potenziale für die Digitalisierung in der Produktion gibt es?

Im Bericht „Anforderungen für die Produktionssteuerung der Zukunft. Aktueller Einsatz produktionsbezogener Software und Bedarf in produzierenden Unternehmen“ werden die Umfrageergebnisse aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Zusammenarbeit mit der GADV mbH, die sich mit diesem Thema beschäftigt, dargestellt.

Befragt wurden Akteure aus KMU und Großunternehmen, die sich aktuell in einer digitalen Transformation befinden. Auf Grundlage der Erhebung werden zukünftige Digitalisierungsthemen und Ansätze ermittelt. Potenziale wurden vor allem in der Themenerstellung der elektronischen Datenerfassung und automatisierten Auswertung erkannt sowie in der Bereitstellung von Softwarelösungen im Bereich Instandhaltung und Wartung.

Erfahren Sie hier mehr über die detaillierten Ergebnisse.

Den Blick für Neues öffnen                                                                                                                                                 (Autor: Marc-Daniel Moessinger)

Smarte Datenbrillen sind ein gutes Beispiel dafür, wie neue Technologien Wertschöpfungsprozesse verändern. Auch wenn viele der gegenwärtig verfügbaren Modelle aufgrund ihrer Größe und des Gewichts noch nicht für den Einsatz während eines kompletten Arbeitstages geeignet sind, lässt sich die fortgeschrittene Technik in immer mehr Fällen konkret anwenden. Der Nutzen für das eigene Unternehmen und die Möglichkeiten der praktischen Umsetzung waren Gegenstand eines vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart organisierten Workshops. Beteiligte Partner waren der VDMA Baden-Württemberg, der Baden-Württembergische Handwerkstag und das Ferdinand-Steinbeis-Institut.

Das mit Abstand größte Potential von Datenbrillen sahen die Teilnehmer im Bereich Service: Durch das von der Brille übertragene Livebild kann der Servicetechniker des Herstellers den Fehler beim Kunden identifizieren und den Mitarbeiter im Servicefall gezielt anleiten. Eine fehleranfällige Telefonberatung oder kostspielige Reisen ohne passende Ersatzteile können so vermieden werden.

Des Weiteren wurden insbesondere die Schulungsmöglichkeiten mit einer Datenbrille positiv bewertet. Zum einen besteht die Möglichkeit, dem Lernenden an der realen Maschine bedarfsgerecht Informationen und Anleitungen anzuzeigen. Zum anderen kann die Schulung losgelöst vom physischen Objekt mit Hilfe virtueller Realität durchgeführt werden. Hierbei ermöglicht die Datenbrille auch den Blick hinter die Oberfläche, also auf Vorgänge, die normalerweise in der Maschine im Verborgenen ablaufen. Zusätzlich besteht der Vorteil, dass eine fehlerhafte Programmierung der virtuellen Maschine weder Werkzeug noch Maschine zerstört.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten betreffen die Visualisierung des Maschinenstatus (beispielsweise hinsichtlich der Auslastung) sowie die virtuelle Darstellung von Anlagen (beispielsweise zur Kundenpräsentation auf Messen oder zur Planung eines Fabriklayouts). Ebenso kann eine Datenbrille für Arbeitsanweisungen in der Montage oder der Lagerlogistik verwendet werden.
Zu betonen ist, dass der Einsatz von Datenbrillen nicht nur großen Unternehmen vorbehalten ist. Im Gegenteil: durch die vergleichsweise geringen Erstinvestitionen besteht insbesondere für KMU die Möglichkeit, erste Schritte zur Industrie 4.0 vorzunehmen und die digitale Transformation im eigenen Unternehmen voranzutreiben.

Kontakt
Dr. Marc-Daniel Moessinger
VDMA Baden-Württemberg
Telefon +49 711 22 801 26
E-Mail marc-daniel.moessinger@vdma.org

Nina Steinhäuser
BWHM GmbH
Telefon +49 711 263709-156
E-Mail nsteinhaeuser@handwerk-bw.de

Patrick Weber
Ferdinand-Steinbeis-Institut
Telefon +49 711 1839-686
E-Mail Patrick.Weber@stw.de

 

(Autoren: FSTI/bwcon/VDMA)

Wie Sie durch eine gezielte Analyse Ihrer Geschäftsfähigkeiten zusätzliche Wertschöpfung generieren können

Neue oder auch zusätzliche Wertschöpfung generieren – das ist das Ziel eines jeden Unternehmens, unabhängig davon, in welcher Branche es tätig ist. Doch wie finden Unternehmen Ideen für neue Wertschöpfung und wie kann die Digitalisierung dabei behilflich sein?

Das Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) hat dafür den sogenannten Fähigkeiten-basierten Middle-In-Ansatz erarbeitet, der die Geschäftsfähigkeiten eines Unternehmens in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt. Hierbei werden in einem ersten Schritt die im Unternehmen vorhandenen Geschäftsfähigkeiten identifiziert. Anschließend folgt die Generierung von Ideen, wie diese Geschäftsfähigkeiten gezielt in sogenannten Wertschöpfungsnetzwerken (auch Internet-basierte Ökosysteme genannt) eingebracht werden können, um durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit neue Produkte und Services anbieten zu können.

Das FSTI charakterisiert Wertschöpfungsnetzwerke dabei über eine branchenübergreifende und partnerschaftliche Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen. Durch diese Zusammenarbeit können gänzliche neue Produkte und/oder Services angeboten und damit zusätzliche Kundenbedürfnisse befriedigt werden. Ein wichtiger Befähiger dafür ist die zunehmende Vernetzung beliebiger Objekte mittels Internettechnologie. Dadurch entstehen Plattformen, über die Daten, Produkte und Services gemakelt werden. Hierdurch lösen sich u. a. Branchengrenzen und klassische Wettbewerbsstrukturen auf. Damit einhergehend begeben sich vielfach neue Wettbewerber in bestehende Domänen und versuchen, die Schnittstelle zum Kunden mit digitalen Services zu besetzen.

Erste Schulungen in Stuttgart und Villingen-Schwenningen

Um interessierten Unternehmen diesen Ansatz vorzustellen, wurde im Querschnittsthema „Geschäftsmodell- und Serviceentwicklung“ ein entsprechendes Schulungskonzept erarbeitet. Die erste dreistündige Schulung fand am 10.04.2018 gemeinsam mit dem VDMA und 20 Teilnehmern aus dem Maschinenbau statt. Am 17.04.2018 ging es mit einem verkürzten Format in Villingen-Schwenningen weiter. Teilnehmer waren dabei zehn kleine und mittlere Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen.

In den beiden Schulungen wurde deutlich, dass es für viele Unternehmen neu ist, in Geschäftsfähigkeiten und Wertschöpfungsnetzwerken zu denken. Um das Verständnis zu schärfen, wurden die Inhalte mit den Maschinenbauunternehmen anhand eines fiktiven Beispiels verdeutlicht. Die Teilnehmer wurden hierfür in vier Gruppen aufgeteilt, die jeweils die Perspektive eines der folgenden Unternehmen repräsentierten: 3D-Druck-Maschinenhersteller, 3D-Druck-Maschinenanwender, Versicherer und Logistikdienstleister. Innerhalb ihrer Gruppen identifizierten die Teilnehmer dann die in den jeweiligen Unternehmen vorhanden Geschäftsfähigkeiten – jede Gruppe für „ihr“ Unternehmen. Diese identifizierten Geschäftsfähigkeiten bildeten die Grundlage, um daraus Geschäftsmodelle in Wertschöpfungsnetzwerken zu gestalten. Dafür wurden die Gruppen gemischt, die Teilnehmer behielten jedoch die Rolles „ihres“ Unternehmens bei. Die neugebildeten Gruppen bestanden dann jeweils aus einem Vertreter der vier Unternehmen. Auf Basis der identifizierten Geschäftsfähigkeiten wurden durch die Bündelung der Geschäftsfähigkeiten Ideen für völlig neue Geschäftsmodelle in Wertschöpfungsnetzwerken generiert. Unter anderem in den Gebieten Ersatzteilversorgung von Autos oder Versicherung von Prothesen im zahnmedizinischen Bereich.

Wenn auch Sie sich für neue Geschäftsmodelle in Wertschöpfungsnetzwerken interessieren, melden Sie sich gerne bei Patrick Weber (Patrick.Weber@steinbeis.de)

(Autor: bwcon/FSTI)

Digitalisierung hat viele Gesichter

Digitalisierung wird in jedem Unternehmen anders definiert. Das ergab bereits die Bedarfsanalyse die zum Start des Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrums durchgeführt wurde. Dabei wurde unter anderem deutlich, dass viele Unternehmen eine Möglichkeit suchen, um zu beurteilen „was bringt mir die Digitalisierung eigentlich?“ – und das unabhängig der jeweiligen Branche. Diese Fragestellung war der Ausgangspunkt für ein Mikroprojekt im Themenfeld Geschäftsmodellentwicklung. Dieses Mikro Projekt ist besonders relevant für den Bereich Geschäftsmodellentwicklung, weil hierdurch erste Erfahrungen mit der Wirtschaftlichkeitsbewertung digitaler Lösungen gesammelt werden konnten. Daraus werden im weiteren Projektverlauf Methoden für die Bewertung von Wertschöpfungsfragmenten und den zugehörigen Geschäftsfähigkeiten in Wertschöpfungsnetzwerken abgeleitet.

Projektpartner war die Schnapptack GmbH mit Geschäftsführer Toni Michel. Das Stuttgarter Unternehmen steht seit einiger Zeit vor der Fragestellung, wie können Digitalisierungslösungen monetär bewertet werden. Die Schnapptack GmbH bietet mit „sdox“ eine Digitalisierungslösung für den Marketing und Sales Bereich an. Hierbei besonders interessant und knifflig: der Nutzen ist oftmals nicht in konkreten Zahlen zu sehen, sondern stellt sich oft erst nach einiger Zeit ein. Wie kann eine solche Investition trotzdem wirtschaftlich bewertet werden? Durch die Recherche und Analyse des Kompetenzzentrums, in die das Feedback und die Erfahrung von Toni Michel aus der Praxis einflossen, entstand ein Methodenbaukasten zur wirtschaftlichen Bewertung von Digitalisierungslösungen.

Durch die Prozessanalyse entsteht mehr Transparenz

Dabei liegt der Fokus insbesondere darauf den gesamten Wertschöpfungsprozess zu betrachten. Im Mikroprojekt wurde die Lösung „sdox“ aus dieser Sichtweise untersucht. Eine detaillierte Prozessanalyse zeigte in welchen Prozessphasen die Lösung verankert ist. Zudem wurde deutlich, dass sich die Einführung einer Digitalisierungslösung auch auf andere Aspekte der Wertschöpfung Einfluss haben kann, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht auf der Hand liegen. Genau an dieser Herausforderung setzt der entwickelte Methodenbaukasten an und betrachtet zunächst umfassend die vorhandenen Prozesse im Unternehmen. Darauf aufbauend werden die Investitionskosten analysiert und möglichst genau berechnet. Nicht zu vernachlässigen sind dabei auch Kosten die bereits vor und nach der eigentlichen Anschaffung entstehen.

Das Grundprinzip der Wirtschaftlichkeit: Abwägung von Kosten und Nutzen

Neben den mit einer Investition verbundenen Kosten, spielt selbstverständlich auch der Nutzen eine wesentliche Rolle – denn im Grund ist eine Wirtschaftlichkeitsbewertung die Abwägung von Kosten und Nutzen. Im Mikroprojekt mit der Schnapptack GmbH wurde deutlich, dass der Nutzen einer Digitalisierungslösung nicht immer direkt in Zahlen oder in Form von zusätzlichen Erlösen dargestellt werden kann. Oft ist es das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die dann den Nutzen im Unternehmen erbringen. Es gilt daher, diese Nutzenfaktoren zu identifizieren und zu bewerten. Wenn keine monetäre Bewertung möglich ist, erfolgt diese anhand eines Scoring Modells. Diese drei Schritte der Wirtschaftlichkeitsbewertung sind im „3-Säulen-Modell der Wirtschaftlichkeit“ dargestellt, welches das Ergebnis des Mikroprojekts mit der Schnapptack GmbH ist.

Das im Rahmen des Mikroprojekts erarbeitete 3-Säulen-Modell ist zentraler Bestandteil der Schulung „Wirtschaftlichkeitsbewertung von digitalen Lösungen“. Bei weiteren Fragen zu dieser Schulung und dem gesamten Thema wenden Sie sich gerne an Lisa Hornberger (hornberger@bwcon.de).

 

Digitalisierung in der Praxis: Schreiner Holitsch stellt sich für die Zukunft auf

(Autor: BWHM GmbH)

Viele Handwerksunternehmer, die gerade mit der Digitalisierung ihres Betriebs beginnen, stellen sich die gleiche Frage: „Was heißt Digitalisierung und wo setze ich am besten an? Um der Antwort einen Schritt näher zu kommen, lohnt sich der Blick ins oberschwäbische Tettnang zur Schreinerei Holitsch, die sich beim DigiCheck des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart als sogenannter Best Practice-Betrieb herauskristallisierte. „Ein Best Practice-Betrieb, bei uns Use Case-Betrieb genannt, ist in allen Unternehmensbereichen so optimal aufgestellt, dass kaum Handlungsbedarf besteht. Er dient somit als ideales Praxisbeispiel für andere Betriebe“, erklärt Florian Jentsch, Abteilungsleiter für Technologie, Digitalisierung und Innovation beim Baden-Württembergischen Handwerkstag.

Das Ziel ist klar gesteckt

Konfrontiert man Betriebsinhaber Alois Holitsch mit dem Ergebnis des Checks, reagiert der eher nüchtern „Wir sind doch alle noch in der Orientierungsphase“, sagt er und nimmt sich damit selbst als stetig Dazulernenden nicht aus. Den Weg seines Betriebs hat er jedoch einer klaren Vision unterworfen: Sein ganzes Team soll letztendlich ortsunabhängig in Echtzeit an einem Informationsstrang arbeiten können. Dafür arbeitet Holitsch aktiv an der Verkettung der bestehenden „digitalen Schollen“ im Unternehmen. Die betrieblichen Prozesse wurden zunächst abgelichtet, dann verschlankt und nachfolgend in einer Softwarearchitektur abgebildet.

Ein erster praktischer Schritt stellte hierbei die Einführung der papierlosen Produktion dar, durch den nun alle beteiligten Akteure wie Verwaltung, Arbeitsvorbereitung und Produktion sowie der Kunde in Echtzeit über den Fertigungsstand informiert sind. Mittelfristig sollen die verschiedenen Unternehmensbereiche auch Daten schnell und unkompliziert austauschen können. „Die Vernetzung bringt den Speed“, sagt Holitsch.

Zukunftssicher aufstellen

Damit möchte er den Betrieb in die Lage versetzen, in Zukunft eine reduzierte Belegschaft zu kompensieren. Diese Situation könne als natürliche Folge von Entwicklungen, wie dem demografischen Wandel, der teils geringen Fachkräftequalifikation, sowie der erhöhten Studierendenrate schneller als erwartet eintreten. „Im Moment können wir jedoch noch agieren statt nur zu reagieren“, macht Holitsch deutlich.

Dazu gehört auch, dem Kunden heute schon zu geben, was dieser aus dem privaten Bereich gewohnt ist: Erstens eine schnelle, unkomplizierte Kommunikation. Vom Einsatz der üblichen Messenger-Dienste profitiert auch der Betrieb stark, da er in der Regel unmittelbare Rückmeldung zu Aufträgen von Kundenseite erhält. Zweitens der Wunsch nach Individualität: Im Online-Konfigurator für Türen auf der Unternehmenswebseite wählt der Kunde Türblatt, Türrahmen und optionale Lichtausschnitte aus und stellt sich so eine individuelle Haustür zusammen. Die Unverzichtbarkeit von Online-Konfiguratoren zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit verdeutlichen auch erfolgreiche Beispiele aus anderen Branchen: im Malerbereich etwa der Online-Konfigurator „Kolorat“ für individuelle Wandfarben, der Online-Konfigurator für Maultaschen der Stuttgarter Metzgerei Blessing oder der des Orthopädieschuhmacher-Meisters Christoph Mätzold für Einlegesohlen.

Use Cases als Hilfestellung

Beispiele für erfolgreiche Unternehmensdigitalisierung aus dem Handwerk existieren also zuhauf. Häufig müssen sie jedoch noch bekannter und den Betrieben erst zugänglich gemacht werden. Nur auf diese Weise können sie schließlich auch als Orientierung und Anreiz für andere Betriebe dienen.

„Diesen Bedarf greifen wir gerne auf und werden in Zukunft leicht zugänglich Use Cases aus unterschiedlichen Gewerken bereitstellen“, erklärt Florian Jentsch. Aktuell arbeitet die Beratungs-und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Handwerk und Mittelstand (BWHM) deshalb an der Erstellung eines Use Case-Katalogs für das Handwerk, der zeitnah auf der Internetseite des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart zu finden sein wird.

(Autor: bwcon)

Wie können durch Digitalisierung neue Services im Handwerk entstehen?

Diese zentrale Fragestellung wurde in einem kurzen einführenden Vortrag aufgeworfen, anhand einiger branchenfremden Beispiele wurde aufzeigt, wie durch Digitalisierung gänzlich neue Services ermöglicht wurden. Um dies auf das Handwerk zu übertragen und neue Ideen für Services im Handwerk zu generieren wurde der Effectuation-Ansatz gewählt. Mit dieser zentralen Frage startete der Workshop im Kreativraum der bwcon. Bewusst wurde eine kleine Gruppe eingeladen- drei Handwerker unterschiedlicher Gewerke waren gekommen, um sich mit dem Team des Kompetenzzentrums auszutauschen. Aber warum Handwerker aus unterschiedlichen Gewerken? Im Vorgespräch mit einem Schornsteinfeger wurde deutlich, dass im Handwerk disruptive Innovationen noch schwieriger durchzusetzen sind. Das liegt daran, dass stärker als in der Industrie darauf geachtet wird, dass nur ausgebildete Personen bestimmte Tätigkeiten ausführen. Sollen demnach neue Services mit Hilfe von digitalen Technologien entstehen, ist das Handwerk auf eine gewerkeübergreifende Zusammenarbeit angewiesen. Wie fast in jedem kleineren Unternehmen sind auch in vielen Handwerksbetrieben die Ressourcen begrenzt, um schlagartig große Neuerungen umzusetzen.

Ideengenerierung durch die Effectuation-Methode

Deshalb war das Ziel dieses Workshops nicht, bahnbrechende, großartige Innovationen zu finden, sondern Ideen zu entwickeln, die man mit den eigenen Mitteln – und ggf. den von anderen- umsetzen kann. Das beschreibt die Grundhaltung der Methode „Effectuation“. Gemeinsam mit den Themenverantwortlichen der Bereiche Gebäude und Geschäftsmodelle des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums diskutierten ein Schornsteinfeger, ein Bad-, Heizungs- und Sanitärbetrieb sowie eine Vertreterin eines Zimmerei- und Dachdeckerbetriebs über neue Ideen für das Handwerk. Moderiert wurde der Workshop von Effectuation-Coach Alexandra Rudl von der bwcon. Der „Marktplatz der Macher“ beschreibt den ersten Teil des Workshops. Jeder, ob Handwerker oder Team des Kompetenzzentrums, überlegte sich Ideen, die man gerne umsetzten möchte. Im Anschluss daran erfolgte der Austausch mit anderen Workshop-Teilnehmern: In drei Runden mit jeweils sechs Minuten Zeit stellte man seine Idee einem anderen Teilnehmer vor und holte sich dazu Feedback ein, um seine Idee weiter zu verbessern. Dann wurde es spannend: welche Idee soll umgesetzt werden? Für welche Idee gibt es Mitstreiter, die bei der Verwirklichung unterstützen?

Drei tragfähige Ideen warten auf Umsetzung

Jeder bestimmte selbst, ob und welche Idee er als sogenanntes „Schnellboot“ losschickt. Gleichzeitig bedeutet das, dass der Ideengeber auch der „Kapitän“ ist und somit für die Verwirklichung des Projekts verantwortlich. Überzeugt die Idee, heuert auch noch der ein oder andere Workshop-Teilnehmer als „Crew“ an und unterstützt bei der Umsetzung. In diesem Workshop haben drei Schnellboote abgelegt. Das erste Projekt beschäftigt sich mit der Entwicklung einer online-Kollaborationsplattform. Hier soll die Zusammenarbeit der einzelnen Gewerke bei der Angebotserstellung, Planung und Umsetzung des Vorhabens durch definierte Workflows die mit einer entsprechenden Software verknüpft sind, erleichtert werden. Im zweiten Projekt wird untersucht, wie ein Schornsteinfeger mit Hilfe von Sensorik neue Wertschöpfung generieren kann und welche Partner er hierfür gegeben falls noch braucht. Im dritten Vorhaben suchen wir nach Lösungen, wie Bad-, Heizungs- und Sanitärbetriebe ihren Kunden schnell sagen können, wo die gewünschte Einrichtung ausgestellt ist. Wir hoffen, dass unsere Boote schnell Fahrt aufnehmen und bald erste Ergebnisse verfügbar sind.

Ansprechpartner:

Themenfeld Geschäftsmodell- und Serviceentwicklung:

Patrick Weber
Patrick.Weber@steinbeis.de

Lisa Hornberger
hornberger@bwcon.de

Themenfeld Gebäude:

Nina Steinhäuser
nsteinhaeuser@handwerk-bw.de

(Autor: BWHM GmbH)

Digitale Geschäftsmodellinnovation im Handwerk

Die Maler Giese GmbH aus Stuttgart-Degerloch und ihr neu ausgegründetes Startup Filitime schreiten in Sachen digitaler Geschäftsmodellinnovation mit Siebenmeilenstiefeln voran. Aktuell entwickelt das junge handwerksnahe Startup die digitale Plantafel, eine Webapplikation zur Arbeitsplanung und -koordination. „Mit dem Projekt „Filitime – Digitale Plantafel“ haben wir uns das Ziel gesetzt, die klassische Plantafel mit Steckkarten und Magneten abzulösen und die Kommunikation und Planung in kleinen und mittleren Unternehmen dadurch erheblich zu vereinfachen“, berichtet Patrick Giese, Geschäftsführer der Maler Giese GmbH und des Startups Filitime. Zwar habe die analoge Plantafel in der Vergangenheit durchaus seinen Zweck erfüllt, werde den gestiegenen Anforderungen bei der Kapazitätsplanung aller Mitarbeiter, Arbeitsplätze und Arbeitsmaschinen aber zwischenzeitlich nicht mehr gerecht.

Größtmöglicher Praxisbezug

Euphorisch blickt Philipp Richert, Geschäftsführer und Programmierer bei Filitime, auf die Entwicklungsphase zurück. Der langjährige Erfahrungsschatz der Maler Giese GmbH in der Auftrags- und Auslastungsplanung habe erheblich zu einer möglichst praxisnahen Softwareentwicklung beigetragen. „Software kann man eben theoretisch entwickeln oder wie wir quasi auf der Baustelle zusammen mit dem Handwerk. Mehr Praxisbezug geht nicht“, erklärt Richert. Die digitale Plantafel sei vom Layout deshalb stark an die klassische Wandplanungstafel angelehnt. Dies vereinfache die Einarbeitungszeit und schaffe zudem eine gewisse Übersichtlichkeit.

Digitale Plantafel nur der Anfang

Doch die digitale Plantafel wird mit Sicherheit nicht das letzte Projekt der Maler Giese GmbH und Filitime sein. In Zukunft wollen die beiden Unternehmen ihren Innovationsmotor erst so richtig zum Laufen bringen. „Wir planen weitere Schnittstellen zur digitalen Plantafel zu schaffen, und wollen dadurch künftig neben der Bauzeitenplanung auch die Auftragsplanung und eine effiziente Mitarbeiterkommunikation ermöglichen“, kündigt Philipp Geißler, Betriebswirt und kreativer Kopf von Filitime, an.

Was können andere Betriebe von der Maler Giese GmbH lernen?

Generationen von Führungskräften wurden auf die Branchenanalyse nach Michael Porter getrimmt. Darin sei zunächst nichts Schlechtes zu sehen, erklärt Florian Jentsch, Abteilungsleiter für Technologie, Digitalisierung und Innovation beim Baden-Württembergischen Handwerkstag. Für erfolgreiche Geschäftsmodellinnovationen sei es jedoch unerlässlich, die dominante Branchenlogik zu durchbrechen und gerade auch Ideen außerhalb bestehender Denkschemata zu entwickeln. Dies habe die Maler Giese GmbH in besonderem Maße berücksichtigt und sei deshalb ein hervorragendes Praxisbeispiel für andere Handwerksbetriebe und KMUs.

 

Das Team des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart freut sich auf die gemeinsamen Umsetzungsprojekte im Themenfeld Gebäude.