Autor: FSTI, bwcon
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Neue Wertschöpfung im digitalen Zeitalter – hierfür bieten sich unterschiedlichste Ansätze und Möglichkeiten. Das Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) widmet sich speziell der Bildung von Wertschöpfungsnetzwerken. In einer Videoreihe erklärt Prof. Dr. Heiner Lasi, Leiter des FSTI was ein Wertschöpfungsnetzwerk auszeichnet, wie es sich gestalten lässt und warum insbesondere KMU von dieser Art der Wertschöpfung profitieren können. Hierbei greift er unsere Aktivitäten im Rahmen des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums auf.

Video 1: Was versteht man unter Wertschöpfungsnetzwerken?

 

Video 2: Wie lässt sich ein Wertschöpfungsnetzwerk gestalten?

 

Video 3: Warum sind Wertschöpfungsnetzwerke für KMU relevant?

 

Bildquelle: Eigene Darstellung

Autor: HS PF/ IOS3

Wie bereits im Blogbeitrag Neue Expertise aus dem Forschungsprojekt Use-PSS für die zweite Förderphase erwähnt, wird die Arbeit aus Use-PSS im Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Stuttgart weitergeführt. Doch wie verläuft der Use-PSS-Prozess in der Praxis und welche konkreten Mehrwerte können daraus generiert werden? Damit beschäftigt sich dieser Blogbeitrag.

Herausforderungen für KMU

Branchenübergreifend stehen produzierende Unternehmen vor der Herausforderung, auf den Wandel der Kundenbedürfnisse weg vom Kauf eines reinen Sachprodukts hin zu einer nutzerzentrierten Gesamtlösung als Kombination aus Produkt und Service zu reagieren. Kontinuierliche Produktverbesserungen und hohe Qualität können langfristig alleine nicht mehr die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Eine Anreicherung der Produkte mit intelligenten Dienstleistungen zur Einbettung in die Prozesse des Anwenders kann hingegen zu einem Alleinstellungsmerkmal führen. Der Use-PSS-Vorgehensrahmen versetzt KMU u.a. mit produzierendem Gewerbe in die Lage, die Abwanderung von Wertschöpfung an den Dienstleistungssektor zu reduzieren und sich im globalen Wettbewerb zu differenzieren.

Das Use-PSS Vorgehensmodell

Um die beschriebenen Herausforderungen von den KMU zu adressieren wurde ein mehrphasiges Vorgehensmodell entwickelt, das anhand von praktischen Beispielen veranschaulicht werden soll:

Vorgehensmodell zu digitalen Produkt-Service-Systemen (DPSS) (Richter, A.; Kölmel, B.; Schoblik, J.; Bulander, R.; Waidelich, L. (2016))

  1. Sense DPSS

Die erste Phase des Use-PSS Vorgehensmodells trägt den Titel „Sense-DPSS“ und hat das Ziel ein Bewusstsein für die Relevanz und Notwendigkeit der PSS-Thematik zu schaffen, sowie Informationen zum Anwendungsfeld zu bieten. Sie beinhaltet somit Vorträge und Informationsstände bei Infoveranstaltungen und Kongressen. Einen weiteren Kommunikationskanal stellen Onlineinformationen dar, die von Interessierten im Nachgang an eine Veranstaltung zur Vertiefung der Thematik abgerufen werden können. Ebenso ist ein veranstaltungsunabhängiger Zugriff jederzeit möglich. Der Informationsgehalt der Webseite als auch den Präsenzauftritten dient der Verbreitung von Informationen, der Vorstellung realisierter Use-Cases und der Präsentation von Best-Practices aus dem Umfeld der PSS. Die primäre Zielgruppe von Aktivitäten der ersten Phase sind Entscheidungsträger aus KMU. Diese Personengruppe ist besonders interessant, da eine PSS-Umsetzung stets mit der größtmöglichen Unterstützung seitens der Geschäftsführung einhergehen sollte.

Prof Dr. Bernhard Kölmel bei einem Sensibilisierungsvortrag im Rahmen des High-Tech-Summits(Quelle: Uli Regenscheit, 2018)

  1. Ideate DPSS

Sobald im Unternehmen ausreichend Bewusstsein für die Relevanz von PSS geschaffen worden ist, zielt die „Ideate-DPSS“ Phase darauf ab Methoden und Tools zur Entwicklung von PSS ins Unternehmen zu vermitteln und dort zu implementieren. Zielgruppe für die in dieser Phase durchgeführten Methodenschulungen sind die tatsächlichen Anwender des Use-PSS Methodensets. Bezogen auf die späteren Teile der „Create-PSS“ Phase, werden zunächst die Methoden zur Analyse der Ist-Situation, der Entwicklung neuer PSS Ideen, sowie von Methoden zum einfachen Testen von neunen Ideen vermittelt. In einem zweiten Methodenblock werden Methoden und Tools der Datenerhebung und Verwertung adressiert und den Teilnehmern die Relevanz von Datennutzung im Rahmen der Umsetzung von DPSS nähergebracht. Zudem werden Methoden der Visualisierung eigener Workshops vermittelt, da die anschauliche Aufbereitung erarbeiteter Inhalte die Weiterverwertung dieser deutlich erhöht. Als letzten Punkt des zweiten Schulungsblocks sind Methoden der Trend und Technologieforschung zu nennen, welche es Unternehmen mit einem überschaubaren Aufwand erlauben, relevante Marktveränderungen und eventuelle zukünftige Entwicklungen zu verfolgen.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter Alexander Richter und Lukas Waidelich (von rechts nach links) unterstützen Teilnehmer im Rahmen eines Ideate DPSS Workshops (Quelle: Innonet, 2018)

  1. Create DPSS

Bevor die dritte „Create-DPSS“ Phase startet, ist durch das KMU ein Workshopziel zu definieren. Im Projekt wurde dieses als EFS festgehalten, was für Eingangsfragestellung steht. Die Festlegung auf eine EFS bietet den Vorteil, dass von vorneherein bestimmt werden kann, wie detailliert die Ergebnisse der Workshops aussehen werden. Ebenso müssen sich Teilnehmer und Vorgesetzte vor einem „Create-Workshop“ konkret mit den eigenen Vorstellungen und erwünschten Ergebnissen des Workshops beschäftigen.

Die „Create-DPSS“ Phase teilt sich in die Unterphasen Analyse, Entwicklung und Test.

Die Analyse betrachtet den Ist-Zustand des Unternehmens, seiner Produkte, die Kunden, die aktuelle Marktlage als auch externe Effekte, welche das Unternehmen und sein Angebot beeinflussen. Jedem dieser Punkte liegen Methoden zugrunde, welche in einer bestimmten Reihenfolge durchlaufen und abgearbeitet werden. Nach dem Abschluss des Analyseworkshops wird ein standarisiertes Analyse-Cockpit auf Grundlage der erarbeiten Informationen befüllt und als Zusammenfassung an die Teilnehmer sowie interessierte Stakeholder im Unternehmen verteilt. Diese Zusammenfassung dient im nächsten Schritt als Bezugspunkt und Diskussionsgrundlage während der Entwicklung neuer PSS Ansätze.

Exemplarische Darstellung eines Use-PSS Analyse-Cockpits (2017)

Die Entwicklungsphase teilt sich in drei Bereiche. Zuerst werden Ideen generiert und gesammelt, anschließend werden einzelne Ideen ausgewählt, detaillierter ausgearbeitet und anschließend in einer Ideen-Galerie präsentiert. Als letzter Punkt der Entwicklung erfolgt die Bewertung der entwickelten Ideen durch Workshop-Teilnehmer und Entscheidungsträger.

Darstellung einer Idee als Basis für die Ideenbewertung (2017)

Die ausgewählten Ideen werden anschließend in die Testphase überführt und dort ersten Tests unterzogen. Die erarbeitete Idee wird der Nutzergruppe anhand eines Value-Proposition-Canvas gegenübergestellt. Diese Methode ermöglicht bereits vor der Entwicklung des eigentlichen DPSS ein erster Test, ob die Leistung von der Zielgruppe als interessant wahrgenommen wird. Der Value-Proposition-Canvas wird nachfolgend zum Business Model Canvas weiterentwickelt, dort kann die Geschäftsidee vollumfänglich getestet werden.

Erstellung eines Business Model Canvas (2017)

  1. Use DPSS

Durch die Überführung der PSS-Idee in ein konkretes Entwicklungsprojekt beginnt die vierte Phase des Use-PSS Vorgehensmodells, welche den Titel „Use-DPSS“ trägt und auf die Entwicklung, Umsetzung und Nutzung eines PSS abzielt. Mit der Übergabe der getesteten Idee in ein Entwicklungsprojekt greift an dieser Stelle der unternehmenseigene Produktentstehungsprozess. Auch hier wird seitens des Forschungsprojektes auf agile Projektmanagement-Methoden (wie z. B. SCRUM) und eine mögliche Unterstützung durch das Use-PSS Team verwiesen. Ebenso wird bei der integrierten Dienstleistungsentwicklung Hilfestellung bei der Entwicklung von Dienstleistungen angeboten werden, da deren Entwicklung und Modellierung für Unternehmen Neuland bedeuten kann. Ziel des Entwicklungsprojektes ist die Herstellung eines Minimal funktionsfähigen Produktes (MFP) welches bereits ersten Kunden angeboten werden kann. Ziel des MFP ist es zum einen, den Zeitraum von der Ideenentwicklung bis zur Markteinführung möglichst kurz zu gestalten und zum anderen mit Hilfe des MFP möglichst schnell Kundenfeedback zum PSS zu sammeln und in kurzen Iterationsschleifen das Produkt schnell zu verbessern und zu perfektionieren.

Als weitere Option der „Use-DPSS“ Phase besteht stets die Möglichkeit auf Grundlage von Nutzungsdaten, Erfahrungen und Kundenfeedback einen Bedarf bzw. eine neue Eingangsfragestellung für die „Create-PSS“ Phase zu beschreiben und einen neuen Ablauf für die Generierung neuer PSS und Geschäftsmodellideen anzustoßen.

Wie laufen die Use-PSS Workshops ab?

In der Regel erfolgen die Methodenworkshops der zweiten Phase im Rahmen eines halb- oder ganztags Workshop. Für den Analyse-Workshop sollten 1 bis 1,5 Tage angesetzt werden. Die Entwicklungs- und Test-Workshops benötigen zwischen 2 und 3 Tagen, je nach Detailierungsgrad und Umfang der Leistung.

Die Ergebnisse und die Dauer Workshops sind stark abhängig von den involvierten Personen, vom Untersuchungsgegenstand (Produkte und Services) und von der Eingangsfragestellung.

Was sind die Mehrwerte für KMU?

Umfassende Analyse des Status Quo (Leistungen, Kunden, Technologien, Unternehmen) von außen. Erlernen von neuen Methodensets und Fähigkeiten im Kontext von digitalen Geschäftsmodellen bzw. DPSS. Unterstützter Ideengenerierungs- und Auswahlprozess und somit Hilfe beim Produktentstehungsprozess in einer sehr frühen Phase zur erfolgreichen Innovierung des Geschäftsmodells. Unterstützung bei der Umsetzung bzw. Realisierung des DPSS.

Fazit

Das vierstufige Use-PSS-Vorgehensmodell unterstützt KMU bei ihrem Weg in ihre digitale Zukunft optimal, unabhängig davon in welcher Ausgangslage sich das KMU befindet.

Ist der Bedarf bzw. das Potential an Innovationen zum Thema DPSS noch nicht erkannt oder für wichtig erachtet worden, unterstützen verschiedene Informationsmaßnahmen wie Vorträge auf Veranstaltungen, Info-Stände oder online verfügbare Dokumente KMU.

Mittelständler, die im Bereich DPSS Maßnahmen umsetzen wollen, aber nicht über das benötigte Wissen und Methodenset verfügen, werden in der zweiten Phase „Ideate DPSS“ durch zielgruppengerechte Workshops unterstützt. Dabei werden in zwei Blöcken DPSS-Methoden (Analyse, Entwicklung und Test) und allgemeine Methoden (Datenverarbeitung, Visualisierung und Trend/Technologieforschung) gelehrt.

Verfügen die KMU über ein breites Methodenset zu DPSS, bspw. durch die vorangegangen Methoden-Workshops und möchten ein DPSS etablieren, so unterstützt das Use-PSS Team bei der Analyse, Ideengenerierung und beim Testen des DPSS. Dabei fungiert das Use-PSS-Team als Moderator und Unterstützer für die KMU.

Beim Aufsetzten eines DPSS-Entwicklungsvorgang kann zudem ebenfalls mit Expertise unterstützt werden.

Dieses Vorgehensmodell wird aktuell an die Gegebenheiten im Transferprojekt Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Stuttgart angepasst und soll dort zum Einsatz kommen.

 

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Autor: FSTI

 

„Die Lösungen haben wir gemeinsam und effizient erarbeitet. Die Expertise, die hier nötig war, haben wir uns zum Teil selbst durch Marktanalysen, Studien und durch bereits realisierte Projekte erarbeitet und mit dem Kompetenzzentrum einen kompetenten Partner gefunden, der mit uns gemeinsam die Ideen ausgearbeitet und eigene Vorschläge gebracht hat. Außerdem konnte das Kompetenzzentrum Erfahrung aus bisherigen Projekten einbringen, die unsere Ausarbeitungen nochmals bestätigen konnten.“

– Projektleiter/Vertriebsinsgenieur der Carl Benzinger GmbH über die Zusammenarbeit im Projekt

Die Carl Benzinger GmbH, ein mittelständischer Maschinenbauer aus Pforzheim, entwickelt derzeit Appanwendungen, die als zusätzlicher Service die Produkte des Unternehmens ergänzen sollen. Hierbei kam die Frage auf, welche Möglichkeiten der Bepreisung eines digitalen Services bestehen und welche sind letztendlich relevant? In einem Projekt mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum erarbeitete das Team eine geeignetes Tarifierungskonzept.

  1. Bestimmung der Preisstrategie

Im ersten Workshop gaben die Experten des Kompetenzzentrums einen Überblick über Optionen zur Gestaltung der Preisstrategie. Hier betrachtete das Team insbesondere neue Konzepte, die durch die Digitalisierung ermöglicht wurden. Nach einer Abwägung der Vor- und Nachteile der einzelnen Tarifierungsoptionen, erfolgte ein Abgleich mit den Anforderungen des neuen Services.

Aufgrund der Vielzahl der Apps des Maschinenbauers bot es sich an, diese in Preispaketen zu bündeln. Die Tarifierung wurde in Form eines Abonnements gestaltet. Während hierdurch ein kontinuierlicher Cash Flow generiert werden kann, ist der Wegfall einer einmaligen, vergleichsweisen hohen Zahlung ebenso für den Kunden attraktiv. Allerdings bedeutet dies einen erhöhten Aufwand in der Rechnungsstellung und so ergab sich die Frage nach der Ausgestaltung einer automatisierten Lösung. Das Projektteam untersuchte daher ergänzend die bisherigen Prozesse und Umsetzungsmöglichkeiten durch die Integration in das ERP-System.

  1. Aufstellung der Preiskalkulation

Anschließend reflektierte das Team ein bereits vom Unternehmen erarbeitetes Modell zur Preiskalkulation und erweiterte dieses um wesentliche Parameter. Zuvor fokussierte das Modell lediglich die Nachfrage und den Nutzen auf Kundenseite, während einige Kosten- und Wettbewerbsfaktoren vernachlässigt blieben. Hinzu kamen wichtige Faktoren wie die Personalkosten der Projektleitung und Aufwände durch notwendige Updates der Appanwendungen. Im Nachgang des Termins nutzte der Projektleiter das erweiterte Modell, um die Gewichtung der einzelnen Faktoren bewerten zu lassen. Die Perspektiven mehrerer Mitarbeiter aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen trugen zu einem ausgewogenen Ergebnis bei.

  1. Moderierter Workshop zur Abstimmung

Zuletzt wurde ein finaler Workshop durchgeführt, an dem zusätzlich die Vertriebsleitung und die Geschäftsführung der Firma Benzinger teilnahmen. Diese lieferten wichtige Impulse aus weiteren Bereichen, sodass umfassende Markt- und Wettbewerbskenntnisse einfließen konnten. Für das Unternehmen war hier die Erfahrung der Experten aus vorherigen Projekten besonders hilfreich. Durch den Austausch konnte das Tarifierungskonzept letztlich zielführend ausgerichtet und im Unternehmen verankert werden.

Im Rahmen des Projektes, konnte gemeinsam mit den Experten des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum, das bereits im Unternehmen vorhandene Potenzial ausgeschöpft werden. Die Expertise aus den Themenfeldern Service- und Geschäftsmodellentwicklung und Produktion und einem weiteren Kompetenzzentrum verschaffte der Carl Benzinger GmbH eine umfassende Unterstützung. Kleine und mittlere Unternehmen stehen vor der Herausforderung, mit beschränkten Personalkapazitäten Digitalisierungsprojekte zu initiieren und voranzutreiben. Statt ganze Innovationsteams aufzubauen, können häufig lediglich einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betraut werden. Ziel des Kompetenzzentrums ist es, hier Partner zu sein und in Projekten Digitalisierungsideen mit den Unternehmen weiterzuentwickeln.

 

Autor: FSTI

Am Dienstag, den 11.02.2019 fanden sich der VDMA, das FSTI und KMU aus dem Maschinen- und Anlagenbau und der IT-Branche in Kornwestheim ein, um sich einen Nachmittag dem Thema Blockchain zu widmen. Gemeinsam mit Themenexperten gingen wir der Frage nach, welche Relevanz Blockchain heutzutage insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen in der Industrie besitzt. Nach dem Hype der Technologie in den Jahren 2016 und 2017 folgte weitreichende Ernüchterung, wobei in der Zwischenzeit praktikable Anwendungsfälle identifiziert wurden. Blockchainexperten gaben hierzu im Rahmen unserer Veranstaltung einen umfassenden Einblick.

Daniel Burkhardt vom FSTI führte die Teilnehmer in das Thema ein und beleuchtete die Eigenschaften und aktuelle Trends der Blockchain-Technologie. Daran anknüpfend erläuterten Lumir Boureanu der compacer GmbH und Jochen Kaßberger von 51nodes die Bedeutung von Blockchain für die Bereiche Haftung und Finanzierung in der Industrie. Die Verdeutlichung der Prinzipien von Blockchain anhand eines Beispiels mit Ferrero Küsschen machte das komplexe Thema für die Teilnehmenden verständlich und nachvollziehbar. Aktuelle und potenzielle Anwendungsfälle aus der Praxis dienten als interessante Impulse, die in einem abschließenden Workshop in Form eines angeregten Austauschs aufgegriffen wurden.

Lukas Waidelich (IOS3), Maria Bieber (bwcon), Alexander Richter (IOS3), Patrick Weber, Alexandra Keller (beide FSTI) und Lisa Rothfuß (bwcon) v.l.

Autor: HS PF/IOS3

Am 21.Januar 2020 trafen sich die Projektpartner des Themenfelds Service- und Geschäftsmodellentwicklung um das Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI), Baden-Württemberg Connected (bwcon) und die Hochschule Pforzheim/Institut of Smart Systems and Services (IOS3) zur gemeinsamen Kick-Off Meeting im Haus der Wirtschaft in Stuttgart. Schwerpunkte des Treffens waren die organisatorische und inhaltliche Ausrichtung der des Themenfelds Service- und Geschäftsmodellentwicklung für die kommenden zwei Jahre im Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Stuttgart. Dabei wurde dem neu hinzugekommenen Partner (IOS3) die internen Prozesse erläutert und wichtige anstehende Themen diskutiert. Somit ist ein guter Start für die zweite Projektphase geglückt!

Was sich hinter dem Forschungsprojekt Use-PSS verbirgt lesen Sie hier.

 

Autor: HSPF/IOS3

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum startete am 01.Dezember 2019 in die zweite Förderphase. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Projekt weitere zwei Jahre. Die Hochschule Pforzheim um das Institut of Smart Systems and Services (IOS3) unterstützt dabei die Partner vom Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) und die bwcon. Dabei bringt das IOS3 die Expertise aus dem Forschungsprojekt Use-PSS ein, das in der Folge erläutert wird:

Motivation Use-PSS

Produzierende Unternehmen sind bisher darauf eingestellt, sich vornehmlich auf die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb qualitativ hochwertiger Sachprodukte zu konzentrieren. Die Kunden fragen jedoch zunehmend komplette Lösungen nach. Diese bestehen aus einem materiellen Sachproduktkern, wie wir ihn bisher kennen. Immer häufiger kommen heute aber während des Produktlebenszyklus verschiedene immaterielle Dienstleistungen hinzu, die den Kundennutzen spürbar erhöhen. Die Gestaltung und Realisierung dieser Produkt-Service-Systeme (PSS) findet in einem erweiterten Wertschöpfungsnetzwerk in enger Rückkoppelung mit dem Kunden statt. Produzierende Unternehmen durchlaufen somit einen fundamentalen strategischen Wandel hin zum kundenorientierten Service Provider, der insbesondere für den Mittelstand eine große Herausforderung bedeutet. Die Transformation zum PSS-Anbieter lässt sich beispielhaft an einem Maschinenbauunternehmen aufzeigen, welches in der Vergangenheit stark produktorientiert war. Mit der Veränderung hin zum Lösungsanbieter sieht sich dieses Unternehmen mit der Fragestellung der Entwicklung eines geeigneten Geschäftsmodells konfrontiert. So kann das Unternehmen durch den Aufbau eines Produkt-Service-Systems um sein Angebot herum dem Kunden problemorientierte Gesamtlösungen offerieren. Anstatt, wie bisher, die Maschine nur zu verkaufen, kann das Unternehmen auf dem Weg zu einer Gesamtlösung zunächst eine Vermietung der Maschine anbieten. Kunden können dann weitergehende Dienstleistungen wie beispielsweise Schulungen, Wartung oder Prozessoptimierung beziehen. Bei einer ausgeprägten Dienstleistungsorientierung stellt das Unternehmen seinem Kunden die Maschine im Rahmen eines Rundum-Service-Vertrages zur Verfügung und bietet eine Bezahlung proproduziertem Teil an. Bei dieser Gesamtlösung werden alle vom Lebenszyklus des Produkts abhängigen Verantwortlichkeiten von der Anschaffung über den Betrieb bis hin zur Entsorgung vom Anbieter übernommen. Mit Hilfe dieser Lösungen können sowohl höhere Umsätze für den Anbieter generiert als auch ein höherer Kundennutzen erzeugt werden. Im Endeffekt resultieren eine stärkere Kundenbindung und ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil.

Forschungsprojekt Use-PSS

Das Ziel des Projekts Use-PSS beinhaltete die Entwicklung und Erprobung eines nutzerfreundlichen Gestaltungsrahmens, mit dessen Hilfe KMU ihre PSS konzipieren können (siehe Abbildung). Durch die am Projekt beteiligten KMU wurde die Einbeziehung von Usability-Kriterien während des gesamten Entwicklungs- und Auswahlprozesses von PSS-Modellen sichergestellt. Der entwickelte Gestaltungsrahmen wurde exemplarisch mit realen Anwendungsfällen der KMU Partner sowohl aus der Perspektive der Anbieter als auch der Anwender getestet und das daraus resultierende Feedback in die Verbesserung des Gestaltungsrahmens eingebracht. Daraus wurde ein Best-Practice-Modell generiert, welches auch auf andere Bereiche übertragbar ist. Mit den Transfer- und Multiplikationspartnern bwcon und dem Steinbeis Transfer Netzwerk bestanden etablierte Zugänge zur Zielgruppe und eine exzellente regionale Vernetzung.

Um das Vorgehensmodell leichter in der Praxis umsetzen zu können wurde zudem sogenannte Methodenkarten erarbeitet, die bei der Anwendung in Workshops oder ohne fachliche Unterstützung zur Hilfe gezogen werden können:

Zahlen, Daten und Fakten zu Use-PSS 

Im Rahmen des Projekts in der Förderlinie „Mittelstand Digital“ führte das Duo um Prof. Dr. Bernhard Kölmel und Prof. Dr. Rebecca Bulander gemeinsam mit den Forschungsmitarbeitern Alexander Richter, Johanna Schoblik und Lukas Waidelich über 138 Veranstaltungen, darunter Workshops und Vorträge, für über 12.200 Teilnehmer durch, darunter 21 Workshops und 28 Vorträge für über 4500 Zuhörer und Teilnehmer allein im Jahr 2018. Des Weiteren konnte der Use-PSS-Internetauftritt als zentrale Anlaufstelle genutzt werden, 152 Blogbeiträge informierten Interessierte über den aktuellen Projektstatus. Darüber hinaus wurden dort auch im Projekt erarbeitete Inhalte platziert. So findet sich auch der im Projekt konzipierte Digitalisierungscheck, sowie Erklärvideos auf dem Internetauftritt.

Autor: bwcon

Über den Tellerrand blicken und sich mit anderen Branchen vernetzen, das ist eines der Hauptanliegen des Projekts „Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum“. Auch in Blick auf die Start-up-Szene in Baden-Württemberg zeigt dies: Insbesondere die Start-ups, die sich mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) beschäftigten, fokussieren sich auf die Integration digitaler Anwendungen in den Wertschöpfungsprozess, was wiederum das bilden von Wertschöpfungsnetzwerken erleichtert.

Die Zukunft moderner Wertschöpfungsnetzwerke ist digital, so titelte bereits letztes Jahr Stefan Weinzierl nach dem vierten VDMA Future Business Summit in Dortmund. Auch der Blick in die baden-württembergische Start-up-Landschaft zeigt, dass die jungen Unternehmen sich damit bereits beschäftigen. Mit ihren KI-basierten Lösungen setzen sie insbesondere dort an, wo traditionelle Mittelständler häufig noch keine Kompetenz haben: smarte Datenauswertung, die dann wiederum Einfluss auf die eigenen sowie die Prozesse außerhalb des Unternehmens hat.

In Baden-Württemberg gibt es zahlreiche Start-ups mit KI-Lösungen für den Mittelstand

Das Angebot der KI-Start ups ist vielseitig und bietet somit Potentiale für verschiedenste Anwendungsszenarien und Branchen. Durch die unterschiedlichsten Ansätze, könnte man sie als eine Art digitales Vitamin für die neu entstehenden Wertschöpfungsnetzwerke beschreiben. Sie verbinden mit ihren KI-Lösungen bestehende Wertschöpfungsketten und ermöglichen so die Ausgestaltung von Wertschöpfungsnetzwerken. Die Bandbreite geht hier vom Einsatz der KI-basierten Spracherkennung und Sprachsteuerung bis hin zu Machine-Learning-Ansätzen. Für den Mittelstand können diese Lösungen einen wichtigen Impuls für die eigene Digitalisierung darstellen. Anstelle selbst Lösungen zu entwickeln, ist es häufig sinnvoll auf bereits vorhandenes Expertenwissen zurückzugreifen und dies auf das eigene Anwendungsszenario anzupassen.

Information und Transfer sind die ersten Schritte

Entscheidend ist jedoch, dass sich KMU für Kooperationen sowie gemeinsame Projekte öffnen und einen Überblick bekommen, wie vielfältig das Angebot an innovativen KI-basierten Lösungen in ihrer Region ist. Es gilt daher Möglichkeiten zur Vernetzung von KMUs und Start-ups zu schaffen sowie den gemeinsamen Austausch zu fördern.

Einen Überblick der Angebote konnten sich die Mittelständler auf der KI-Messe im Rahmen des diesjährigen Hightech Summit in Künzelsau verschaffen. Möglichkeiten zum moderierten Austausch über neue Potentiale und Impulse bietet das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Stuttgart. Mit Hilfe von Workshops und kleinen Projekten können KMU sich zu unterschiedlichsten Themenbereichen der Digitalisierung weiterentwickeln.

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Autoren: bwcon, Steinbeis

Die Kunden und Nutzer werden immer anspruchsvoller. Das haben bereits viele Unternehmen erkannt. Doch wie werden sie den steigenden Anforderungen gerecht? Eine Möglichkeit bietet die branchenübergreifende Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen. In unserer gemeinsamen Veranstaltung mit CyberLago und CloudMall BW haben wir Praxisbeispiele aus der Region näher betrachtet.

Wertschöpfungsnetzwerke werden die Zusammenschlüsse von Unternehmen zur Befriedigung eines speziellen Kundenbedürfnisses genannt. Die Kooperation in dieser Art von Ökosystemen ist davon geprägt, dass alle Partner gleichberechtigt sind und jeder den entsprechend passenden Beitrag zur Erfüllung des Kundenversprechens liefert. Michael Köhnlein, Experte für Wertschöpfungsökosysteme am Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) erläuterte anhand der vom FSTI betreuten „Micro-Testbeds“ worauf es bei der Initiierung von branchenübergreifenden Zusammenschlüssen ankommt. An erster Stelle steht der Nutzen, der durch die Kooperation geliefert werden soll. Dieser kann sowohl von Seiten der Unternehmen definiert werden als auch von der Kundenseite an die Unternehmen herangetragen werden. Sobald klar ist, worin der Mehrwert und Nutzen liegen soll, werden weitere passende Partner eingebunden und die entsprechenden Prozesse erarbeitet. Erst als letzter Schritt erfolgt die Auswahl der geeigneten Technologien, um das Wertschöpfungsökosystem und die Bereitstellung des Nutzens bestmöglich technisch zu unterstützen.

Die Schaffung eines Vertrauensraums fördert die Bildung von Wertschöpfungsnetzwerken

Wichtig für die Initiierung von Wertschöpfungsnetzwerken ist die Schaffung eines Vertrauensraums. Die Unternehmen müssen die Gelegenheit haben, sich offen auszutauschen. Nur wenn sich alle Partner gleichberechtigt fühlen, kann die gemeinschaftliche Wertschöpfung funktionieren und ein Mehrwert für den Kunden geboten werden. Wertschöpfungsökosysteme erlauben es Unternehmen auch in für sie neuen Branchen aktiv zu werden. Jeder Partner bringt die benötigten Geschäftsfähigkeiten zur Nutzengenerierung ein, dadurch entstehen völlig neue Wege, um Leistungen für Kunden zu erbringen und diese an sich zu binden.

Initiativen bieten einen guten Einstieg

Initiativen wie das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum und CloudMall BW bieten Unternehmen die Möglichkeit über diese Art von Wertschöpfungsnetzwerken nachzudenken und sich mit möglichen Partnern und Experten auszutauschen. Die Unternehmen schätzen den Vertrauensraum, den sie im Rahmen dieser Initiativen finden. Sowohl das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum als auch CloudMall BW bieten Unternehmen Unterstützung beim Einstieg in diese Thematik. Während sich das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum technologieunabhängig mit Wertschöpfungsnetzwerken beschäftigt, steht bei CloudMall BW explizit die Cloud-Technologie im Vordergrund. Unternehmen können im Rahmen des Projekts Pilotprojekte mit Partnern starten, die Wertschöpfungsnetzwerke mittels Cloud-Technologie fokussieren. Weitere Informationen zu CloudMall BW finden Sie hier:  https://cloud-mall-bw.de/

 

 

Autoren: Steinbeis, bwcon

Wie wird der Nutzen einer Digitalisierungslösung sichtbar? Im Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart wurde dieses Thema untersucht. Eine einheitliche Methode ist bisher nicht vorhanden. Unternehmen sollen jedoch Hilftestellung in diesem Bereich erhalten. Dafür wurden Methodenkarten, die auf dem  3-Säulen-Modell basieren, entwickelt. Die Methodenkarten beschreiben die verschiedenen Methoden und den jeweiligen Aspekt den sie analysieren. Zudem wird in Kurzform eine Gesamteinordnung der Wirtschaftlichkeitsbewertung vorgenommen, sodass Unternehmen einen Überblick über die Bedeutung und Relvanz des Themas erhalten.

Die Methodenkarten stehen hier zum Download zur Verfügung:

Methodenkarten zur Wirtschaftlichkeitsbewertung von Digitalisierungslösungen

Praxiserfahrungen des Methodensets können Sie in diesem Artikel nachlesen.

Autoren: Steinbeis, bwcon, BWHM

Digitalisierung führt zu einer Veränderung in der Wertschöpfung. Im neuen Themenheft der Initiative „Mittelstand Digital“ steht unternehmensübergreifende Zusammenarbeit im Mittelpunkt. Beiträge aus verschiedenen Projekten und Kompetenzzentren zeigen neue Ansätze wie mit Digitalisierung neue Wertschöpfung generiert werden kann. Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart stellt auf den Seiten 19-24 das Projekt „Gewerkeübergreifende Zusammenarbeit“ mit einem Fokus auf veränderte Wertschöpfung und Geschäftsmodelle bei Handwerksbetrieben vor.

Das Magazin ist hier zum Download verfügbar.