Welche Arten von Produkt-Service-Systemen gibt es?

Nachdem wir in den vorhergehenden Blogbeiträgen die Wichtigkeit von Produkt-Service-Systemen (PSS) herausgestellt haben, möchten wir mit diesem Beitrag aus einer wissenschaftlichen Perspektive die verschiedenen Arten von PSS herausstellen

Dazu soll sich der gängigsten Klassifikation bedient werden: Der niederländische Wissenschaftler Tukker veröffentlicht im Jahr 2004 auf Basis der Forschungsarbeiten von Mont das Paper Eight Types Of Product-Service System: Eight Ways To Sustainability? Experiences From SusProNet[1]. Die darin enthaltene Typologie ist eine besondere Form der Klassifikation, die gleichzeitig die gebräuchlichste Typisierung im Kontext der PSS-Forschung darstellt. Tukker siedelt PSS zwischen reinem (Sach-)Produkt und reinem Service an. Dazwischen definiert Tukker drei PSS-Typen. Darüber hinaus gliedert Tukker die drei PSS-Typen in insgesamt acht verschiedene Untermodelle, die er als acht archetypische Modelle bezeichnet. Demnach lässt sich der produktorientierte PSS-Typ in die Untermodelle produktbezogene Services und Beratungsservices untergliedern. Der nutzenorientierte PSS-Typ ist in die drei archetypischen Modelle Produktleasing, Miet- und Sharingangebot sowie Produktpooling unterteilt, während der ergebnisorientierte PSS-Typ in die drei Modelle Aktivitätsmanagement/Outsourcing, Pay per Serviceeinheit und funktionale Ergebnisse. Hierbei ist zu erwähnen, dass der Sachleistungsanteil vom produktorientierten über den nutzenorientierten bis hin zum ergebnisorientierten PSS-Typen sukzessive abnimmt und der Dienstleistungsanteil im Gegenzug zunimmt. Der beschriebene Sachverhalt wird in der nachfolgenden Darstellung visuell verdeutlicht.

Klassifikation nach Tukker (2004)[2]

Im Folgenden werden nun die drei PSS-Typen sowie die acht archetypischen Modelle beschrieben.
Das produktorientierte PSS konzentriert sich auf den Verkauf von (Sach-)Produkten, die zusätzlich um vereinzelte Services erweitert werden. Zwei archetypische Modelle können dabei identifiziert werden:

  • Produktbezogene Services: Zusätzlich zum Verkauf eines (Sach-)Produkts werden dem Kunden ergänzende, auf das (Sach-)Produkt abgestimmte Services angeboten, die dazu dienen, die Nutzung zu gewährleisten. Diese reichen von Wartungsverträgen, über die Lieferung von Verbrauchsmaterialien bis hin zur Rücknahme des (Sach-)Produkts am Ende des Lebenszyklus.
  • Beratungsservices: Ergänzend zum Verkauf des (Sach-)Produkts bietet der Anbieter Beratungsservices an, um dem Kunden eine möglichst effiziente Anwendung des (Sach-)Produkts zu ermöglichen. Beispiele für Beratungsservices sind in dieser Hinsicht Tätigkeiten, um die Organisationsstruktur zu verbessern oder logistische Abläufe zu optimieren.

Nach Tukker nimmt das (Sach-)Produkt bei dem nutzenorientierten PSS nach wie vor eine wichtige Rolle ein, das GM konzentriert sich jedoch nicht mehr ausschließlich auf den Verkauf des Produkts, sondern auf den Nutzen, der aus dem Produkt generiert werden kann. Der Anbieter behält die Eigentumsrechte und stellt das (Sach-)Produkt unterschiedlichen Kundensegmenten in verschiedenen Angebotsformen zur Verfügung. Insgesamt können drei Archetypen identifiziert werden:

  • Leasingangebot: Das (Sach-)Produkt bleibt während der Nutzung im Besitz des Anbieters, der zugleich häufig auch für Instandhaltung, Wartung, Reparatur und Kontrolle verantwortlich ist. Der Kunde entrichtet eine regelmäßige Nutzungsgebühr für das Produkt. Im Gegenzug erhält er eine unlimitierte und individuelle Produkt-Nutzungsmöglichkeit.
  • Miet- und Sharingangebot: Analog zum Leasingangebot bleibt das (Sach-) Produkt während der Nutzung im Besitz des Anbieters, der ebenfalls für Instandhaltung, Wartung, Reparatur und Kontrolle verantwortlich ist. In gleicher Weise entrichtet der Kunde eine Gebühr um das Produkt nutzen zu können. Der Hauptunterschied zum Leasing liegt im Nutzungsumfang. In diesem Fall ist die Nutzung zeitlich limitiert und nicht auf ein Individuum beschränkt. In anderen Worten, verschiedene Nutzer können dasselbe Produkt zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Anspruch nehmen.
  • Produktpooling: Dieser fünfte Archetyp weist identische Merkmale wie das Miet- und Sharingangebot auf. Der einzige Unterschied besteht im Nutzungszeitpunkt. Das (Sach-)Produkt kann gleichermaßen und zum selben Zeitpunkt durch unterschiedlich viele Nutzer erfolgen.

Bei ergebnisorientierten PSS wird dem Kunden kein (Sach-)Produkt zum Verkauf angeboten, sondern ein bestimmtes Ergebnis als Service offeriert, das der Anbieter erfüllen muss. Auf welche Art und Weise die Leistungserfüllung erfolgt, obliegt dem Anbieter. Drei Archetypen können bestimmt werden:

  • Aktivitätsmanagement/Outsourcing: In diesem Zusammenhang werden Teile von Aktivitäten an Dritte ausgelagert. Um eine gewisse Qualität sicherzustellen, werden Leistungsindikatoren definiert, die in vielen Fällen vertragliche Bestandteile darstellen. Dieser Typ ist bspw. in der Reinigungs- oder Gastronomie-Branche anzutreffen.
  • Pay per Serviceeinheit: Das (Sach-)Produkt bildet weiterhin die Basis, die nicht vom Kunden gekauft werden muss. Gemeinsam mit dem Kunden wird eine vordefinierte Leistung beschrieben, die nach dem Umfang der Inanspruchnahme bezahlt werden muss. Der Anbieter ist für alle Aktivitäten verantwortlich, die zur Leistungserbringung erforderlich sind. Die Abrechnung erfolgt nach verbrauchter Serviceeinheit.
  • Funktionale Ergebnisse: Der Anbieter verpflichtet sich dem Kunden ein definiertes Ergebnis bereitzustellen. Dabei liegt einzig und allein die Erreichung des Ergebnisses im Fokus. Wie der Anbieter die Ergebniserfüllung umsetzt spielt eine untergeordnete Rolle.

Interessiert Sie dieser Beitrag und möchten Sie ebenfalls Produkt-Service-Systeme in Ihrem Unternehmen einsetzen, dann kontaktieren Sie uns. Die Hochschule Pforzheim um Prof. Dr. Bernhard Kölmel, Prof. Dr. Rebecca Bulander sowie die wissenschaftlichen Mitarbeiter Alexander Richter, Lukas Waidelich und Patrice Glaser forschen seit mehreren Jahren intensiv an dieser Themenstellung und unterstützen im Rahmen des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart KMU bei Vorhaben und Projekten im Bereich PSS.

Kontakt zum Themenfeld: geschaeftsmodelle@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de
Ansprechpartner: Lukas Waidelich (Lukas.Waidelich@hs-pforzheim.de)

Quellen:

Tukker, A.: Eight types of product–service system: eight ways to sustainability? Experiences from SusProNet. Bus. Strat. Environ. 13(4), 246–260 (2004). https://doi.org/10.1002/bse.414

[1] Vgl. Tukker (2004).
[2] Eigene Darstellung. Übersetzt und angepasst von Tukker (2004), S. 248.

Evolution von Produkt-Service-Systemen im Kontext von Geschäftsmodellen

Wie bereits im einleitenden Blogbeitrag erwähnt sind innovative Geschäftsmodelle der Schlüssel zu einer langfristigen Wettbewerbsfähigkeit. Der renommierte Wissenschaftler Oliver Gassmann und sein Team an der Universität St. Gallen stellen durch ihre Untersuchungen im Bereich Geschäftsmodell-Innovationen fest, dass 90 Prozent der Innovationen auf Rekombinationen bestehender Geschäftsmodelle zurückzuführen sind. Infolgedessen bestehen bereits seit dem 18. Jahrhundert Geschäftsmodelle, die den Grundstein für den heutigen Erfolg bilden. Geschäftsmodell-Innovationen gehen zumeist einher mit technologischen Evolutionen. Dies soll anhand recherchierter Beispiele verdeutlicht werden, die in der untenstehenden Abbildung visualisiert sind.

Evolution von Geschäftsmodellen und Produkt-Service-Systemen

Eines der bekanntesten Geschäftsmodelle aus dieser Zeit stammt von Boulton & Watt, die den Vertrieb von stark verbesserten Dampfmaschinen intensivierten. Die Besonderheit daran war, dass die Dampfmaschinen nicht verkauft, sondern dem Kunden gegen ein nutzungsabhängiges Entgelt zur Verfügung gestellt wurden, was zum damaligen Zeitpunkt eine Revolution darstellte. Dieses Geschäftsmodell-Muster tritt zum wiederholten Male bei neuen Technologien oder Produktinnovationen auf. Zwei weitere recherchierte Beispiele bestätigen dies. Das Unternehmen Xerox entwickelte den Fotokopierer technologisch weiter, sodass dieser über einen gesteigerten Leistungsumfang gegenüber konventionellen Geräten dieser Art verfügte. Dies schlug sich ebenfalls im Preis nieder, der um den Faktor sieben teurer war als technologisch unterlegene Konkurrenzprodukte. Um auf dem Markt konkurrenzfähig agieren zu können, bot Xerox den Kunden das Gerät zu einem monatlichen Fixpreis für eine bestimmte Zahl an Kopien an. Dies ermöglichte dem Unternehmen den benötigten kommerziellen Erfolg. Das GM Power-by-the-Hour ist seit langer Zeit für viele Flugtriebwerkhersteller ein etablierter Ansatz. Zurückzuführen ist dies auf den ehemaligen britischen Hersteller Bristol Siddley Engines, der dem Kunden die fehlerfreie Nutzung des Triebwerks garantierte. Im Gegenzug zahlte der Kunde einen fixen Betrag pro Betriebsstunde an den Hersteller.  Um die Jahrtausendwende siedelten sich PSS-Geschäftsmodelle zunehmend im deutschen Raum an. Das Unternehmen Bosch gründete 1999 das Tochterunternehmen Bosch Engineering, das sich auf maßgeschneiderte Softwarelösungen als Zusatzservice zu standardisierten Bosch-Hardwarelösungen spezialisiert hat um den gestiegenen, individuellen Kundenbedürfnissen zu begegnen. Mit der Einführung des Geschäftsmodell Hilti Fleet Management bietet das Unternehmen Hilti seinen Kunden gegen Bezahlung eines monatlichen Betrags die Verfügbarkeit von hochwertigen Gerätschaften wie Bohrhämmer oder ähnliche Werkzeuge und minimiert dadurch die Ausfallkosten seiner Kunden. Ein weiteres Geschäftsmodell, das die Nutzung anstatt des Besitzes in den Mittelpunkt stellt, ist das Carsharing. Flächendeckenden Erfolg in diesem Bereich konnte das 2011 gegründete Unternehmen Car2Go (heute ShareNow) vorweisen, das sich als Mobilitätsdienstleister etabliert hat.

Begleitet wurden diese Geschäftsmodell-Innovationen durch die verschiedenen industriellen Revolutionen und das Aufkommen des Internets in den 1990er Jahren, das Innovationen ermöglicht und vorantreibt. Die vierte Revolution, die Verknüpfung realer Objekte mit virtuellen Prozessen, befindet sich aktuell in vollem Gange. Sie wird neue PSS- Geschäftsmodelle hervorbringen und bestehende Wertschöpfungsketten verändern.

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Was sind PSS und welche Bedeutung haben diese für den Mittelstand

Die heutige Geschäftswelt ist zunehmend geprägt von Unberechenbarkeit wie Pandemien oder Handelskonflikten – produzierende Unternehmen wie AEG, Grundig, Kodak und Nokia verschwinden von der Bildfläche oder nehmen keine dominante Marktstellung ein, obwohl sich diese Unternehmen jahrelang durch exzellente Produkt- und Prozess-Innovationsfähigkeit ausgezeichnet haben. Doch welche Fehler haben diese Unternehmen begangen? Diese und weitere Fragestellungen wollen wir in einer Beitragsreihe rund um das Thema (digitale) Produkt-Service-Systeme (PSS) beantworten. Dieser Beitrag soll die Bedeutung von PSS hervorherben und die Auswirkungen auf den Mittelstand verdeutlichen.

Zum einen agieren produzierende Unternehmen in globalen Märkten und stehen somit im direkten Wettbewerb hinsichtlich der Qualität, der Technologie und der Kosten. Daraus resultieren ein starker internationaler Preisdruck, stagnierende Umsätze und Gewinnmargen, sowie die immer geringer werdende Möglichkeit einer technologischen und qualitativen Differenzierung aufgrund zunehmender Gleichwertigkeit von Konkurrenzprodukten globaler Anbieter.  Diesen Herausforderungen wird auf der Ebene der Produkt- und Prozessinnovationen begegnet. Zum anderen werden arrivierte Unternehmen durch Geschäftsmodell-Innovationen herausgefordert. Getrieben und befähigt durch die Digitalisierung entstehen neue disruptive Geschäftsmodelle, die bestehende Wertschöpfungsketten in großen Teilen oder sogar vollständig verdrängen. Diese Geschäftsmodell-Innovationen treffen etablierte Anbieter in der Regel unvorbereitet und können, wie bei den oben aufgeführten Unternehmensbeispielen, bis zur vollständigen Marktverdrängung führen. Daher ist die Entwicklung von innovativen Geschäftsmodell als eine Grundvoraussetzung für langfristige Wettbewerbsfähigkeit im unternehmerischen Umfeld anzusehen.

Heidelberger Druckmaschinen ist in diesem Kontext ein Paradebeispiel. Das deutsche Vorzeigeunternehmen stand 2009 kurz vor dem Bankrott, rationalisierte tausende Arbeitsplätze, bekam Staatshilfen in Millionenhöhe und innovierte sein Geschäftsmodell erfolgreich. Dabei fokussierte sich das Unternehmen auf das vielversprechende Konzept der Produkt-Service-Systeme (PSS). Heidelberger Druckmaschinen hat den Schritt vom technikversierten Produktanbieter zum kundenorientierten Lösungsanbieter vollzogen. Konkret wurden die bestehenden Kernprodukte um spezifisch angereicherte Services erweitert. Durch diese Gesamtlösung wurde den Kunden ein Mehrwert generiert und eine Differenzierung zum Wettbewerb erzielt.

Das PSS-Konzept kann als ganzheitliche Innovationsstrategie angesehen werden, die die Produkt-, Prozess und Geschäftsmodell-Ebene zugleich bedient. Unternehmen vollziehen einen Wandel: Sie beschränken sich nicht mehr auf die Entwicklung und den Vertrieb von Produkten, sondern ergänzen ihr Portfolio um die Bereitstellung eines Systems aus Produkten und Services, die auf spezielle Kundenanforderungen zugeschnitten sind.  Dieser Paradigmenwechsel wirkt dem veränderten Nachfrageverhalten durch flexibel anpassbare Sach- und Dienstleistungsanteile auf Kundenseite entgegen. Der Kundennutzen wird in den Mittelpunkt gestellt, eine nachhaltige Kundenbeziehung wird aufgebaut, wodurch ein langfristiger Wettbewerbsvorteil entsteht.  Die Strategie, Produkte durch angegliederte Services zu ergänzen wird in der Fachliteratur Servitisierung genannt. Durch sie kann eine dauerhafte Umsatzsteigerung erreicht werden.

PSS sind ein komplexes Themengebiet, das sehr facettenreich ist und deshalb tiefgehend verstanden werden muss. Der Anbieter eines PSS benötigt umfassendes Wissen, um ein PSS erfolgreich am Markt etablieren zu können. Häufig ist dieses Wissen in produzierenden Unternehmen nicht oder nur in geringem Maße verfügbar. Großunternehmen verfügen zumeist über Ressourcen, um sich dieses Wissen anzueignen. Der deutsche Mittelstand hingegen, auf den knapp 60 Prozent der Arbeitsplätze entfallen und der damit eine zentrale Rolle in der deutschen Wirtschaft spielt, verfügt oftmals nicht über diese erforderlichen Mittel. PSS haben jedoch eine Schlüsselfunktion für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und sind somit essenziell für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

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Im dem steigenden Wettbewerbs- und Innovationsdruck entgegen zu wirken, bietet sich für Unternehmen die Möglichkeit, den Innovationsprozess nach außen hin zu öffnen und Außenstehende aktiv einzubinden. Hierfür können Open-Innovation Plattformen genutzt werden, auf denen Problemstellungen in Form von sogenannten Challenges platziert werden (siehe hierzu eine Analyse bestehender Plattformen).

Der Aufbau einer Open Innovation Plattform ist auch als mögliche Maßnahme in der digitalen Roadmap der Ev. Landeskirche in Württemberg genannt, weshalb sich die Landeskirche bereits im vergangenen Jahr an die Erprobung des Ansatzes gemacht hat. Vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Krise wurde diese Möglichkeit erstmals praktisch getestet. In Kooperation mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum wurde nach digitalen Möglichkeiten zur Beteiligung der „Crowd“ bei der Bewältigung der Pandemie-Folgen gesucht. Die Beteiligten sollen dabei vor allem in den Ideen- und Innovationsprozess miteinbezogen werden. Hierfür wurde schließlich ein Open-Innovation-Ansatz ausgewählt, wo individuelle Beiträge zu einzelnen Challenges eingereicht werden. Wie genau solch eine Challenge aufgebaut werden sollte, wird nachfolgend erläutert und kann auch an der aktuellen Challenge der Ev. Landeskirche in Württemberg nachvollzogen werden.

Das Wichtigste auf den ersten Blick

Als erstes gilt es Aufmerksamkeit zu erzielen. Schließlich sollen möglichst viele TeilnehmerInnen ihre Ideen einreichen. Da der Titel der Challenge der erste Berührpunkt ist, sollte dieser kurz, einprägsam und verständlich formuliert sein. Die Unterüberschrift kann diesen zusätzlich vervollständigen und das Interesse verstärken. Eine kurze darauffolgende Beschreibung vermittelt Inhalt und Ziel der Challenge, deren Struktur und schließlich was es zu gewinnen gibt. Als Preise können Geldbeträge, Dienstleistungen oder Sachgegenstände dienen. Es ist empfehlenswert solch einen Anreiz zu bieten, um potenziell Teilnehmende zu motivieren.

Detaillierte Beschreibung der Challenge

Damit eingereichte Lösungen auch bestmöglich ausgearbeitet sind und den Zielen der Challenge entsprechen, gilt es diese nun detaillierter zu beschreiben. Eine große Bedeutung spielt hierbei der Kontext, um schließlich die Hintergründe der Challenge zu verstehen. Dazu zählt eine Beschreibung des eigenen Unternehmens bzw. der Organisation. Ebenso unabdingbar ist eine Beschreibung des zu erreichenden Ziels. Damit einher geht die eigentliche Aufgabenstellung der Challenge. Hier wird beschrieben, was genau von den Einreichungen zu erwarten ist. Desto mehr Informationen zur Verfügung stehen, desto passender sind später diese. Neben der reinen Beschreibung der Challenge, können ebenso Bilder, Videos oder Webseiten zur Verständlichkeit verwendet werden.

Abschließend können weitere Hintergrundinformationen ergänzt werden, betreffend der Rahmenbedingungen oder des aktuellen Stands im Projekt. Neben erneuter Erwähnung der Preise, werden eine Jury und Experten aufgelistet, welche letztlich für die Rücksprache und Auswahl der besten Lösungen zuständig sind.

Auswertung der Einreichungen und Auswahl der Gewinner

Ist der Einreichungszeitraum der Challenge beendet, folgt die Auswertung der eingereichten Beiträge. Diese sollten, so wie auch die Challenge-Ausschreibung, eine gewisse Struktur aufweisen. Titel, Unterüberschrift, eine kurze sowie ausführliche Beschreibung sollten standardmäßig vorhanden sein. Detaillierte Einreichungen können ggf. mit Bildern oder Videos ergänzt werden. Anhand zuvor aufgestellter Kriterien (bspw. hinsichtlich der Machbarkeit oder Innovationsgrad) wählt die Jury nun die besten Einreichungen aus. Teilnehmer steht es außerdem zu, andere Beiträge zu bewerten und zu kommentieren.

Grundsätzlich bieten Open-Innovation Challenges ein großes Potential für Unternehmen im Bereich des Innovationsmanagements. Neben der Ausschreibung der eigentlichen Challenge, ist es von Bedeutung, diese aktiv zu bewerben. Social-Media bietet sich hierfür als Medium an. Hierbei sollten Unternehmen anstreben, die Aufmerksamkeit der Zielgruppe zu erreichen und deren Interesse zu wecken.

Einzelne Abteilungen oder ganze Unternehmen stehen immer stärker unter Zugzwang. Um entsprechend konkurrenzfähig zu bleiben, sollte sich kein Unternehmen vor der Digitalisierung verstecken. Bei der Thematik rundum Low Coding geht es um den Ansatz, Programme und Anwendungen anhand von visuellen Elementen und modellbasierten Entwicklungsmethoden zu konzipieren. Das angestrebte Ziel ist es, durch die Reduktion des zu schreibenden Codes, die Anwendungsentwicklung zu beschleunigen und diese Möglichkeit auch Personen ohne eigene Programmierfähigkeiten zur Verfügung zu stellen.

Am 08.07.2020 wurde dieser beschriebene Themenaspekt in einer Veranstaltung vom VDMA Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart intensiv behandelt. Der Ablauf dieser Online-Veranstaltung war demnach strukturiert in einen Impulsvortrag zum Thema Low Coding, verknüpft mit Anwendungsfällen der Michael Weinig AG und einen Einblick in die Low-Code-Plattform der Simplifier AG.

Im Rahmen dieser Erfahrungsaustauschveranstaltung wurde zu Beginn eine Bestandsaufnahme der Teilnehmer zum genannten Schwerpunktthema initiiert. An der Live-Umfrage gaben ca. 2/3 aller Befragten an, dass sie sich derzeit in der Orientierungsphase befinden. Etwa 1/3 haben schon erste Entwicklungs- und App-Erfahrungen gesammelt und nur vereinzelte befinden sich bereits in der konkreten Umsetzungsphase.

Low Coding noch am Anfang

Dieses Ergebnis zeigte dementsprechend recht früh und deutlich, dass das Thema Low Coding bereits bekannt ist, aber bei vielen noch in den Kinderschuhen steckt. Daher war – wie erwartet – klar, dass es in dieser Veranstaltung darum ging, die Unternehmen vorerst zu informieren und zu sensibilisieren. Um den Teilnehmern das nötige Basiswissen zu vermitteln, wurde vom Fachverband Software und Digitalisierung ein Einführungsvortrag gehalten, der beispielsweise die Herkunft des Begriffes, die Funktionsweise und einen Ausblick beinhaltete.

Um die Thematik für die teilnehmenden Unternehmen dennoch ein Stück weit greifbarer zu machen, wurde die Begrifflichkeit mit dem Praxisbeispiel der Michael Weinig AG veranschaulicht. Dort wird bereits seit 2015 eine digitale Kunden-App angeboten, die es den Endkunden ermöglicht, aktuelle Informationen über die eingesetzten Maschinen zu erhalten. Diese Funktionalität lässt sich außerdem um Monitoring-Funktionen erweitern. Somit wird Transparenz im Fertigungsprozess geschaffen. Dies ermöglicht beispielsweise Schwachstellen zu identifizieren und Prozesse zu optimieren.

Die Kunden-App soll kontinuierlich an die Anforderungen der Kunden angepasst werden und so eine hohe Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit bieten. Dies war bisher mit einem sehr hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. „Wir haben nach einer Technologie gesucht, mit der wir unsere App Suite kontinuierlich anhand von Kundenwünschen weiterentwickeln, und dabei einer klaren Softwarearchitektur folgen können. Diese sollte es ermöglichen, neue Applikationen und Optimierungen von unterschiedlichen Entwicklern schnell und dennoch strukturiert umsetzen zu lassen“, so Jochen Ganz, Leiter der Unternehmenseinheit New Business & Innovation in der Weinig Gruppe.

Durch die Nutzung der Low-Code-Plattform von Simplifier gelang es dem VDMA-Mitglied sich gegenüber anderen Unternehmen einen erheblichen Technologievorteil zu sichern. Das Unternehmen spart dadurch jede Menge Zeit und Geld, da die benötigten Anwendungen aufgrund des Baukastensystems per „Drag and Drop“-Prinzip wesentlich schneller entwickelt werden können und keine externen Dienstleister mehr erforderlich sind. Somit kann sich die Michael Weinig AG vom Wettbewerb abheben, indem sie schnellstmöglich und selbständig neue Funktionen in die App integrieren können.

Zukunftsansatz für IoT-Projekte

Als Ausblick in die Zukunft verspricht der Low Coding Ansatz eine vielversprechende Lösung für IoT-Projekte. Neue Systeme müssen in eine bestehende Infrastruktur eingepflegt und für die neue Umgebung angepasst werden. Mithilfe von Low Coding Plattformen kann dies, ohne externe Experten, agil und individuell erfolgen. Viele Produkte entsprechen nicht exakt den Anforderungen, die ein Unternehmen an sie stellt. Durch den Einsatz von Low Code können sie aber von den eigenen Mitarbeitern direkt vor Ort angepasst werden.

Für weitere Informationen oder bei Fragen wenden Sie sich gerne an unseren Experten Florian Klein.

 

Sie beschäftigen sich mit digitalen Geschäftsmodellen, Ihnen fehlen aber konkrete Ansatzpunkt? Sie suchen Hilfestellung und Tipps? Dann sind Sie hier genau richtig!

In unseren digitalen Sprechstunden beantworten wir Ihre Fragestellungen rund um digitale Geschäftsmodelle.

Ziel ist es, gemeinsam den aktuellen Status Ihres Unternehmens zu erörtern und Antworten auf die wichtigsten Fragen in puncto digitale Geschäftsmodelle zu finden.

Dieses kostenfreie Angebot richtet sich insbesondere an kleine und mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe.

Alexandra Keller, Lisa Rothfuß and Patrick Weber – Experten des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart stehen Ihnen für ein individuelles Gespräch zur Verfügung.

 

Aktuell sind die nachfolgenden Termine verfügbar:

  • 07.05.2020 von 9:00 bis 9:45 Uhr und 16:00 bis 16:45 Uhr
  • 14.05.2020 von 9:00 bis 9:45 Uhr und 16:00 bis 16:45 Uhr
  • 28.05.2020 von 9:00 bis 9:45 Uhr und 16:00 bis 16:45 Uhr

 

Bitte melden Sie sich mit einer kurzen E-Mail bei uns an. Sollte keiner der Termine bei Ihnen passen, können Sie sich gerne mit einem Terminvorschlag an uns wenden.

Ihre Ansprechpartner:

Alexandra Keller (Alexandra.Keller@steinbeis.de)

Lisa Rothfuß (rothfuss@bwcon.de)

Autoren: Hochschule Pforzheim
Bild: Business photo created by freepik – www.freepik.com

 

In Kooperation mit dem Digital Hub Nordschwarzwald startet das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Stuttgart eine kostenfreie Webinar-Reihe. Dafür konnte mit Prof. Dr. Bernhard Kölmel von der Hochschule Pforzheim ein renommierter Referent gewonnen werden. Geplant sind zwei  interessante Webinare, die den Teilnehmern spannende Einblicke in innovative Technologien und Strategien geben sollen:

Innovative Zukunftstechnologien: Technologietrends und Chancen

Welche Technologien zukünftig eine große Rolle spielen und wie sich Ihr Unternehmen darauf vorbereiten kann

Datum
29.April 2020   17.00 – 18.00 Uhr   Digital

Beschreibung

Big Data, Blockchain und KI sind innovative Technologien, die bestehende Wertschöpfungsketten bereits nachhaltig verändert haben – aber welche Technologien kommen danach? Erfahren Sie, im Rahmen dieses Webinars, welche neuartigen Technologien in den nächsten 5-10 Jahren auf den Markt kommen könnten und wie Sie schon heute Ihr Unternehmen auf diesen Wandel optimal vorbereiten können. Prof. Dr. Bernhard Kölmel vom Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Stuttgart – Themenfeld Service- und Geschäftsmodellentwicklung freut sich im Rahmen dieses interessanten Webinars neue Einblicke zu ermöglichen und Impulse für ihre tägliche Arbeit zu setzen.

Agenda
17:00 bis 17:45: Vortrag zum Thema innovative Zukunftstechnologien
17:45 bis 18:00: Fragerunde

kostenfreie Anmeldung

 

Wettbewerbsfaktor Personalisierung: Erfolgreiche Differenzierung und Best-Practices

Wie eine erfolgreiche Produkt- und Servicedifferenzierung gelingen kann und wie Ihr Unternehmen heute schon davon profitiert

Datum
04.Mai 2020   17.00 – 18.00 Uhr   Digital

Beschreibung

Preis, Leistung und Qualität sind wichtige Merkmale um sich mit seinen Produkten und Services von Wettbewerbern erfolgreich zu differenzieren. Durch die Globalisierung findet eine zunehmende Homogenisierung dieser Merkmale statt – eine erfolgreiche Differenzierung ist kaum möglich. Der Trend der  Personalisierung von Produkten und Services spielt in diesem Kontext eine essenzielle Rolle. Erfahren Sie, im Rahmen dieses Webinars, wie eine erfolgreiche Produkt- und Servicedifferenzierung gelingen kann und wie Ihr Unternehmen heute schon davon profitiert, um sich auf diesen Wandel optimal vorbereiten können.

Prof. Dr. Bernhard Kölmel vom Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Stuttgart – Themenfeld Service- und Geschäftsmodellentwicklung freut sich im Rahmen dieses interessanten Webinars neue Einblicke zu ermöglichen und Impulse für ihre tägliche Arbeit zu setzen.

Agenda
17:00 bis 17:45: Vortrag zum Thema Wettbewerbsfaktor Personalisierung
17:45 bis 18:00: Fragerunde

kostenfreie Anmeldung

 

Zum Referenten

Prof. Dr. Bernhard Kölmel lehrt und forscht am Institut für Smart Systems und Services der HS-Pforzheim in den Bereichen Global Process Management, Systems-of-Systems-Engineering, Internet of Things and Services, Disruptive Innovationen und Geschäftsmodelle. Er koordiniert zahlreiche nationale internationale Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich vernetzter Informationssysteme in der Schnittmenge Internet of Services and Things und ist als Gutachter für nationale Ministerien und die Europäische Kommission bzw. das European Institute of Innovation and Technology im Umfeld zukünftiger IKT-Systeme tätig.

 

Autoren: FSTI, Hochschule Pforzheim
Bild: Business photo created by rawpixel.com – www.freepik.com

 

Unternehmen erfahren auf Grund von immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen und zugleich zunehmender Komplexität und Unsicherheit einen steigenden Innovationsdruck. Diesem kann durch die Nutzung von Open Innovation entgegengewirkt werden. Open Innovation ist ein strategisches Konzept, in dem bisher interne Innovationsprozesse der Außenwelt geöffnet werden und somit die Möglichkeit entsteht, diese aktiv einzubinden. Ziel ist es, Innovationen durch die Kombination von internen und externen Kompetenzen effizienter und effektiver hervorzubringen.[1]

Die ev. Landeskirche Baden-Württemberg steht vor einer ähnlichen Herausforderung wie kleine und mittlere Unternehmen. Sie hat die Zielsetzung, ihre vielen Mitglieder in den bisher internen Innovationsprozess einbinden zu können. In einem Projekt mit dem Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) und der Hochschule Pforzheim soll geprüft werden, ob eine generische, jedoch auf die Kirche zugeschnittene Innovationsplattform, dafür eine passende Methode darstellt. Eine Besonderheit dabei ist, dass die Werte der ev. Landeskirche durch einen Kodex in das Projekt miteinfließen sollen. Im übertragenen Sinne haben Unternehmen darauf zu achten, Ihre Unternehmensphilosophie und Unternehmenswerte bei der Nutzung von Open Innovation zu berücksichtigen.

Um eine erste, grundlegende Übersicht über Innovationsplattformen zu bekommen, wurde eine Zusammenstellung von 48 Open Innovation-Plattformen der IHK Hannover analysiert.[2] Während der Analyse kristallisierten sich zwei Erkenntnisse heraus:

      1. 13 der 48 Plattformen sind bereits wieder offline
      2. Aus den übrigen Plattformen konnten vier generische Cluster abgeleitet werden

Da mehr als jede vierte Plattform scheiterte, wurde überlegt, nach Gründen des Scheiterns bei den Betreibern zu fragen. Allerdings gestaltete sich die Kontaktaufnahme mit den abgemeldeten Plattformen als schwierig. Obwohl Gründe des Scheiterns interessante Einblicke für den Erfolg oder Misserfolg von Plattformen aufdecken könnten, wurde dieser Bereich im Rahmen des Projektes an dieser Stelle nicht weiterverfolgt. Die Tatsache, dass das Betreiben einer Plattform jedoch Herausforderungen mit sich bringen kann, fließt in die weitere Vorgehensweise des Projektes mit ein. Die im zweiten Punkt genannten generischen Plattformschwerpunkte konnten wie folgt geclustert werden:

      1. Partnervermittlung/Netzwerk
      2. Management von Innovationsprozessen
      3. Innovationsprozessberatung
      4. Challenge-Plattform

Zu beachten ist, dass es sich hierbei um die Schwerpunkte der Plattformen handelt. Somit ist es möglich, dass eine Plattform ihren Schwerpunkt im Cluster „Partnervermittlung/Netzwerk“ hat, darüber hinaus aber auch beispielsweise die Möglichkeit zur Einstellung und Bearbeitung von Challenges besitzt.

Nur wenige Plattformen sind noch aktiv und fokussieren Challenges

Eine Plattform mit dem Schwerpunkt auf Challenges kommt den Vorstellungen der ev. Landeskirche am nächsten. Der erste Rückschluss für das Projekt ist, dass eine solche Plattform, das am wenigsten verfolgte Kerngeschäftsmodell in den untersuchten Plattformen ist. Diese Tatsache könnte ein Hinweis auf die Herausforderungen des Betreibens einer solchen Plattform sein.

Challenges nehmen eine zentrale Rolle ein

Neben den direkten Erkenntnissen aus der Recherche, wurde auch die zentrale Rollte von Challenges erkannt. In Challenges beschreibt der Auftraggeber sein Innovationsbedürfnis.[3] Damit bilden Challenges die Schnittstelle zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer (Crowd) und nehmen somit eine erfolgskritische Rolle ein. Aufgrund dieser Feststellung entstand im Projekt die Idee, erste Challenges auszuformulieren und auf bestehenden Open Innovation Plattformen zu testen. Ziel dieser Tests ist es herauszufinden, ob nach den Vorstellungen und Werten der ev. Landeskirche formulierte Challenges Aufmerksamkeit erhalten und gelöst werden. Explizit soll herausgefunden werden, wie eine erfolgreiche Challenge formuliert ist und ob ideologische Anreize gegen monetäre bestehen können. Des Weiteren verringert sich durch diesen Zwischenschritt das Risiko, erhebliche Ressourcen in den Aufbau einer Plattform zu investieren, ohne zu wissen, ob sich die Plattform behaupten kann. In der Umsetzungsphase des Projektes entwickeln das Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) und die Hochschule Pforzheim Challenge-Vorlagen und betreuen den Umsetzungspartner bei der Challengeformulierung und der anschließenden Umsetzung.

[1] Gassmann u.a. (2006)

[2] https://www.hannover.ihk.de/fileadmin/data/Dokumente/Themen/Innovation/160926_Plattformen_Open_Innovation.pdf

[3] The Southern African Journal of Entrepreneurship and Small Business Management

 

Ansprechpartnerin: Alexandra Keller (Alexandra.Keller@steinbeis.de)

 

Quellen:

Gassmann, Oliver & Enkel, Ellen (2006): Open Innovation. Stuttgart : Schäffer-Poeschel

IHK Hannover (2016): Open Innovation – Auswahl webbasierter Plattformen.  Verfügbar unter https://www.hannover.ihk.de/fileadmin/data/Dokumente/Themen/Innovation/160926_Plattformen_Open_Innovation.pdf

The Southern African Journal of Entrepreneurship and Small Business ManagementVolume 8 Number 1, Jan 2016, p. 1 – 9

Wie Sie durch die systematische Darstellung Ihrer Prozesse Digitalisierungspotentiale erkennen.

Autor: bwcon, FSTI
Foto: Mudassar Iqbal auf Pixabay

Ausgangslage

Das Friseurhandwerk ist eine klassische personalintensive Dienstleistung. Um eine hohe Qualität zu erreichen und die Kundenerwartung zu erfüllen sind sehr gut ausgebildete Fachkräfte notwendig. Jedoch stehen diese in Zeiten des Fachkräftemangels nicht mehr unmittelbar zur Verfügung. Schulungen und Weiterbildungen erfordern vom Betrieb hohe Investitionen in das Humankapital. Fluktuation ist eine weitere Herausforderung – insbesondere, wenn die Mitarbeiter nach der teuren Weiterbildung das Unternehmen verlassen.

Wie kann also die im Friseurhandwerk wichtige Beratungsqualität personalunabhängig gewährleistet werden? Mit einem Friseurbetrieb aus Reutlingen ging das Kompetenzzentrums dieser Frage nach.

Lösungsweg

Um geeignete Lösungen für die Aufrechterhaltung der Beratungsqualität abzuleiten, ist es elementar die Ist-Situation zu erfassen. Hierfür eignet sich die Erstellung eines Service Blueprint. Service Blueprinting ist eine Methode, die Dienstleistungsprozesse analysiert und visualisiert. Im Projekt mit dem Friseurbetrieb kam zusätzlich eine Customer Journey Analyse zum Einsatz. Diese diente dazu zunächst die Berührungs- und Kontaktpunkte des Kunden mit dem Friseursalon aufzuzeigen.

Die Customer Journey Analyse verdeutlicht demnach, an welchen Stellen die Kunden grundsätzlich die Qualität und insbesondere die Beratungsqualität des Friseurs beurteilen können. Einen Schritt weiter gedacht, erlaubt eine Customer Journey Analyse auch Aussagen darüber zu treffen, an welchen Stellen Kundendaten erhoben werden können. Davon lassen sich Möglichkeiten für unterstützende digitale Services ableiten.

Im vorliegenden Projekt wurde der Beratungsprozess untersucht. Dieser beginnt mit dem Vorgespräch und endet mit dem Verlassen des Salons. Es wurden nun die Berührungspunkte von der Begrüßung im Salon bis zum Verlassen entsprechend dokumentiert.

Die Dokumentation im Projekt beinhaltete neben der Beschreibung des jeweiligen Berührungspunkts auch die Angabe darüber, über welches Medium der Kundenkontakt stattfindet. Es wurde also festgehalten über welche Kanäle die Daten des Kunden in das Unternehmen fließen können (per Online-Buchung, per Telefon, im persönlichen Gespräch etc.).

Methoden-Exkurs: Abbildung 1 zeigt beispielhaft eine vollständige Customer Journey eines Friseurbetriebs. Bei der Customer Journey Analyse werden die fünf Phasen die Kunden bei dem Konsum von Produkten und Dienstleistungen durchlaufen hinsichtlich der Berührungspunkte betrachtet. Neben der Definition der einzelnen Kontaktpunkte während der verschiedenen Phasen kann durch Beobachtung und Befragung der Kunden auch eine Einschätzung in Bezug auf die Zufriedenheit bzw. Funktionalität der Kunden mit den einzelnen Berührungspunkten abgegeben werden. In der beispielhaften Abbildung wird die Terminbuchung eher negativ wahrgenommen. Eine mögliche Begründung wäre bspw. eine schlechte Erreichbarkeit per Telefon oder das Fehlen einer Online-Buchung.

Unter dem Gesichtspunkt die Beratungsqualität sicherzustellen, wurde im Projekt mit dem Friseur eine Prozessdokumentation für diesen Berührungspunkt erstellt. Die hierfür eingesetzte Methode, der Service Blueprint, analysiert die Nutzeraktionen und ihre Auswirkungen auf die sichtbaren und unsichtbaren Interaktionen mit dem Unternehmen.

Methoden-Exkurs: Abbildung 2 Service-Blueprint: Ein Service-Blueprint eignet sich insbesondere für die Beschreibung von Dienstleistungsprozessen. Er dient dazu, die einzelnen Prozessschritte abzubilden und in verschiedene Ebenen einzuteilen. Ausgehend von den Nutzeraktionen, zumeist handelt es sich um Aktionen der Kunden oder der Mitarbeiter, werden für diese die „sichtbaren Interaktionen“ definiert. Sichtbare Interaktionen sind die Tätigkeiten, die für Kunden auch sichtbar sind. Im Beispiel wäre es das Eingeben der Daten in das Tablet. Was für Kunden nicht sichtbar ist, sind die Interaktionen mit dem Backoffice. Im vorliegenden Beispiel wird beschrieben, was durch Software bzw. Mitarbeiter im Backoffice mit den eingespielten Daten passiert. Hierfür werden wiederum unterstützende Prozesse definiert, um dies zu gewährleisten. Ein Service-Blueprint vermittelt demnach eine umfangreiche Beschreibung des Prozesses und hilft somit dabei Dienstleistungsqualität und –standards zu gewährleisten.

Im Projekt mit dem Friseursalon ergab die Dokumentation des Beratungsprozesses, mit dem Ziel diesen digital zu unterstützen, zwei mögliche Szenarien. Diese wurden ausgearbeitet, um zum eine kurz- bis mittelfristige Umsetzung zu erzielen und um darauf aufbauendes Potential aufzuzeigen. Im ersten, einfacher umsetzbaren Szenario, unterstützt ein Tablet mit digitaler kundenspezifischer Check-In Karte die Fachkraft durch einen Beratungsleitfaden. Die Ergebnisse werden händisch eingetragen. Empfehlungen basieren weiterhin auf dem Know-how und der Erfahrung der Mitarbeiter.

Einen Schritt weiter gedacht, werden diese Empfehlungen von einem KI-gestützten Tool übernommen. Dieses gleicht die Analyseergebnisse der Kundendaten mit der Produktdatenbank ab und ermittelt zudem mögliche Behandlungsvorschläge hinsichtlich Schnitt und Farbe. Ein solches digitales Werkzeug könnte sicherstellen, dass die Kunden angemessen beraten werden. Darüber hinaus bietet sich die Möglichkeit die Analysedaten direkt digital zu erfassen bspw. durch Kopfhautkameras und entsprechende Bildanalysesoftware.

Nutzen für Unternehmen

Dieses Projekt zeigt, dass durch die systematische Auseinandersetzung mit den Unternehmensprozessen, neue Digitalisierungspotentiale aufgedeckt werden können. Voraussetzung dafür ist, dass sie bereits wissen, wo sich Schwachstellen im Unternehmen befinden. Dies ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation mit Hilfe der vorgestellten Instrumente.

Bild von Photo Mix auf Pixabay

 

Für ein Mikroprojekt zum Thema „Datennutzung für innovative Geschäftsmodelle“ können sich ab sofort interessierte Unternehmen melden. Gemeinsam mit dem Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) und der bwcon können Sie ein erstes Konzept für ihr Unternehmen entwickeln und Fragestellungen mit unabhängigen Experten erarbeiten.

Sie beschäftigen sich aktuell mit folgenden Themen oder interessieren sich dafür?

  • Welche Daten aus meinem Unternehmen kann ich für eine Optimierung der Wertschöpfung nutzen?
  • Welche neuen Wertschöpfungspotenziale ergeben sich daraus?
  • Wie kann ich ein datengetriebenes Geschäftsmodell mit bereits existierenden Daten aufbauen?
  • Welche Relevanz haben Wertschöpfungsnetzwerke in datengetriebenen Geschäftsmodell?

 

Wenn Sie eine oder mehrere Fragestellungen für Ihr Unternehmen erörtern möchten, melden Sie sich unter geschaeftsmodell@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de bei uns. Auf unserer Homepage erhalten Sie einen Einblick in unsere Themen und bereits durchgeführte Projekte, beispielsweise im Handwerk und Maschinenbau.

Anmerkungen und Bedingungen: Die Unterstützung des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums ist Teil der Initiative Mittelstand digital und wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Aus diesem Grund ist die Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen kostenfrei. Die teilnehmenden Unternehmen müssen jedoch bereit sein, für Transfermaßnahmen im Sinne der Wissensvermittlung an andere Unternehmen zur Verfügung zu stehen. Bewerben Sie sich jetzt mit einer kurzen formlosen E-Mail an geschaeftsmodell@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de und wir setzen uns mit Ihnen in Kontakt.