Wie digitale Datenbrillen den Service verbessern
(Autor: Marc-Daniel Moessinger & Miriam Heinl)

Durch virtual augmented realtity (VAR) wird die reale Welt um zahlreiche digitale Angebote erweitert. Es ist der aktuelle Megatrend im Consumer Bereich, die Unterhaltungs- und Gaming-Industrie hat Rundgänge durch virtuelle Welten mit entsprechenden Brillen in die heimischen Wohnzimmer gebracht. Die Technologie ist jedoch weit mehr als bloßes Entertainment. Auch für Unternehmen in der Produktion und im Dienstleistungssegment ergeben sich ganze neue Möglichkeiten:

So können Mitarbeiter beispielsweise auf Gefahren aufmerksam gemacht werden, Werker bekommen Bedienungsanleitungen eingeblendet oder Konstrukteure bauen digitale Abbilder einer neuen Maschine in Sekundenschnelle in einer noch leeren Fabrikhalle auf. Während die potentiellen Anwendungsfelder dieser Technologie in der Theorie nahezu unbegrenzt erscheinen, zögern viele Unternehmer im Maschinenbau noch vor einer Investition, weil der Nutzen für den eigenen Betrieb noch nicht erkannt wird. Auf einem vom VDMA Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart und der Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg durchgeführten Erfahrungsaustausch ging es darum, dieses Thema für sie aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Ein vielversprechendes Anwendungsfeld für VAR-Brillen findet sich im Service. Die Maschinen- und Anlagenbauer Gebhardt Fördertechnik GmbH und ARKU Maschinebau GmbH sind gegenwärtig dabei, Anlagentechniker und Servicemitarbeiter mit smarten Datenbrillen auszustatten und diese im Servicefall einzusetzen. Während Servicetechniker bisher Probleme beim Kunden durch eine umständliche und fehleranfällige Telefonberatung lösen mussten und zur Fehlerbehebung zeit- und kostspielige Reisen notwendig waren, ermöglicht eine intelligente Datenbrille die Fehlerbehebung durch einen vom Hersteller geleiteten Mitarbeiter des Kunden vor Ort. Durch die virtuelle Einblendung von Zusatzinformationen in Form von Grafiken oder Videos kann der Mitarbeiter sicher durch den Prozess der Fehlerbehebung geführt und auf Gefahren aufmerksam gemacht werden. Darüber hinaus verringert sich das Risiko von Missverständnissen, da der Servicetechniker im Livebild sieht, was der Mitarbeiter beim Kunden vor sich hat. Ist am Ende die Fehlerbehebung vor Ort durch einen Servicetechniker des Herstellers unumgänglich, kann der Serviceauftrag durch die vorab gesammelten Informationen effizient durchgeführt werden.

So viel zu den Vorteilen, aber mit welchen Problemen kämpfen die Praktiker aktuell noch?
Während neue Servicetechniker oft dankbar für die technische Unterstützung sind, lehnten manch erfahrene Kollegen den Einsatz dieses Hilfsmittels anfangs ab. Ein hilfreiches Argument für die Überzeugungsarbeit dieser Mitarbeiter ist der Nutzen für den Kunden: Selbst die erfahrensten Servicemitarbeiter benötigen ab und an telefonische Unterstützung. Während es hierzu bei der Abrechnung immer wieder Diskussion mit dem Kunden über nicht zu bezahlende Telefonzeiten gibt, lässt sich diese Abstimmung mit einer Datenbrille samt integriertem Mikrofon unkompliziert lösen. Außerdem werden Datenschutzbedenken hinsichtlich personenbezogener Daten von den Unternehmen ernst genommen. Durch eine installierte Software können von der Kamera der Datenbrille eingefangene Gesichter automatisch unkenntlich gemacht werden. Kritisch wird von vielen Teilnehmern außerdem die Internetinfrastruktur gesehen. Entweder ist das beim Kunden verfügbare Netz nicht leistungsfähig genug oder der Hersteller erhält keinen Zugang zum Anschluss der Datenbrille. Eine Lösungsmöglichkeit für dieses Problem besteht in der Nutzung mobiler Hotspots. Unabhängig davon ist es aber wichtig, mit dem Projekt zu beginnen, auch wenn noch nicht alles optimal läuft. „Die Probleme von heute werden morgen nicht mehr vorhanden sein, aber von dem Vorsprung, der heute erarbeitet wird, kann man noch lange zehren“, so Ewald Hund, Technischer Leiter und Mitglied der Geschäftsführung der ARKU Maschinenbau GmbH.

Kontakt
Dr. Marc-Daniel Moessinger
VDMA Baden-Württemberg
Telefon +49 711 22 801 26
E-Mail marc-daniel.moessinger@vdma.org

Wie Sie Ihr Geschäftsmodell 4.0 updaten
(Autoren: Lisa Hornberger & Miriam Heinl)

Geschäftsmodelle verfallen wie Joghurt im Kühlschrank. Während es früher noch möglich war, als Führungsperson ein und dasselbe Geschäftsmodell über eine ganze Karriere hinweg zu verwalten, hat dies heute mit Sicherheit Seltenheitswert.“

So zitiert die Stuttgarter Zeitung den Schweizer Wirtschaftstheoretiker Alexander Osterwald zum digitalen Wandel. Damit einhergehend fallen oft die Schlagworte Transformation und Disruption – radikale Veränderung beziehungsweise völliges Neuerfinden von Geschäftsmodellen. Im Mikrokosmos vieler Mittelständler klingt das nach dem Ablaufstempel ihres „Joghurtbechers“. Schlussfolgerung der Einen: „Naja, noch läuft der Laden!“ und der Anderen: „Ohje/Oh ja, wir müssen also ein digitales Change-Projekt starten?!“. Daumen hoch, wenn Sie schon zur zweiten Sorte gehören, denn neben dieser manchmal etwas ohnmächtigen Erkenntnis haben Sie sich schon gefragt:
–       Was ist meine individuelle, datenbasierte Zutat für langfristiges und erfolgreiches Überleben im Wettbewerb?
–       Wo fängt man im eigenen Betrieb mit dem 4.0 Update an und wie setzt man es Schritt für Schritt um?
–       Welchen Mehrwert bringt eine digitale Lösung im operativen, täglichen Arbeiten?

Dass der Einstieg in die Digitalisierung nicht (immer) sofort mit einem komplett neuen Geschäftsmodell beginnen muss, zeigte Lisa Hornberger von bwcon in ihrem Vortrag zur wirtschaftlichen Bewertung von Digitalisierungsprojekten Ende Januar. In den vergangenen Monaten hat sie gemeinsam mit Patrick Weber vom FSTI für das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart daran gearbeitet, bestehende Methoden der Wirtschaftlichkeitsbewertung so zu kombinieren, sodass sie möglichst einfach vom Mittelstand für anstehende Digitalisierungsprojekte eingesetzt werden können. Der Fokus liegt dabei auf einem niederschwelligen Einstieg in die Digitalisierung sowie der umfassenden Bewertung der Nutzenpotentiale – auch wenn diese nicht immer sofort mit Zahlen belegt werden können.

Aber wie wird denn nun ein Geschäftsmodell systematisch entwickelt? Das neu aufgesetzte „Venture Development“ unterstützt sowohl Gründer als auch Mittelständler dabei, step bei step einen Businessplan für eine neue Geschäftsidee aufzusetzen. Bwcon hat hierfür ihre Onlineplattform (www.venture-dev.de) und ein Handbuch neugestaltet, die hierbei mit einem Baukastensystem konkrete Anleitung geben.

Zusätzlich werden vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart weitere Schulungen und Workshops zu diesem Thema angeboten, um Mittelständlern ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie selbst mehr Transparenz in ihre Digitalisierungsvorhaben bringen beziehungsweise neue Potentiale der Digitalisierung erkennen können. Im Rahmen von Mikro- und Makroprojekten erhalten sie dann Unterstützung bei der Umsetzung.

Wer jetzt neugierig ist, wie digitale Erfolgsrezepturen aussehen, findet weitere Informationen bei unserem Workshop-Angebot und

Lisa Hornberger, bcwon GmbH
hornberger@bwcon.de

 

 

Smart-Home-Sensoren für schnelle Hilfe bei Stürzen
(Autor: Jana Dücker)

Wer pflegebedürftige Angehörige oder Senioren zu Hause hat, kennt das Dilemma: Die Person kann sich noch selbstständig im Haus bewegen, aber was ist, wenn sie stürzt und keiner merkt es?
Die easierLife GmbH hat die Chancen der Digitalisierung im Bereich der ambulanten Pflege und dem Hausnotruf frühzeitig erkannt. Durch die Anbringung einfacher Smart-Home-Sensoren in Form eines Bewegungs- und Kontaktmelders und der Entwicklung intelligenter Algorithmen können sich Angehörige jederzeit über das Wohlbefinden ihrer Liebsten informieren. Gerade im Alter kann ein kleiner Sturz dramatische Auswirkungen haben: Ein Hüftbruch kann beispielsweise dazu führen können, dass Menschen stunden- oder gar tagelang auf dem Boden liegen, ohne Alarm geben oder anderweitig Hilfe rufen zu können. Durch das Ambio Assist System der easierLife GmbH ist es möglich, Unregelmäßigkeiten im Bewegungsverhalten automatisch per App oder SMS zu empfangen.

Unterstützung  und Vernetzung durch das Kompetenzzentrum
Um eine vollkommende Marktdurchdringung zu erreichen, muss nun ein neues Dienstleistungsmodell entwickelt werden. Die Vernetzung zu innovationstreibenden Unternehmen ist dafür unumgänglich. Aus diesem Grund werden aktuell im Rahmen unseres Mikroprojektes neue Kooperationsmöglichkeiten und Weiterentwicklungen des intelligenten Notrufs und anderen SmartHome Sensoren untersucht. In den vom FZI Forschungszentrum Informatik geführten Workshops werden mit den Partnern Barmenia Versicherung AG und Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. neue Konzepte entwickelt. Der Allversicherer Barmenia möchte seinen Kunden digitalisierte Dienstleistungen mit Mehrwert anbieten. Für die Johanniter-Unfall-Hilfe ist es wichtig, die Prozesse in der ambulanten Pflege zu verbessern. Durch die Zusammenführung von Technologie, Integratoren und Investoren möchten wir als Kompetenzzentrum jetzt dabei helfen, die ambulante Pflege durch schlaue, digitale Lösungen zu verbessern und vereinfachen. In diesem Fall: ein smarter Alarm für schnelle Hilfe, damit ein Sturz kein folgenhafter Beinbruch ist.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es bei:
Jana Dücker, FZI Karlsruhe
duecker@fzi.de

 

 

Was Mittelständler für die Digitalisierung ihres Betriebes wirklich brauchen

(Autor: Miriam Heinl)
Industrie 4.0 – vollvernetze Produktion, smarte Citys, Riesenkonzerne mit gigantischen F&E-Budgets. Ein Artikel in den w.news kritisiert diese „High-End-Beispiele“ der Digitalisierung, die mit der Realität in deutschen KMU nur wenig gemein haben. Die oftmals angeführten Best Cases sind vielleicht visionär, dienen aber weder Mittelständlern und schon gar nicht Handwerksbetrieben als „Leuchttürme“ in eine schillernde, digitale Zukunft; zu abstrakt der Begriff „Digitalisierung“ und zu weit entfernt von der Lösung aktueller Probleme im eigenen Betrieb. Ein Problembewusstsein setzt zudem voraus, dass der eigene Digitalisierungsgrad überhaupt erst bekannt ist. Aber wie findet man diesen als Mittelständler heraus? Ein „David-gegen-Goliath“-Vergleich ist hier weder zielführend noch motivierend.

Zu Beginn eines jeden Projektes in unserem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart heißt es daher erstmal Daten auf den Tisch (Keine Angst, mit IT-Sicherheit kennen wir uns auch aus!): Wo steht das Unternehmen in puncto Digitalisierung? Ob aus der Cloud oder vom Papier, im Digi-Check ermitteln wir den Status Quo im Betrieb und zeigen auf, an welchen Stellen sich Potentiale für Digitalisierung ergeben. Gemeinsam entwickeln wir praktikable Lösungen und vernetzen zentrale Akteure, wie zum Beispiel Produktionsunternehmen mit Software-Herstellern.

Aus unseren bisherigen Workshops haben wir von den TeilnehmerInnen mitgenommen, dass der Erklärungsbedarf von digitalen Tools in der Praxis immer sehr hoch ist. Gerade im Handwerk herrscht Misstrauen bezüglich des Nutzens und der Zuverlässigkeit. Vorteile werden daher bei unseren KMU‘lern am besten erkannt, wenn Sie beim Workshop selbst durch die digitale Datenbrille auf eine Baustelle geguckt oder die vernetzen Fertigungsstationen im Future Work Lab ausprobiert haben.

Des Weiteren funktionieren viele Lösungen wesentlich erfolgreicher im Zusammenspiel mit anderen Akteuren entlang einer Wertschöpfungskette. Bei unserem Projekt zum Thema Elektromobilität etwa vernetzen wir daher Handwerksbetriebe zu einem regionalen Ökosystem, damit Endkunden ein qualitativ-hochwertiges Gesamtpaket aus Fahrzeug und zugehörigen Dienstleistungen erhalten können.

Die Liste unserer Use Cases wächst glücklicherweise beständig mit jedem Projekt und Workshop. Es sind vielleicht nicht die Leuchttürme der Digitalisierung, aber Ankerbeispiele für jeden Handwerker und Mittelständler, der mit uns ein Stückchen „digitaler in BW“ sein möchte.

 

 

Potentiale der Sharing Economy im Maschinenbau

Die Digitalisierung revolutioniert das Teilen von Ressourcen und ermöglicht neue Geschäftsmodelle. Auf einer Veranstaltung diskutierten Unternehmen die Potentiale der Sharing Economy im Maschinenbau.

Die unter dem Schlagwort Sharing Economy zusammengefasste gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen ist eigentlich ein alter Hut. Bereits im vordigitalen Zeitalter war diese Art des Wirtschaftens in Form von Backhäusern oder Maschinenringen etabliert. Neu sind allerdings die sich aus der Digitalisierung ergebenden technologischen Möglichkeiten. Beispielsweise sind Informationen zum Standort, dem Zustand oder der Auslastung einer Ressource in Echtzeit abrufbar. Darüber hinaus wird die Kommunikation zwischen Anbieter und Nachfrager erheblich vereinfacht und räumlich unabhängig. Die Digitalisierung ist somit der Enabler für neue Geschäftsmodelle der Sharing Economy.

Die mit den neuen digitalen Möglichkeiten einhergehenden Geschäftsmodellinnovationen sind eindrucksvoll: AirBnB ist zur am höchsten bewerteten globalen Hotelkette avanciert, ohne ein einziges Hotel zu besitzen und der Mobilitätsdienstleister UBER hat keinen einzigen Taxifahrer auf der Gehaltsliste. Interessant an dieser Entwicklung ist jedoch die Tatsache, dass diese und weitere imposante Beispiele überwiegend im C2C- sowie im B2C-Bereich angesiedelt sind.

Wegweiser für Sharing Economy im Maschinenbau
Im Maschinenbau scheint es hingegen, als steckt die kollaborative Nutzung industrieller Ressourcen noch in den Kinderschuhen. Eine Ausnahme bilden dabei die Unternehmen klickrent und fabrikado, die bei unserer Veranstaltung ihre Geschäftsmodelle vorgestellt haben. Klickrent ist Anbieter eines Marktplatzes für die Vermietung von Maschinen und Geräten für die Bauwirtschaft. Fabrikado ermöglicht die Verknüpfung von Kundenaufträgen in den Bereichen Laser- und 3D-Druck-Verfahren mit freien Produktionskapazitäten von Erstausrüstern.

Aufbauend auf den Erfahrungen der Unternehmen diskutierten die TeilnehmerInnen der Veranstaltung in einem Workshop die nachfolgend genannten Potentiale der Sharing Economy für den Anbieter sowie den Kunden und stellten die zentralen Herausforderungen des Plattformbetreibers zusammen:

 

Kontakt
Dr. Marc-Daniel Moessinger
VDMA Baden-Württemberg
Telefon +49 711 22 801 26
E-Mail marc-daniel.moessinger@vdma.org

Umsetzungsprojekt: Ökosystem Elektromobilität
(Autoren: Daniel Duwe, Dr. Raid Gharib, Miriam Heinl, Florian Jentsch & Patrick Weber)

In Zeiten von Abgasskandalen, räumlicher Flexibilität und steigendem Umweltbewusstsein ist Elektromobilität zum Megatrend in der Fahrzeugbranche geworden. Viele Kunden zögern aber noch sich ein E-Fahrzeug zuzulegen, weil der Nutzen ungewiss und der Aufwand für Anschaffung, Nutzung und Wartung zu groß und kompliziert erscheint.

Gewerkeübergreifendes Komplettangebot
Damit diese kundenseitige Komplexität auf ein Minimum reduziert werden kann, müssen  sich die Handwerksbetriebe kontinuierlich hin zum offenen und kooperierenden Unternehmen entwickeln. Die Wertschöpfung unterschiedlicher Branchen müssen dabei gezielt vermischt werden. Nur auf diese Weise kann zugleich das steigende Kundenbedürfnis nach vollumfänglichen Produkt-Dienstleistungspaketen erfüllt werden. Die Nutzer benötigen ein zuverlässiges, qualitativ-hochwertiges Gesamtpaket aus einem langstreckentauglichen Fahrzeug, einer Schnelladeinfrastruktur sowie Informationen und allumfassende Dienstleistungen „aus einer Hand“. Im Sinne eines One-Stop-Shops müssen diese Informationen und Dienstleistungen schnell und einfach verfügbar, kompatibel und von guter Qualität sein.

Handwerk als kompetenter Elektromobilitätspartner
Aktuell wird dieser Ökosystem-Gedanke durch das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart im Rahmen eines mehrmonatigen Umsetzungsprojekts verfolgt. Ziel des Projekts ist es, ein handwerksgetriebenes und gewerkeübergreifendes Elektromobilitätsökosystem zu konzipieren. Dabei sollen kundenfokussierte Prozesse modelliert und eine systematische Entwicklung der Unternehmen hin zum kompetenten und verlässlichen Elektromobilitätspartner begleitet werden. Neben Kfz- und Elektrohandwerksbetrieben aus den Kammerbezirken Konstanz und Ulm sind mit dem Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg e. V. und der Fachverband für Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg e.V. weitere fachkundige Projektpartner an Bord.

Kundenbedürfnisse und -anforderungen im Mittelpunkt
Doch sind die Kunden von gestern auch die Elektromobilitätskunden von morgen? Dieser zentralen Frage gingen die Projektpartner in einem ersten Workshop im Oktober in der Singener Bildungsakademie nach. Florian Jentsch (BWHM GmbH) und Daniel Duwe (Fraunhofer IAO) ermittelten gemeinsam mit den Teilnehmern die Bedürfnisse der Kunden in Bezug auf Elektromobilität. Im Fokus der Betrachtung lag die Frage, welche konkreten Probleme die Zielkunden in ihrem Alltag erleben und welche Lösung und Mehrwert eine Lösung bieten muss, um vom Markt angenommen zu werden. Auf Basis der Ressourcen und Fähigkeiten der Teilnehmer leitete Patrick Weber (Ferdinand-Steinbeis-Institut der Steinbeis-Stiftung) letztlich ab, wie ein neues Geschäftsmodell aussehen könnte und welche Lösungen den Kunden in Zukunft gemeinsam angeboten werden können.

Um die Kundenorientierung des Umsetzungsprojekts sicherzustellen, wird eine Zielgruppenbefragung in Stuttgart und Karlsruhe zur systematischen Identifikation ihrer Bedürfnisse durchgeführt. Gemeinsam mit den Teilnehmern soll im Anschluss ein Leitfaden für Interessenten von Elektrofahrzeugen mit den wichtigsten Aspekten über deren Anschaffung und Nutzung erstellt werden.

Wer jetzt auch digital in BeWegung bleiben und am kostenlosen Makroprojekt des Kompetenzzentrums teilnehmen möchte, findet weitere Informationen bei:

Daniel Duwe (mobilitaet@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de)

Praktikerveranstaltung im Bereich „Produktion“

Predictive Maintenance ermöglicht den Austausch von Bauteilen, bevor es zum Maschinenstillstand kommt. Auf einer vom VDMA Baden-Württemberg durchgeführten Veranstaltung des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart berichten Vertreter der Hermle AG, der Trelleborg Sealing Solutions Germany GmbH und der John Deere GmbH & Co. KG von aktuellen Projekten.

Während früher eine Maschine erst dann repariert wurde, wenn sie bereits ausgefallen war, erlauben heute neue Technologien die frühzeitige Identifikation und Beseitigung möglicher Schwachstellen. Dies verringert die Gefahr ungewollter Maschinenausfälle und trägt zu einer erheblichen Kostenreduktion bei.

Und wie sieht das in der Praxis aus? Drei Beispiele
Unter dem Motto „Maschinenausfälle wegfräsen“ hat die Hermle AG gemeinsam mit dem vom Land Baden-Württemberg geförderten Smart Data Solution Center neue Potentiale für eine automatisierte Fernwartung identifiziert. Sowohl externe als auch interne Messgrößen erfassen Informationen wie beispielsweise Temperatur, Druck, Achsposition und Drehzahlen. Anhand einer statistischen Auswertung kann somit der jeweilige Maschinenzustand abgeleitet und das optimale Wartungsintervall beim Kunden bestimmt werden.

Die Bedeutung von Predictive Maintenance aus der Sicht eines Herstellers von C-Teilen wurde am Beispiel der Trelleborg Sealing Solutions Germany GmbH verdeutlicht. Während der Wertanteil einzelner C-Teile an der gesamten Maschine nur sehr gering ist, kann der Ausfall eines C-Teils zum Stillstand der gesamten Anlage und damit zu einem erheblichen Schaden führen – ein No-Go. Eine vorausschauende Wartung kann dies verhindern. Das Unternehmen verfolgt hierbei einen kooperativen Ansatz, um gemeinsam mit dem Kunden die Voraussetzungen für die Zustandsüberwachung zu schaffen. Langfristiges Ziel des Unternehmens ist es, unter dem Schlagwort „commodity as a service“ nicht das individuelle Produkt, sondern dessen zuverlässige Leistungserbringung zu verkaufen.

In der John Deere GmbH & Co. KG ist Predictive Maintenance in die langfristige Digitalisierungsstrategie des Unternehmens eingebettet. Qualitätsprobleme werden in Echtzeit digital erfasst und ausgewertet, um über die implementierten Qualitätskreisläufe schneller zu reagieren und damit die Produktqualität permanent zu verbessern.

Keine Digitalisierung ohne Daten
Die Praxisbeispiele zeigen, dass Predictive Maintenance keine theoretische Zukunftsvision, sondern bereits gelebte Praxis im Maschinen- und Anlagenbau ist. Jedoch scheitern noch zu viele Projekte an der Bereitschaft der Kunden, Daten aus der eigenen Fertigungsumgebung freizugeben. Hier gilt es, den digitalen Wandel weiter voranzutreiben, indem gerade in KMUs Vorbehalte ab- und Kooperationen aufgebaut werden. Gleichzeitig müssen Standards für einen zuverlässigen und sicheren Datenaustausch festgelegt werden.

Weitere Informationen zum Thema bei:
Dr. Marc-Daniel Moessinger
VDMA Baden-Württemberg
Telefon +49 711 22 801 26
E-Mail: marc-daniel.moessinger@vdma.org >>

Schulungen im Bereich „Digitales Bauen“ 

Im Oktober fanden im Fraunhofer IAO Stuttgart Schulungen zu Digitalisierung in Planungs- und Bauprozessen im Mittelstand und Handwerk statt. Wir sind begeistert, was wir mit und von unseren Teilnehmer gelernt haben!

 „Digitales 3D-Aufmaß“ am 19.10.2017
Schnell, präzise, umfassend: 3D-Laserscanning bietet zahlreiche Vorteile im Vergleich zu herkömmlichen Aufmaßmethoden. So entfallen zum Beispiel wiederholte Nachmessungen vor Ort und auch eine ortsflexible Bearbeitung von Projekten ist möglich. Bei entsprechender Aufbereitung als Datenmodell und anschließender Archivierung kann zudem auch noch Jahre später auf exakte Gebäudeinformationen zurückgegriffen werden. In der Schulung „Digitales 3D-Aufmaß in der Praxis“ erhielten die Teilnehmer durch Herrn Martin Huppenbauer von der Hemminger Ingenieurbüro GmbH & Co. KG einen Überblick zu gängigen 3D-Laserscanning-Systemen. Und was sagen die Praktiker dazu? In einer Diskussionsrunde mit Rollenspiel konnten die Workshopteilnehmer das Verfahrens näher kennenlernen.

Als die größten Hürden wurden dabei folgende Aspekte identifiziert:

  • Ein anwesender Steinmetz betonte, dass der Erklärungsbedarf zu digitalen Tools in der Praxis immer noch sehr hoch sei und diese deshalb auch noch nicht zum Standardwerkzeug gehören.
  • Es herrscht immer noch Misstrauen gegenüber der Genauigkeit und Richtigkeit der so erhaltenen Daten. Da hilft nur zum Workshop kommen, ausprobieren, selbst überzeugen.
  • Datenbestände müssen beständig aktualisiert und gepflegt werden, um einen Nutzen zu bringen. Dies ist jedoch auf lange Sicht digital mit wesentlich weniger Aufwand verbunden als auf Papier.
  • Für entsprechende Effizienzgewinne müssen Gebäudedatenmodellen gewerkeübergreifend und partnerschaftlich genutzt werden. Das Kompetenzzentrum bemüht sich hier um die Vernetzung relevanter Akteure, zum Beispiel in einem Mikroprojekt.

Und wo sehen Praktiker die Vorteile des Verfahrens?

  • Im Gegensatz zu gängigen 2D-Messverfahren werden keine einzelnen Messpunkte, sondern eine ganze Punktwolke erfasst. Aus dieser können dann exakte und verformungsfreie Grundrisse, Ansichten und Schnitte konstruiert werden.
  • Die ortsflexiblen Arbeitsmöglichkeiten und -phasen zeigen sich in Kosteneinsparungen.
  • Die Informationen in Datenbanken langfristig gespeichert und bieten über die Planungs- und Realisierungsphase hinaus einen Mehrwert.
  • Visuelle Darstellungen und Augmented Reality Visualisierungen bedeuten ein großes Plus für eine moderne Kundenbetreuung.

„Virtual & Augmented Reality in Handwerk und Mittelstand“ am 25.10.2017
Virtual und Augmented Reality ist vielen im Bereich Freizeitunterhaltung bereits ein Begriff. Beim zweiten Workshop ging es darum, wie sich diese Technologien im Mittelstand und Handwerk nutzen lassen. Im Immersive Engineering Lab IELab des Fraunhofer IAO Stuttgart wurden Bauwerksdaten dank BIM (Building Information Modeling) zum maßstäblich erleb- und begehbaren, virtuellen Bauwerksprotoyp. Gerade für produzierende Gewerke wie Bau, Fliesenleger und Schreiner bieten sich enorme Vorteile für die tägliche Arbeit.

Und wie geht es weiter?
Die in den Schulungen aufgeworfenen Diskussionsthemen und erste Ideen sollen nun in Folgeterminen weiterentwickelt werden. Bleiben Sie über Aktuelles hier auf dem Laufenden.

Weitere Informationen zum Thema:
Florian Jentsch
gebauede@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de

„Das müssen wir erst mal dem Arzt schicken“  – Vom Zuckerzettel zur digitalen Datenübermittlung
(Autor: Dr. Tim Straub)

Viel Bürokratie und Papierkrieg – gerade im Gesundheitswesen und in der Pflege beschreibt dies oftmals noch den Arbeitsalltag. Schriftliche Dokumentation und umständliches Versenden von Patientendaten fressen zeitliche und personelle Kapazitäten, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden.

Doch langsam erhält auch die Digitalisierung Einzug in diesem traditionell eher analogen Bereich. Unterschiedliche Akteure, vom Patient bis hin zu Arzt und Pflegekraft, werden schnittstellenübergreifend, durch ein System miteinander vernetzt. So stehen alle wichtigen Informationen rund um den Patienten zentral und automatisch zur Verfügung.

Unser Mikroprojekt im Bereich Gesundheit dreht sich genau um dieses Thema: Wie können Daten von Menschen mit Diabetes digital übermittelt und gepflegt werden? Gemessene Blutzuckerwerte werden für gewöhnlich in eine Volldokumentation eingetragen, vom ambulanten Bereich an die Pflegezentrale vermittelt, die diese wiederum per Scan, Fax oder sogar Post an den Arzt übermittelt. Der Eintrag in einem digitalen System hingegen hilft, diesen enormen Koordinationsaufwand zu minimieren und Pflegekräfte in ihrem straffen Zeitplan zu entlasten.

Und welche Rolle spielen wir dabei? Als Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum führen wir alle Beteiligten zusammen und ermitteln, welche Anforderungen Pflegekräfte und Ärzte an eine papierlose Alternative haben. Wir informieren kostenlos über digitalen Lösungen und entwickeln gemeinsam Lösungsansätze.

Ein Beispiel: Warum statt dezentralem Aktenchaos keine Tablets in der Wohnung von Klienten verwenden und Pflegekräfte über Smartphones vernetzen?! Um Wünsche hier Realität werden zu lassen, wollen wir die Nachfrager aus der Pflege mit Lösungsanbietern wie Software-Herstellern zusammenführen.

Eine weitere entscheidende Rolle kommt den Ärzten in diesem Bereich zu. Mittels einer Befragung konnten wir ihre Anforderungen an eine digitalisierte Insulineinstellung ermitteln – aus der Ferne und in Echtzeit informiert sowie schnell reagierend im Dialog mit den Patienten. Für die Insulineinstellung sind auch Informationen zu Mahlzeiten, Bewegung und Stresslevel des Menschen mit Diabetes hilfreich. Über ein zentrales System könnte bereits vor der Insulinneueinstellung auf diese zugegriffen werden. Bei Akutfällen ist die Sofortverfügbarkeit lebensrettend.

Ziel des Mikroprojektes ist es, Potentiale der Digitalisierung zu identifizieren und die Beteiligten untereinander zu vernetzen. Bleiben Sie gespannt, welche Lösungsansätze wir gemeinsam für die gesamte Versorgungskette entwickeln. Wir werden darüber berichten!

Auch Interesse an einem Projekt mit uns im Bereich Gesundheit? Schreiben Sie uns an: gesundheit@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de

Mehr Informationen zum Projekt bei Dr. Tim Straub (straub@fzi.de)