Praktikerveranstaltung im Bereich „Produktion“

Predictive Maintenance ermöglicht den Austausch von Bauteilen, bevor es zum Maschinenstillstand kommt. Auf einer vom VDMA Baden-Württemberg durchgeführten Veranstaltung des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart berichten Vertreter der Hermle AG, der Trelleborg Sealing Solutions Germany GmbH und der John Deere GmbH & Co. KG von aktuellen Projekten.

Während früher eine Maschine erst dann repariert wurde, wenn sie bereits ausgefallen war, erlauben heute neue Technologien die frühzeitige Identifikation und Beseitigung möglicher Schwachstellen. Dies verringert die Gefahr ungewollter Maschinenausfälle und trägt zu einer erheblichen Kostenreduktion bei.

Und wie sieht das in der Praxis aus? Drei Beispiele
Unter dem Motto „Maschinenausfälle wegfräsen“ hat die Hermle AG gemeinsam mit dem vom Land Baden-Württemberg geförderten Smart Data Solution Center neue Potentiale für eine automatisierte Fernwartung identifiziert. Sowohl externe als auch interne Messgrößen erfassen Informationen wie beispielsweise Temperatur, Druck, Achsposition und Drehzahlen. Anhand einer statistischen Auswertung kann somit der jeweilige Maschinenzustand abgeleitet und das optimale Wartungsintervall beim Kunden bestimmt werden.

Die Bedeutung von Predictive Maintenance aus der Sicht eines Herstellers von C-Teilen wurde am Beispiel der Trelleborg Sealing Solutions Germany GmbH verdeutlicht. Während der Wertanteil einzelner C-Teile an der gesamten Maschine nur sehr gering ist, kann der Ausfall eines C-Teils zum Stillstand der gesamten Anlage und damit zu einem erheblichen Schaden führen – ein No-Go. Eine vorausschauende Wartung kann dies verhindern. Das Unternehmen verfolgt hierbei einen kooperativen Ansatz, um gemeinsam mit dem Kunden die Voraussetzungen für die Zustandsüberwachung zu schaffen. Langfristiges Ziel des Unternehmens ist es, unter dem Schlagwort „commodity as a service“ nicht das individuelle Produkt, sondern dessen zuverlässige Leistungserbringung zu verkaufen.

In der John Deere GmbH & Co. KG ist Predictive Maintenance in die langfristige Digitalisierungsstrategie des Unternehmens eingebettet. Qualitätsprobleme werden in Echtzeit digital erfasst und ausgewertet, um über die implementierten Qualitätskreisläufe schneller zu reagieren und damit die Produktqualität permanent zu verbessern.

Keine Digitalisierung ohne Daten
Die Praxisbeispiele zeigen, dass Predictive Maintenance keine theoretische Zukunftsvision, sondern bereits gelebte Praxis im Maschinen- und Anlagenbau ist. Jedoch scheitern noch zu viele Projekte an der Bereitschaft der Kunden, Daten aus der eigenen Fertigungsumgebung freizugeben. Hier gilt es, den digitalen Wandel weiter voranzutreiben, indem gerade in KMUs Vorbehalte ab- und Kooperationen aufgebaut werden. Gleichzeitig müssen Standards für einen zuverlässigen und sicheren Datenaustausch festgelegt werden.

Weitere Informationen zum Thema bei:
Dr. Marc-Daniel Moessinger
VDMA Baden-Württemberg
Telefon +49 711 22 801 26
E-Mail: marc-daniel.moessinger@vdma.org >>

Schulungen im Bereich „Digitales Bauen“ 

Im Oktober fanden im Fraunhofer IAO Stuttgart Schulungen zu Digitalisierung in Planungs- und Bauprozessen im Mittelstand und Handwerk statt. Wir sind begeistert, was wir mit und von unseren Teilnehmer gelernt haben!

 „Digitales 3D-Aufmaß“ am 19.10.2017
Schnell, präzise, umfassend: 3D-Laserscanning bietet zahlreiche Vorteile im Vergleich zu herkömmlichen Aufmaßmethoden. So entfallen zum Beispiel wiederholte Nachmessungen vor Ort und auch eine ortsflexible Bearbeitung von Projekten ist möglich. Bei entsprechender Aufbereitung als Datenmodell und anschließender Archivierung kann zudem auch noch Jahre später auf exakte Gebäudeinformationen zurückgegriffen werden. In der Schulung „Digitales 3D-Aufmaß in der Praxis“ erhielten die Teilnehmer durch Herrn Martin Huppenbauer von der Hemminger Ingenieurbüro GmbH & Co. KG einen Überblick zu gängigen 3D-Laserscanning-Systemen. Und was sagen die Praktiker dazu? In einer Diskussionsrunde mit Rollenspiel konnten die Workshopteilnehmer das Verfahrens näher kennenlernen.

Als die größten Hürden wurden dabei folgende Aspekte identifiziert:

  • Ein anwesender Steinmetz betonte, dass der Erklärungsbedarf zu digitalen Tools in der Praxis immer noch sehr hoch sei und diese deshalb auch noch nicht zum Standardwerkzeug gehören.
  • Es herrscht immer noch Misstrauen gegenüber der Genauigkeit und Richtigkeit der so erhaltenen Daten. Da hilft nur zum Workshop kommen, ausprobieren, selbst überzeugen.
  • Datenbestände müssen beständig aktualisiert und gepflegt werden, um einen Nutzen zu bringen. Dies ist jedoch auf lange Sicht digital mit wesentlich weniger Aufwand verbunden als auf Papier.
  • Für entsprechende Effizienzgewinne müssen Gebäudedatenmodellen gewerkeübergreifend und partnerschaftlich genutzt werden. Das Kompetenzzentrum bemüht sich hier um die Vernetzung relevanter Akteure, zum Beispiel in einem Mikroprojekt.

Und wo sehen Praktiker die Vorteile des Verfahrens?

  • Im Gegensatz zu gängigen 2D-Messverfahren werden keine einzelnen Messpunkte, sondern eine ganze Punktwolke erfasst. Aus dieser können dann exakte und verformungsfreie Grundrisse, Ansichten und Schnitte konstruiert werden.
  • Die ortsflexiblen Arbeitsmöglichkeiten und -phasen zeigen sich in Kosteneinsparungen.
  • Die Informationen in Datenbanken langfristig gespeichert und bieten über die Planungs- und Realisierungsphase hinaus einen Mehrwert.
  • Visuelle Darstellungen und Augmented Reality Visualisierungen bedeuten ein großes Plus für eine moderne Kundenbetreuung.

„Virtual & Augmented Reality in Handwerk und Mittelstand“ am 25.10.2017
Virtual und Augmented Reality ist vielen im Bereich Freizeitunterhaltung bereits ein Begriff. Beim zweiten Workshop ging es darum, wie sich diese Technologien im Mittelstand und Handwerk nutzen lassen. Im Immersive Engineering Lab IELab des Fraunhofer IAO Stuttgart wurden Bauwerksdaten dank BIM (Building Information Modeling) zum maßstäblich erleb- und begehbaren, virtuellen Bauwerksprotoyp. Gerade für produzierende Gewerke wie Bau, Fliesenleger und Schreiner bieten sich enorme Vorteile für die tägliche Arbeit.

Und wie geht es weiter?
Die in den Schulungen aufgeworfenen Diskussionsthemen und erste Ideen sollen nun in Folgeterminen weiterentwickelt werden. Bleiben Sie über Aktuelles hier auf dem Laufenden.

Weitere Informationen zum Thema:
Florian Jentsch
gebauede@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de

„Das müssen wir erst mal dem Arzt schicken“  – Vom Zuckerzettel zur digitalen Datenübermittlung
(Autor: Dr. Tim Straub)

Viel Bürokratie und Papierkrieg – gerade im Gesundheitswesen und in der Pflege beschreibt dies oftmals noch den Arbeitsalltag. Schriftliche Dokumentation und umständliches Versenden von Patientendaten fressen zeitliche und personelle Kapazitäten, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden.

Doch langsam erhält auch die Digitalisierung Einzug in diesem traditionell eher analogen Bereich. Unterschiedliche Akteure, vom Patient bis hin zu Arzt und Pflegekraft, werden schnittstellenübergreifend, durch ein System miteinander vernetzt. So stehen alle wichtigen Informationen rund um den Patienten zentral und automatisch zur Verfügung.

Unser Mikroprojekt im Bereich Gesundheit dreht sich genau um dieses Thema: Wie können Daten von Menschen mit Diabetes digital übermittelt und gepflegt werden? Gemessene Blutzuckerwerte werden für gewöhnlich in eine Volldokumentation eingetragen, vom ambulanten Bereich an die Pflegezentrale vermittelt, die diese wiederum per Scan, Fax oder sogar Post an den Arzt übermittelt. Der Eintrag in einem digitalen System hingegen hilft, diesen enormen Koordinationsaufwand zu minimieren und Pflegekräfte in ihrem straffen Zeitplan zu entlasten.

Und welche Rolle spielen wir dabei? Als Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum führen wir alle Beteiligten zusammen und ermitteln, welche Anforderungen Pflegekräfte und Ärzte an eine papierlose Alternative haben. Wir informieren kostenlos über digitalen Lösungen und entwickeln gemeinsam Lösungsansätze.

Ein Beispiel: Warum statt dezentralem Aktenchaos keine Tablets in der Wohnung von Klienten verwenden und Pflegekräfte über Smartphones vernetzen?! Um Wünsche hier Realität werden zu lassen, wollen wir die Nachfrager aus der Pflege mit Lösungsanbietern wie Software-Herstellern zusammenführen.

Eine weitere entscheidende Rolle kommt den Ärzten in diesem Bereich zu. Mittels einer Befragung konnten wir ihre Anforderungen an eine digitalisierte Insulineinstellung ermitteln – aus der Ferne und in Echtzeit informiert sowie schnell reagierend im Dialog mit den Patienten. Für die Insulineinstellung sind auch Informationen zu Mahlzeiten, Bewegung und Stresslevel des Menschen mit Diabetes hilfreich. Über ein zentrales System könnte bereits vor der Insulinneueinstellung auf diese zugegriffen werden. Bei Akutfällen ist die Sofortverfügbarkeit lebensrettend.

Ziel des Mikroprojektes ist es, Potentiale der Digitalisierung zu identifizieren und die Beteiligten untereinander zu vernetzen. Bleiben Sie gespannt, welche Lösungsansätze wir gemeinsam für die gesamte Versorgungskette entwickeln. Wir werden darüber berichten!

Auch Interesse an einem Projekt mit uns im Bereich Gesundheit? Schreiben Sie uns an: gesundheit@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de

Mehr Informationen zum Projekt bei Dr. Tim Straub (straub@fzi.de)

Die ungenutzten Potenziale der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Bezug auf cyber-physische Systeme (CPS) werden immer wieder angesprochen. Aber warum ist das so? Warum ergreifen Mittelständler und Handwerksbetriebe nicht die Chance, auf der Welle von Industrie 4.0 mitzuschwimmen?

Bereits in Ihrem letzten Blog hatte Jessica Klapper vom Fraunhofer IAO diese Fragen thematisiert. In Ihrem neuen Blogbeitrag beschäftigt sie sich mit dem Thema Industrie 4.0: So kommen neue Technologien in Mittelstand und Handwerk

Das koreanische Institut KETI und das Fraunhofer IOSB haben ein Projekt gestartet, das vom Koreanischen Ministerium für Handel, Wirtschaft und Energie (MOTIE) finanziert wird. Basierend auf Konzepte des „Industrial Internet of Things (IIoT)“, werden integrierte Architekturen und Technologien für Aufbau eines Netzwerks von intelligenten Fabriken – das „Smart Factory Web“ – untersucht. Das Smart Factory Web wird eine Anpassung der Produktion durch die flexible Adaption von Fähigkeiten und das Teilen von Kapazitäten und Ressourcen ermöglichen, um die zeitgerechte Erfüllung von Aufträgen zu verbessern; siehe: http://www.smartfactoryweb.de/