Sie beschäftigen sich mit digitalen Geschäftsmodellen, Ihnen fehlen aber konkrete Ansatzpunkt? Sie suchen Hilfestellung und Tipps? Dann sind Sie hier genau richtig!

In unseren digitalen Sprechstunden beantworten wir Ihre Fragestellungen rund um digitale Geschäftsmodelle.

Ziel ist es, gemeinsam den aktuellen Status Ihres Unternehmens zu erörtern und Antworten auf die wichtigsten Fragen in puncto digitale Geschäftsmodelle zu finden.

Dieses kostenfreie Angebot richtet sich insbesondere an kleine und mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe.

Alexandra Keller, Lisa Rothfuß and Patrick Weber – Experten des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart stehen Ihnen für ein individuelles Gespräch zur Verfügung.

 

Aktuell sind die nachfolgenden Termine verfügbar:

  • 07.05.2020 von 9:00 bis 9:45 Uhr und 16:00 bis 16:45 Uhr
  • 14.05.2020 von 9:00 bis 9:45 Uhr und 16:00 bis 16:45 Uhr
  • 28.05.2020 von 9:00 bis 9:45 Uhr und 16:00 bis 16:45 Uhr

 

Bitte melden Sie sich mit einer kurzen E-Mail bei uns an. Sollte keiner der Termine bei Ihnen passen, können Sie sich gerne mit einem Terminvorschlag an uns wenden.

Ihre Ansprechpartner:

Alexandra Keller (Alexandra.Keller@steinbeis.de)

Lisa Rothfuß (rothfuss@bwcon.de)

Wie Sie durch die systematische Darstellung Ihrer Prozesse Digitalisierungspotentiale erkennen.

Autor: bwcon, FSTI
Foto: Mudassar Iqbal auf Pixabay

Ausgangslage

Das Friseurhandwerk ist eine klassische personalintensive Dienstleistung. Um eine hohe Qualität zu erreichen und die Kundenerwartung zu erfüllen sind sehr gut ausgebildete Fachkräfte notwendig. Jedoch stehen diese in Zeiten des Fachkräftemangels nicht mehr unmittelbar zur Verfügung. Schulungen und Weiterbildungen erfordern vom Betrieb hohe Investitionen in das Humankapital. Fluktuation ist eine weitere Herausforderung – insbesondere, wenn die Mitarbeiter nach der teuren Weiterbildung das Unternehmen verlassen.

Wie kann also die im Friseurhandwerk wichtige Beratungsqualität personalunabhängig gewährleistet werden? Mit einem Friseurbetrieb aus Reutlingen ging das Kompetenzzentrums dieser Frage nach.

Lösungsweg

Um geeignete Lösungen für die Aufrechterhaltung der Beratungsqualität abzuleiten, ist es elementar die Ist-Situation zu erfassen. Hierfür eignet sich die Erstellung eines Service Blueprint. Service Blueprinting ist eine Methode, die Dienstleistungsprozesse analysiert und visualisiert. Im Projekt mit dem Friseurbetrieb kam zusätzlich eine Customer Journey Analyse zum Einsatz. Diese diente dazu zunächst die Berührungs- und Kontaktpunkte des Kunden mit dem Friseursalon aufzuzeigen.

Die Customer Journey Analyse verdeutlicht demnach, an welchen Stellen die Kunden grundsätzlich die Qualität und insbesondere die Beratungsqualität des Friseurs beurteilen können. Einen Schritt weiter gedacht, erlaubt eine Customer Journey Analyse auch Aussagen darüber zu treffen, an welchen Stellen Kundendaten erhoben werden können. Davon lassen sich Möglichkeiten für unterstützende digitale Services ableiten.

Im vorliegenden Projekt wurde der Beratungsprozess untersucht. Dieser beginnt mit dem Vorgespräch und endet mit dem Verlassen des Salons. Es wurden nun die Berührungspunkte von der Begrüßung im Salon bis zum Verlassen entsprechend dokumentiert.

Die Dokumentation im Projekt beinhaltete neben der Beschreibung des jeweiligen Berührungspunkts auch die Angabe darüber, über welches Medium der Kundenkontakt stattfindet. Es wurde also festgehalten über welche Kanäle die Daten des Kunden in das Unternehmen fließen können (per Online-Buchung, per Telefon, im persönlichen Gespräch etc.).

Methoden-Exkurs: Abbildung 1 zeigt beispielhaft eine vollständige Customer Journey eines Friseurbetriebs. Bei der Customer Journey Analyse werden die fünf Phasen die Kunden bei dem Konsum von Produkten und Dienstleistungen durchlaufen hinsichtlich der Berührungspunkte betrachtet. Neben der Definition der einzelnen Kontaktpunkte während der verschiedenen Phasen kann durch Beobachtung und Befragung der Kunden auch eine Einschätzung in Bezug auf die Zufriedenheit bzw. Funktionalität der Kunden mit den einzelnen Berührungspunkten abgegeben werden. In der beispielhaften Abbildung wird die Terminbuchung eher negativ wahrgenommen. Eine mögliche Begründung wäre bspw. eine schlechte Erreichbarkeit per Telefon oder das Fehlen einer Online-Buchung.

Unter dem Gesichtspunkt die Beratungsqualität sicherzustellen, wurde im Projekt mit dem Friseur eine Prozessdokumentation für diesen Berührungspunkt erstellt. Die hierfür eingesetzte Methode, der Service Blueprint, analysiert die Nutzeraktionen und ihre Auswirkungen auf die sichtbaren und unsichtbaren Interaktionen mit dem Unternehmen.

Methoden-Exkurs: Abbildung 2 Service-Blueprint: Ein Service-Blueprint eignet sich insbesondere für die Beschreibung von Dienstleistungsprozessen. Er dient dazu, die einzelnen Prozessschritte abzubilden und in verschiedene Ebenen einzuteilen. Ausgehend von den Nutzeraktionen, zumeist handelt es sich um Aktionen der Kunden oder der Mitarbeiter, werden für diese die „sichtbaren Interaktionen“ definiert. Sichtbare Interaktionen sind die Tätigkeiten, die für Kunden auch sichtbar sind. Im Beispiel wäre es das Eingeben der Daten in das Tablet. Was für Kunden nicht sichtbar ist, sind die Interaktionen mit dem Backoffice. Im vorliegenden Beispiel wird beschrieben, was durch Software bzw. Mitarbeiter im Backoffice mit den eingespielten Daten passiert. Hierfür werden wiederum unterstützende Prozesse definiert, um dies zu gewährleisten. Ein Service-Blueprint vermittelt demnach eine umfangreiche Beschreibung des Prozesses und hilft somit dabei Dienstleistungsqualität und –standards zu gewährleisten.

Im Projekt mit dem Friseursalon ergab die Dokumentation des Beratungsprozesses, mit dem Ziel diesen digital zu unterstützen, zwei mögliche Szenarien. Diese wurden ausgearbeitet, um zum eine kurz- bis mittelfristige Umsetzung zu erzielen und um darauf aufbauendes Potential aufzuzeigen. Im ersten, einfacher umsetzbaren Szenario, unterstützt ein Tablet mit digitaler kundenspezifischer Check-In Karte die Fachkraft durch einen Beratungsleitfaden. Die Ergebnisse werden händisch eingetragen. Empfehlungen basieren weiterhin auf dem Know-how und der Erfahrung der Mitarbeiter.

Einen Schritt weiter gedacht, werden diese Empfehlungen von einem KI-gestützten Tool übernommen. Dieses gleicht die Analyseergebnisse der Kundendaten mit der Produktdatenbank ab und ermittelt zudem mögliche Behandlungsvorschläge hinsichtlich Schnitt und Farbe. Ein solches digitales Werkzeug könnte sicherstellen, dass die Kunden angemessen beraten werden. Darüber hinaus bietet sich die Möglichkeit die Analysedaten direkt digital zu erfassen bspw. durch Kopfhautkameras und entsprechende Bildanalysesoftware.

Nutzen für Unternehmen

Dieses Projekt zeigt, dass durch die systematische Auseinandersetzung mit den Unternehmensprozessen, neue Digitalisierungspotentiale aufgedeckt werden können. Voraussetzung dafür ist, dass sie bereits wissen, wo sich Schwachstellen im Unternehmen befinden. Dies ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation mit Hilfe der vorgestellten Instrumente.

Bild von Photo Mix auf Pixabay

 

Für ein Mikroprojekt zum Thema „Datennutzung für innovative Geschäftsmodelle“ können sich ab sofort interessierte Unternehmen melden. Gemeinsam mit dem Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) und der bwcon können Sie ein erstes Konzept für ihr Unternehmen entwickeln und Fragestellungen mit unabhängigen Experten erarbeiten.

Sie beschäftigen sich aktuell mit folgenden Themen oder interessieren sich dafür?

  • Welche Daten aus meinem Unternehmen kann ich für eine Optimierung der Wertschöpfung nutzen?
  • Welche neuen Wertschöpfungspotenziale ergeben sich daraus?
  • Wie kann ich ein datengetriebenes Geschäftsmodell mit bereits existierenden Daten aufbauen?
  • Welche Relevanz haben Wertschöpfungsnetzwerke in datengetriebenen Geschäftsmodell?

 

Wenn Sie eine oder mehrere Fragestellungen für Ihr Unternehmen erörtern möchten, melden Sie sich unter geschaeftsmodell@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de bei uns. Auf unserer Homepage erhalten Sie einen Einblick in unsere Themen und bereits durchgeführte Projekte, beispielsweise im Handwerk und Maschinenbau.

Anmerkungen und Bedingungen: Die Unterstützung des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums ist Teil der Initiative Mittelstand digital und wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Aus diesem Grund ist die Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen kostenfrei. Die teilnehmenden Unternehmen müssen jedoch bereit sein, für Transfermaßnahmen im Sinne der Wissensvermittlung an andere Unternehmen zur Verfügung zu stehen. Bewerben Sie sich jetzt mit einer kurzen formlosen E-Mail an geschaeftsmodell@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de und wir setzen uns mit Ihnen in Kontakt.

 

Bildquelle: Eigene Darstellung

Autor: HS PF/ IOS3

Wie bereits im Blogbeitrag Neue Expertise aus dem Forschungsprojekt Use-PSS für die zweite Förderphase erwähnt, wird die Arbeit aus Use-PSS im Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Stuttgart weitergeführt. Doch wie verläuft der Use-PSS-Prozess in der Praxis und welche konkreten Mehrwerte können daraus generiert werden? Damit beschäftigt sich dieser Blogbeitrag.

Herausforderungen für KMU

Branchenübergreifend stehen produzierende Unternehmen vor der Herausforderung, auf den Wandel der Kundenbedürfnisse weg vom Kauf eines reinen Sachprodukts hin zu einer nutzerzentrierten Gesamtlösung als Kombination aus Produkt und Service zu reagieren. Kontinuierliche Produktverbesserungen und hohe Qualität können langfristig alleine nicht mehr die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Eine Anreicherung der Produkte mit intelligenten Dienstleistungen zur Einbettung in die Prozesse des Anwenders kann hingegen zu einem Alleinstellungsmerkmal führen. Der Use-PSS-Vorgehensrahmen versetzt KMU u.a. mit produzierendem Gewerbe in die Lage, die Abwanderung von Wertschöpfung an den Dienstleistungssektor zu reduzieren und sich im globalen Wettbewerb zu differenzieren.

Das Use-PSS Vorgehensmodell

Um die beschriebenen Herausforderungen von den KMU zu adressieren wurde ein mehrphasiges Vorgehensmodell entwickelt, das anhand von praktischen Beispielen veranschaulicht werden soll:

Vorgehensmodell zu digitalen Produkt-Service-Systemen (DPSS) (Richter, A.; Kölmel, B.; Schoblik, J.; Bulander, R.; Waidelich, L. (2016))

  1. Sense DPSS

Die erste Phase des Use-PSS Vorgehensmodells trägt den Titel „Sense-DPSS“ und hat das Ziel ein Bewusstsein für die Relevanz und Notwendigkeit der PSS-Thematik zu schaffen, sowie Informationen zum Anwendungsfeld zu bieten. Sie beinhaltet somit Vorträge und Informationsstände bei Infoveranstaltungen und Kongressen. Einen weiteren Kommunikationskanal stellen Onlineinformationen dar, die von Interessierten im Nachgang an eine Veranstaltung zur Vertiefung der Thematik abgerufen werden können. Ebenso ist ein veranstaltungsunabhängiger Zugriff jederzeit möglich. Der Informationsgehalt der Webseite als auch den Präsenzauftritten dient der Verbreitung von Informationen, der Vorstellung realisierter Use-Cases und der Präsentation von Best-Practices aus dem Umfeld der PSS. Die primäre Zielgruppe von Aktivitäten der ersten Phase sind Entscheidungsträger aus KMU. Diese Personengruppe ist besonders interessant, da eine PSS-Umsetzung stets mit der größtmöglichen Unterstützung seitens der Geschäftsführung einhergehen sollte.

Prof Dr. Bernhard Kölmel bei einem Sensibilisierungsvortrag im Rahmen des High-Tech-Summits(Quelle: Uli Regenscheit, 2018)

  1. Ideate DPSS

Sobald im Unternehmen ausreichend Bewusstsein für die Relevanz von PSS geschaffen worden ist, zielt die „Ideate-DPSS“ Phase darauf ab Methoden und Tools zur Entwicklung von PSS ins Unternehmen zu vermitteln und dort zu implementieren. Zielgruppe für die in dieser Phase durchgeführten Methodenschulungen sind die tatsächlichen Anwender des Use-PSS Methodensets. Bezogen auf die späteren Teile der „Create-PSS“ Phase, werden zunächst die Methoden zur Analyse der Ist-Situation, der Entwicklung neuer PSS Ideen, sowie von Methoden zum einfachen Testen von neunen Ideen vermittelt. In einem zweiten Methodenblock werden Methoden und Tools der Datenerhebung und Verwertung adressiert und den Teilnehmern die Relevanz von Datennutzung im Rahmen der Umsetzung von DPSS nähergebracht. Zudem werden Methoden der Visualisierung eigener Workshops vermittelt, da die anschauliche Aufbereitung erarbeiteter Inhalte die Weiterverwertung dieser deutlich erhöht. Als letzten Punkt des zweiten Schulungsblocks sind Methoden der Trend und Technologieforschung zu nennen, welche es Unternehmen mit einem überschaubaren Aufwand erlauben, relevante Marktveränderungen und eventuelle zukünftige Entwicklungen zu verfolgen.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter Alexander Richter und Lukas Waidelich (von rechts nach links) unterstützen Teilnehmer im Rahmen eines Ideate DPSS Workshops (Quelle: Innonet, 2018)

  1. Create DPSS

Bevor die dritte „Create-DPSS“ Phase startet, ist durch das KMU ein Workshopziel zu definieren. Im Projekt wurde dieses als EFS festgehalten, was für Eingangsfragestellung steht. Die Festlegung auf eine EFS bietet den Vorteil, dass von vorneherein bestimmt werden kann, wie detailliert die Ergebnisse der Workshops aussehen werden. Ebenso müssen sich Teilnehmer und Vorgesetzte vor einem „Create-Workshop“ konkret mit den eigenen Vorstellungen und erwünschten Ergebnissen des Workshops beschäftigen.

Die „Create-DPSS“ Phase teilt sich in die Unterphasen Analyse, Entwicklung und Test.

Die Analyse betrachtet den Ist-Zustand des Unternehmens, seiner Produkte, die Kunden, die aktuelle Marktlage als auch externe Effekte, welche das Unternehmen und sein Angebot beeinflussen. Jedem dieser Punkte liegen Methoden zugrunde, welche in einer bestimmten Reihenfolge durchlaufen und abgearbeitet werden. Nach dem Abschluss des Analyseworkshops wird ein standarisiertes Analyse-Cockpit auf Grundlage der erarbeiten Informationen befüllt und als Zusammenfassung an die Teilnehmer sowie interessierte Stakeholder im Unternehmen verteilt. Diese Zusammenfassung dient im nächsten Schritt als Bezugspunkt und Diskussionsgrundlage während der Entwicklung neuer PSS Ansätze.

Exemplarische Darstellung eines Use-PSS Analyse-Cockpits (2017)

Die Entwicklungsphase teilt sich in drei Bereiche. Zuerst werden Ideen generiert und gesammelt, anschließend werden einzelne Ideen ausgewählt, detaillierter ausgearbeitet und anschließend in einer Ideen-Galerie präsentiert. Als letzter Punkt der Entwicklung erfolgt die Bewertung der entwickelten Ideen durch Workshop-Teilnehmer und Entscheidungsträger.

Darstellung einer Idee als Basis für die Ideenbewertung (2017)

Die ausgewählten Ideen werden anschließend in die Testphase überführt und dort ersten Tests unterzogen. Die erarbeitete Idee wird der Nutzergruppe anhand eines Value-Proposition-Canvas gegenübergestellt. Diese Methode ermöglicht bereits vor der Entwicklung des eigentlichen DPSS ein erster Test, ob die Leistung von der Zielgruppe als interessant wahrgenommen wird. Der Value-Proposition-Canvas wird nachfolgend zum Business Model Canvas weiterentwickelt, dort kann die Geschäftsidee vollumfänglich getestet werden.

Erstellung eines Business Model Canvas (2017)

  1. Use DPSS

Durch die Überführung der PSS-Idee in ein konkretes Entwicklungsprojekt beginnt die vierte Phase des Use-PSS Vorgehensmodells, welche den Titel „Use-DPSS“ trägt und auf die Entwicklung, Umsetzung und Nutzung eines PSS abzielt. Mit der Übergabe der getesteten Idee in ein Entwicklungsprojekt greift an dieser Stelle der unternehmenseigene Produktentstehungsprozess. Auch hier wird seitens des Forschungsprojektes auf agile Projektmanagement-Methoden (wie z. B. SCRUM) und eine mögliche Unterstützung durch das Use-PSS Team verwiesen. Ebenso wird bei der integrierten Dienstleistungsentwicklung Hilfestellung bei der Entwicklung von Dienstleistungen angeboten werden, da deren Entwicklung und Modellierung für Unternehmen Neuland bedeuten kann. Ziel des Entwicklungsprojektes ist die Herstellung eines Minimal funktionsfähigen Produktes (MFP) welches bereits ersten Kunden angeboten werden kann. Ziel des MFP ist es zum einen, den Zeitraum von der Ideenentwicklung bis zur Markteinführung möglichst kurz zu gestalten und zum anderen mit Hilfe des MFP möglichst schnell Kundenfeedback zum PSS zu sammeln und in kurzen Iterationsschleifen das Produkt schnell zu verbessern und zu perfektionieren.

Als weitere Option der „Use-DPSS“ Phase besteht stets die Möglichkeit auf Grundlage von Nutzungsdaten, Erfahrungen und Kundenfeedback einen Bedarf bzw. eine neue Eingangsfragestellung für die „Create-PSS“ Phase zu beschreiben und einen neuen Ablauf für die Generierung neuer PSS und Geschäftsmodellideen anzustoßen.

Wie laufen die Use-PSS Workshops ab?

In der Regel erfolgen die Methodenworkshops der zweiten Phase im Rahmen eines halb- oder ganztags Workshop. Für den Analyse-Workshop sollten 1 bis 1,5 Tage angesetzt werden. Die Entwicklungs- und Test-Workshops benötigen zwischen 2 und 3 Tagen, je nach Detailierungsgrad und Umfang der Leistung.

Die Ergebnisse und die Dauer Workshops sind stark abhängig von den involvierten Personen, vom Untersuchungsgegenstand (Produkte und Services) und von der Eingangsfragestellung.

Was sind die Mehrwerte für KMU?

Umfassende Analyse des Status Quo (Leistungen, Kunden, Technologien, Unternehmen) von außen. Erlernen von neuen Methodensets und Fähigkeiten im Kontext von digitalen Geschäftsmodellen bzw. DPSS. Unterstützter Ideengenerierungs- und Auswahlprozess und somit Hilfe beim Produktentstehungsprozess in einer sehr frühen Phase zur erfolgreichen Innovierung des Geschäftsmodells. Unterstützung bei der Umsetzung bzw. Realisierung des DPSS.

Fazit

Das vierstufige Use-PSS-Vorgehensmodell unterstützt KMU bei ihrem Weg in ihre digitale Zukunft optimal, unabhängig davon in welcher Ausgangslage sich das KMU befindet.

Ist der Bedarf bzw. das Potential an Innovationen zum Thema DPSS noch nicht erkannt oder für wichtig erachtet worden, unterstützen verschiedene Informationsmaßnahmen wie Vorträge auf Veranstaltungen, Info-Stände oder online verfügbare Dokumente KMU.

Mittelständler, die im Bereich DPSS Maßnahmen umsetzen wollen, aber nicht über das benötigte Wissen und Methodenset verfügen, werden in der zweiten Phase „Ideate DPSS“ durch zielgruppengerechte Workshops unterstützt. Dabei werden in zwei Blöcken DPSS-Methoden (Analyse, Entwicklung und Test) und allgemeine Methoden (Datenverarbeitung, Visualisierung und Trend/Technologieforschung) gelehrt.

Verfügen die KMU über ein breites Methodenset zu DPSS, bspw. durch die vorangegangen Methoden-Workshops und möchten ein DPSS etablieren, so unterstützt das Use-PSS Team bei der Analyse, Ideengenerierung und beim Testen des DPSS. Dabei fungiert das Use-PSS-Team als Moderator und Unterstützer für die KMU.

Beim Aufsetzten eines DPSS-Entwicklungsvorgang kann zudem ebenfalls mit Expertise unterstützt werden.

Dieses Vorgehensmodell wird aktuell an die Gegebenheiten im Transferprojekt Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Stuttgart angepasst und soll dort zum Einsatz kommen.

 

Bildquelle: Infographic vector created by katemangostar – www.freepik.com
Autor: FSTI

 

„Die Lösungen haben wir gemeinsam und effizient erarbeitet. Die Expertise, die hier nötig war, haben wir uns zum Teil selbst durch Marktanalysen, Studien und durch bereits realisierte Projekte erarbeitet und mit dem Kompetenzzentrum einen kompetenten Partner gefunden, der mit uns gemeinsam die Ideen ausgearbeitet und eigene Vorschläge gebracht hat. Außerdem konnte das Kompetenzzentrum Erfahrung aus bisherigen Projekten einbringen, die unsere Ausarbeitungen nochmals bestätigen konnten.“

– Projektleiter/Vertriebsinsgenieur der Carl Benzinger GmbH über die Zusammenarbeit im Projekt

Die Carl Benzinger GmbH, ein mittelständischer Maschinenbauer aus Pforzheim, entwickelt derzeit Appanwendungen, die als zusätzlicher Service die Produkte des Unternehmens ergänzen sollen. Hierbei kam die Frage auf, welche Möglichkeiten der Bepreisung eines digitalen Services bestehen und welche sind letztendlich relevant? In einem Projekt mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum erarbeitete das Team eine geeignetes Tarifierungskonzept.

  1. Bestimmung der Preisstrategie

Im ersten Workshop gaben die Experten des Kompetenzzentrums einen Überblick über Optionen zur Gestaltung der Preisstrategie. Hier betrachtete das Team insbesondere neue Konzepte, die durch die Digitalisierung ermöglicht wurden. Nach einer Abwägung der Vor- und Nachteile der einzelnen Tarifierungsoptionen, erfolgte ein Abgleich mit den Anforderungen des neuen Services.

Aufgrund der Vielzahl der Apps des Maschinenbauers bot es sich an, diese in Preispaketen zu bündeln. Die Tarifierung wurde in Form eines Abonnements gestaltet. Während hierdurch ein kontinuierlicher Cash Flow generiert werden kann, ist der Wegfall einer einmaligen, vergleichsweisen hohen Zahlung ebenso für den Kunden attraktiv. Allerdings bedeutet dies einen erhöhten Aufwand in der Rechnungsstellung und so ergab sich die Frage nach der Ausgestaltung einer automatisierten Lösung. Das Projektteam untersuchte daher ergänzend die bisherigen Prozesse und Umsetzungsmöglichkeiten durch die Integration in das ERP-System.

  1. Aufstellung der Preiskalkulation

Anschließend reflektierte das Team ein bereits vom Unternehmen erarbeitetes Modell zur Preiskalkulation und erweiterte dieses um wesentliche Parameter. Zuvor fokussierte das Modell lediglich die Nachfrage und den Nutzen auf Kundenseite, während einige Kosten- und Wettbewerbsfaktoren vernachlässigt blieben. Hinzu kamen wichtige Faktoren wie die Personalkosten der Projektleitung und Aufwände durch notwendige Updates der Appanwendungen. Im Nachgang des Termins nutzte der Projektleiter das erweiterte Modell, um die Gewichtung der einzelnen Faktoren bewerten zu lassen. Die Perspektiven mehrerer Mitarbeiter aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen trugen zu einem ausgewogenen Ergebnis bei.

  1. Moderierter Workshop zur Abstimmung

Zuletzt wurde ein finaler Workshop durchgeführt, an dem zusätzlich die Vertriebsleitung und die Geschäftsführung der Firma Benzinger teilnahmen. Diese lieferten wichtige Impulse aus weiteren Bereichen, sodass umfassende Markt- und Wettbewerbskenntnisse einfließen konnten. Für das Unternehmen war hier die Erfahrung der Experten aus vorherigen Projekten besonders hilfreich. Durch den Austausch konnte das Tarifierungskonzept letztlich zielführend ausgerichtet und im Unternehmen verankert werden.

Im Rahmen des Projektes, konnte gemeinsam mit den Experten des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum, das bereits im Unternehmen vorhandene Potenzial ausgeschöpft werden. Die Expertise aus den Themenfeldern Service- und Geschäftsmodellentwicklung und Produktion und einem weiteren Kompetenzzentrum verschaffte der Carl Benzinger GmbH eine umfassende Unterstützung. Kleine und mittlere Unternehmen stehen vor der Herausforderung, mit beschränkten Personalkapazitäten Digitalisierungsprojekte zu initiieren und voranzutreiben. Statt ganze Innovationsteams aufzubauen, können häufig lediglich einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betraut werden. Ziel des Kompetenzzentrums ist es, hier Partner zu sein und in Projekten Digitalisierungsideen mit den Unternehmen weiterzuentwickeln.

 

Autor: FSTI

Am Dienstag, den 11.02.2019 fanden sich der VDMA, das FSTI und KMU aus dem Maschinen- und Anlagenbau und der IT-Branche in Kornwestheim ein, um sich einen Nachmittag dem Thema Blockchain zu widmen. Gemeinsam mit Themenexperten gingen wir der Frage nach, welche Relevanz Blockchain heutzutage insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen in der Industrie besitzt. Nach dem Hype der Technologie in den Jahren 2016 und 2017 folgte weitreichende Ernüchterung, wobei in der Zwischenzeit praktikable Anwendungsfälle identifiziert wurden. Blockchainexperten gaben hierzu im Rahmen unserer Veranstaltung einen umfassenden Einblick.

Daniel Burkhardt vom FSTI führte die Teilnehmer in das Thema ein und beleuchtete die Eigenschaften und aktuelle Trends der Blockchain-Technologie. Daran anknüpfend erläuterten Lumir Boureanu der compacer GmbH und Jochen Kaßberger von 51nodes die Bedeutung von Blockchain für die Bereiche Haftung und Finanzierung in der Industrie. Die Verdeutlichung der Prinzipien von Blockchain anhand eines Beispiels mit Ferrero Küsschen machte das komplexe Thema für die Teilnehmenden verständlich und nachvollziehbar. Aktuelle und potenzielle Anwendungsfälle aus der Praxis dienten als interessante Impulse, die in einem abschließenden Workshop in Form eines angeregten Austauschs aufgegriffen wurden.

Lukas Waidelich (IOS3), Maria Bieber (bwcon), Alexander Richter (IOS3), Patrick Weber, Alexandra Keller (beide FSTI) und Lisa Rothfuß (bwcon) v.l.

Autor: HS PF/IOS3

Am 21.Januar 2020 trafen sich die Projektpartner des Themenfelds Service- und Geschäftsmodellentwicklung um das Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI), Baden-Württemberg Connected (bwcon) und die Hochschule Pforzheim/Institut of Smart Systems and Services (IOS3) zur gemeinsamen Kick-Off Meeting im Haus der Wirtschaft in Stuttgart. Schwerpunkte des Treffens waren die organisatorische und inhaltliche Ausrichtung der des Themenfelds Service- und Geschäftsmodellentwicklung für die kommenden zwei Jahre im Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Stuttgart. Dabei wurde dem neu hinzugekommenen Partner (IOS3) die internen Prozesse erläutert und wichtige anstehende Themen diskutiert. Somit ist ein guter Start für die zweite Projektphase geglückt!

Was sich hinter dem Forschungsprojekt Use-PSS verbirgt lesen Sie hier.