Autoren: FSTI, Hochschule Pforzheim
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Unternehmen erfahren auf Grund von immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen und zugleich zunehmender Komplexität und Unsicherheit einen steigenden Innovationsdruck. Diesem kann durch die Nutzung von Open Innovation entgegengewirkt werden. Open Innovation ist ein strategisches Konzept, in dem bisher interne Innovationsprozesse der Außenwelt geöffnet werden und somit die Möglichkeit entsteht, diese aktiv einzubinden. Ziel ist es, Innovationen durch die Kombination von internen und externen Kompetenzen effizienter und effektiver hervorzubringen.[1]

Die ev. Landeskirche Baden-Württemberg steht vor einer ähnlichen Herausforderung wie kleine und mittlere Unternehmen. Sie hat die Zielsetzung, ihre vielen Mitglieder in den bisher internen Innovationsprozess einbinden zu können. In einem Projekt mit dem Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) und der Hochschule Pforzheim soll geprüft werden, ob eine generische, jedoch auf die Kirche zugeschnittene Innovationsplattform, dafür eine passende Methode darstellt. Eine Besonderheit dabei ist, dass die Werte der ev. Landeskirche durch einen Kodex in das Projekt miteinfließen sollen. Im übertragenen Sinne haben Unternehmen darauf zu achten, Ihre Unternehmensphilosophie und Unternehmenswerte bei der Nutzung von Open Innovation zu berücksichtigen.

Um eine erste, grundlegende Übersicht über Innovationsplattformen zu bekommen, wurde eine Zusammenstellung von 48 Open Innovation-Plattformen der IHK Hannover analysiert.[2] Während der Analyse kristallisierten sich zwei Erkenntnisse heraus:

      1. 13 der 48 Plattformen sind bereits wieder offline
      2. Aus den übrigen Plattformen konnten vier generische Cluster abgeleitet werden

Da mehr als jede vierte Plattform scheiterte, wurde überlegt, nach Gründen des Scheiterns bei den Betreibern zu fragen. Allerdings gestaltete sich die Kontaktaufnahme mit den abgemeldeten Plattformen als schwierig. Obwohl Gründe des Scheiterns interessante Einblicke für den Erfolg oder Misserfolg von Plattformen aufdecken könnten, wurde dieser Bereich im Rahmen des Projektes an dieser Stelle nicht weiterverfolgt. Die Tatsache, dass das Betreiben einer Plattform jedoch Herausforderungen mit sich bringen kann, fließt in die weitere Vorgehensweise des Projektes mit ein. Die im zweiten Punkt genannten generischen Plattformschwerpunkte konnten wie folgt geclustert werden:

      1. Partnervermittlung/Netzwerk
      2. Management von Innovationsprozessen
      3. Innovationsprozessberatung
      4. Challenge-Plattform

Zu beachten ist, dass es sich hierbei um die Schwerpunkte der Plattformen handelt. Somit ist es möglich, dass eine Plattform ihren Schwerpunkt im Cluster „Partnervermittlung/Netzwerk“ hat, darüber hinaus aber auch beispielsweise die Möglichkeit zur Einstellung und Bearbeitung von Challenges besitzt.

Nur wenige Plattformen sind noch aktiv und fokussieren Challenges

Eine Plattform mit dem Schwerpunkt auf Challenges kommt den Vorstellungen der ev. Landeskirche am nächsten. Der erste Rückschluss für das Projekt ist, dass eine solche Plattform, das am wenigsten verfolgte Kerngeschäftsmodell in den untersuchten Plattformen ist. Diese Tatsache könnte ein Hinweis auf die Herausforderungen des Betreibens einer solchen Plattform sein.

Challenges nehmen eine zentrale Rolle ein

Neben den direkten Erkenntnissen aus der Recherche, wurde auch die zentrale Rollte von Challenges erkannt. In Challenges beschreibt der Auftraggeber sein Innovationsbedürfnis.[3] Damit bilden Challenges die Schnittstelle zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer (Crowd) und nehmen somit eine erfolgskritische Rolle ein. Aufgrund dieser Feststellung entstand im Projekt die Idee, erste Challenges auszuformulieren und auf bestehenden Open Innovation Plattformen zu testen. Ziel dieser Tests ist es herauszufinden, ob nach den Vorstellungen und Werten der ev. Landeskirche formulierte Challenges Aufmerksamkeit erhalten und gelöst werden. Explizit soll herausgefunden werden, wie eine erfolgreiche Challenge formuliert ist und ob ideologische Anreize gegen monetäre bestehen können. Des Weiteren verringert sich durch diesen Zwischenschritt das Risiko, erhebliche Ressourcen in den Aufbau einer Plattform zu investieren, ohne zu wissen, ob sich die Plattform behaupten kann. In der Umsetzungsphase des Projektes entwickeln das Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) und die Hochschule Pforzheim Challenge-Vorlagen und betreuen den Umsetzungspartner bei der Challengeformulierung und der anschließenden Umsetzung.

[1] Gassmann u.a. (2006)

[2] https://www.hannover.ihk.de/fileadmin/data/Dokumente/Themen/Innovation/160926_Plattformen_Open_Innovation.pdf

[3] The Southern African Journal of Entrepreneurship and Small Business Management

 

Ansprechpartnerin: Alexandra Keller (Alexandra.Keller@steinbeis.de)

 

Quellen:

Gassmann, Oliver & Enkel, Ellen (2006): Open Innovation. Stuttgart : Schäffer-Poeschel

IHK Hannover (2016): Open Innovation – Auswahl webbasierter Plattformen.  Verfügbar unter https://www.hannover.ihk.de/fileadmin/data/Dokumente/Themen/Innovation/160926_Plattformen_Open_Innovation.pdf

The Southern African Journal of Entrepreneurship and Small Business ManagementVolume 8 Number 1, Jan 2016, p. 1 – 9

Bildquelle: Eigene Darstellung

Autor: HS PF/ IOS3

Wie bereits im Blogbeitrag Neue Expertise aus dem Forschungsprojekt Use-PSS für die zweite Förderphase erwähnt, wird die Arbeit aus Use-PSS im Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Stuttgart weitergeführt. Doch wie verläuft der Use-PSS-Prozess in der Praxis und welche konkreten Mehrwerte können daraus generiert werden? Damit beschäftigt sich dieser Blogbeitrag.

Herausforderungen für KMU

Branchenübergreifend stehen produzierende Unternehmen vor der Herausforderung, auf den Wandel der Kundenbedürfnisse weg vom Kauf eines reinen Sachprodukts hin zu einer nutzerzentrierten Gesamtlösung als Kombination aus Produkt und Service zu reagieren. Kontinuierliche Produktverbesserungen und hohe Qualität können langfristig alleine nicht mehr die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Eine Anreicherung der Produkte mit intelligenten Dienstleistungen zur Einbettung in die Prozesse des Anwenders kann hingegen zu einem Alleinstellungsmerkmal führen. Der Use-PSS-Vorgehensrahmen versetzt KMU u.a. mit produzierendem Gewerbe in die Lage, die Abwanderung von Wertschöpfung an den Dienstleistungssektor zu reduzieren und sich im globalen Wettbewerb zu differenzieren.

Das Use-PSS Vorgehensmodell

Um die beschriebenen Herausforderungen von den KMU zu adressieren wurde ein mehrphasiges Vorgehensmodell entwickelt, das anhand von praktischen Beispielen veranschaulicht werden soll:

Vorgehensmodell zu digitalen Produkt-Service-Systemen (DPSS) (Richter, A.; Kölmel, B.; Schoblik, J.; Bulander, R.; Waidelich, L. (2016))

  1. Sense DPSS

Die erste Phase des Use-PSS Vorgehensmodells trägt den Titel „Sense-DPSS“ und hat das Ziel ein Bewusstsein für die Relevanz und Notwendigkeit der PSS-Thematik zu schaffen, sowie Informationen zum Anwendungsfeld zu bieten. Sie beinhaltet somit Vorträge und Informationsstände bei Infoveranstaltungen und Kongressen. Einen weiteren Kommunikationskanal stellen Onlineinformationen dar, die von Interessierten im Nachgang an eine Veranstaltung zur Vertiefung der Thematik abgerufen werden können. Ebenso ist ein veranstaltungsunabhängiger Zugriff jederzeit möglich. Der Informationsgehalt der Webseite als auch den Präsenzauftritten dient der Verbreitung von Informationen, der Vorstellung realisierter Use-Cases und der Präsentation von Best-Practices aus dem Umfeld der PSS. Die primäre Zielgruppe von Aktivitäten der ersten Phase sind Entscheidungsträger aus KMU. Diese Personengruppe ist besonders interessant, da eine PSS-Umsetzung stets mit der größtmöglichen Unterstützung seitens der Geschäftsführung einhergehen sollte.

Prof Dr. Bernhard Kölmel bei einem Sensibilisierungsvortrag im Rahmen des High-Tech-Summits(Quelle: Uli Regenscheit, 2018)

  1. Ideate DPSS

Sobald im Unternehmen ausreichend Bewusstsein für die Relevanz von PSS geschaffen worden ist, zielt die „Ideate-DPSS“ Phase darauf ab Methoden und Tools zur Entwicklung von PSS ins Unternehmen zu vermitteln und dort zu implementieren. Zielgruppe für die in dieser Phase durchgeführten Methodenschulungen sind die tatsächlichen Anwender des Use-PSS Methodensets. Bezogen auf die späteren Teile der „Create-PSS“ Phase, werden zunächst die Methoden zur Analyse der Ist-Situation, der Entwicklung neuer PSS Ideen, sowie von Methoden zum einfachen Testen von neunen Ideen vermittelt. In einem zweiten Methodenblock werden Methoden und Tools der Datenerhebung und Verwertung adressiert und den Teilnehmern die Relevanz von Datennutzung im Rahmen der Umsetzung von DPSS nähergebracht. Zudem werden Methoden der Visualisierung eigener Workshops vermittelt, da die anschauliche Aufbereitung erarbeiteter Inhalte die Weiterverwertung dieser deutlich erhöht. Als letzten Punkt des zweiten Schulungsblocks sind Methoden der Trend und Technologieforschung zu nennen, welche es Unternehmen mit einem überschaubaren Aufwand erlauben, relevante Marktveränderungen und eventuelle zukünftige Entwicklungen zu verfolgen.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter Alexander Richter und Lukas Waidelich (von rechts nach links) unterstützen Teilnehmer im Rahmen eines Ideate DPSS Workshops (Quelle: Innonet, 2018)

  1. Create DPSS

Bevor die dritte „Create-DPSS“ Phase startet, ist durch das KMU ein Workshopziel zu definieren. Im Projekt wurde dieses als EFS festgehalten, was für Eingangsfragestellung steht. Die Festlegung auf eine EFS bietet den Vorteil, dass von vorneherein bestimmt werden kann, wie detailliert die Ergebnisse der Workshops aussehen werden. Ebenso müssen sich Teilnehmer und Vorgesetzte vor einem „Create-Workshop“ konkret mit den eigenen Vorstellungen und erwünschten Ergebnissen des Workshops beschäftigen.

Die „Create-DPSS“ Phase teilt sich in die Unterphasen Analyse, Entwicklung und Test.

Die Analyse betrachtet den Ist-Zustand des Unternehmens, seiner Produkte, die Kunden, die aktuelle Marktlage als auch externe Effekte, welche das Unternehmen und sein Angebot beeinflussen. Jedem dieser Punkte liegen Methoden zugrunde, welche in einer bestimmten Reihenfolge durchlaufen und abgearbeitet werden. Nach dem Abschluss des Analyseworkshops wird ein standarisiertes Analyse-Cockpit auf Grundlage der erarbeiten Informationen befüllt und als Zusammenfassung an die Teilnehmer sowie interessierte Stakeholder im Unternehmen verteilt. Diese Zusammenfassung dient im nächsten Schritt als Bezugspunkt und Diskussionsgrundlage während der Entwicklung neuer PSS Ansätze.

Exemplarische Darstellung eines Use-PSS Analyse-Cockpits (2017)

Die Entwicklungsphase teilt sich in drei Bereiche. Zuerst werden Ideen generiert und gesammelt, anschließend werden einzelne Ideen ausgewählt, detaillierter ausgearbeitet und anschließend in einer Ideen-Galerie präsentiert. Als letzter Punkt der Entwicklung erfolgt die Bewertung der entwickelten Ideen durch Workshop-Teilnehmer und Entscheidungsträger.

Darstellung einer Idee als Basis für die Ideenbewertung (2017)

Die ausgewählten Ideen werden anschließend in die Testphase überführt und dort ersten Tests unterzogen. Die erarbeitete Idee wird der Nutzergruppe anhand eines Value-Proposition-Canvas gegenübergestellt. Diese Methode ermöglicht bereits vor der Entwicklung des eigentlichen DPSS ein erster Test, ob die Leistung von der Zielgruppe als interessant wahrgenommen wird. Der Value-Proposition-Canvas wird nachfolgend zum Business Model Canvas weiterentwickelt, dort kann die Geschäftsidee vollumfänglich getestet werden.

Erstellung eines Business Model Canvas (2017)

  1. Use DPSS

Durch die Überführung der PSS-Idee in ein konkretes Entwicklungsprojekt beginnt die vierte Phase des Use-PSS Vorgehensmodells, welche den Titel „Use-DPSS“ trägt und auf die Entwicklung, Umsetzung und Nutzung eines PSS abzielt. Mit der Übergabe der getesteten Idee in ein Entwicklungsprojekt greift an dieser Stelle der unternehmenseigene Produktentstehungsprozess. Auch hier wird seitens des Forschungsprojektes auf agile Projektmanagement-Methoden (wie z. B. SCRUM) und eine mögliche Unterstützung durch das Use-PSS Team verwiesen. Ebenso wird bei der integrierten Dienstleistungsentwicklung Hilfestellung bei der Entwicklung von Dienstleistungen angeboten werden, da deren Entwicklung und Modellierung für Unternehmen Neuland bedeuten kann. Ziel des Entwicklungsprojektes ist die Herstellung eines Minimal funktionsfähigen Produktes (MFP) welches bereits ersten Kunden angeboten werden kann. Ziel des MFP ist es zum einen, den Zeitraum von der Ideenentwicklung bis zur Markteinführung möglichst kurz zu gestalten und zum anderen mit Hilfe des MFP möglichst schnell Kundenfeedback zum PSS zu sammeln und in kurzen Iterationsschleifen das Produkt schnell zu verbessern und zu perfektionieren.

Als weitere Option der „Use-DPSS“ Phase besteht stets die Möglichkeit auf Grundlage von Nutzungsdaten, Erfahrungen und Kundenfeedback einen Bedarf bzw. eine neue Eingangsfragestellung für die „Create-PSS“ Phase zu beschreiben und einen neuen Ablauf für die Generierung neuer PSS und Geschäftsmodellideen anzustoßen.

Wie laufen die Use-PSS Workshops ab?

In der Regel erfolgen die Methodenworkshops der zweiten Phase im Rahmen eines halb- oder ganztags Workshop. Für den Analyse-Workshop sollten 1 bis 1,5 Tage angesetzt werden. Die Entwicklungs- und Test-Workshops benötigen zwischen 2 und 3 Tagen, je nach Detailierungsgrad und Umfang der Leistung.

Die Ergebnisse und die Dauer Workshops sind stark abhängig von den involvierten Personen, vom Untersuchungsgegenstand (Produkte und Services) und von der Eingangsfragestellung.

Was sind die Mehrwerte für KMU?

Umfassende Analyse des Status Quo (Leistungen, Kunden, Technologien, Unternehmen) von außen. Erlernen von neuen Methodensets und Fähigkeiten im Kontext von digitalen Geschäftsmodellen bzw. DPSS. Unterstützter Ideengenerierungs- und Auswahlprozess und somit Hilfe beim Produktentstehungsprozess in einer sehr frühen Phase zur erfolgreichen Innovierung des Geschäftsmodells. Unterstützung bei der Umsetzung bzw. Realisierung des DPSS.

Fazit

Das vierstufige Use-PSS-Vorgehensmodell unterstützt KMU bei ihrem Weg in ihre digitale Zukunft optimal, unabhängig davon in welcher Ausgangslage sich das KMU befindet.

Ist der Bedarf bzw. das Potential an Innovationen zum Thema DPSS noch nicht erkannt oder für wichtig erachtet worden, unterstützen verschiedene Informationsmaßnahmen wie Vorträge auf Veranstaltungen, Info-Stände oder online verfügbare Dokumente KMU.

Mittelständler, die im Bereich DPSS Maßnahmen umsetzen wollen, aber nicht über das benötigte Wissen und Methodenset verfügen, werden in der zweiten Phase „Ideate DPSS“ durch zielgruppengerechte Workshops unterstützt. Dabei werden in zwei Blöcken DPSS-Methoden (Analyse, Entwicklung und Test) und allgemeine Methoden (Datenverarbeitung, Visualisierung und Trend/Technologieforschung) gelehrt.

Verfügen die KMU über ein breites Methodenset zu DPSS, bspw. durch die vorangegangen Methoden-Workshops und möchten ein DPSS etablieren, so unterstützt das Use-PSS Team bei der Analyse, Ideengenerierung und beim Testen des DPSS. Dabei fungiert das Use-PSS-Team als Moderator und Unterstützer für die KMU.

Beim Aufsetzten eines DPSS-Entwicklungsvorgang kann zudem ebenfalls mit Expertise unterstützt werden.

Dieses Vorgehensmodell wird aktuell an die Gegebenheiten im Transferprojekt Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Stuttgart angepasst und soll dort zum Einsatz kommen.

 

Potentiale der Sharing Economy im Maschinenbau

Die Digitalisierung revolutioniert das Teilen von Ressourcen und ermöglicht neue Geschäftsmodelle. Auf einer Veranstaltung diskutierten Unternehmen die Potentiale der Sharing Economy im Maschinenbau.

Die unter dem Schlagwort Sharing Economy zusammengefasste gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen ist eigentlich ein alter Hut. Bereits im vordigitalen Zeitalter war diese Art des Wirtschaftens in Form von Backhäusern oder Maschinenringen etabliert. Neu sind allerdings die sich aus der Digitalisierung ergebenden technologischen Möglichkeiten. Beispielsweise sind Informationen zum Standort, dem Zustand oder der Auslastung einer Ressource in Echtzeit abrufbar. Darüber hinaus wird die Kommunikation zwischen Anbieter und Nachfrager erheblich vereinfacht und räumlich unabhängig. Die Digitalisierung ist somit der Enabler für neue Geschäftsmodelle der Sharing Economy.

Die mit den neuen digitalen Möglichkeiten einhergehenden Geschäftsmodellinnovationen sind eindrucksvoll: AirBnB ist zur am höchsten bewerteten globalen Hotelkette avanciert, ohne ein einziges Hotel zu besitzen und der Mobilitätsdienstleister UBER hat keinen einzigen Taxifahrer auf der Gehaltsliste. Interessant an dieser Entwicklung ist jedoch die Tatsache, dass diese und weitere imposante Beispiele überwiegend im C2C- sowie im B2C-Bereich angesiedelt sind.

Wegweiser für Sharing Economy im Maschinenbau
Im Maschinenbau scheint es hingegen, als steckt die kollaborative Nutzung industrieller Ressourcen noch in den Kinderschuhen. Eine Ausnahme bilden dabei die Unternehmen klickrent und fabrikado, die bei unserer Veranstaltung ihre Geschäftsmodelle vorgestellt haben. Klickrent ist Anbieter eines Marktplatzes für die Vermietung von Maschinen und Geräten für die Bauwirtschaft. Fabrikado ermöglicht die Verknüpfung von Kundenaufträgen in den Bereichen Laser- und 3D-Druck-Verfahren mit freien Produktionskapazitäten von Erstausrüstern.

Aufbauend auf den Erfahrungen der Unternehmen diskutierten die TeilnehmerInnen der Veranstaltung in einem Workshop die nachfolgend genannten Potentiale der Sharing Economy für den Anbieter sowie den Kunden und stellten die zentralen Herausforderungen des Plattformbetreibers zusammen:

 

Kontakt
Dr. Marc-Daniel Moessinger
VDMA Baden-Württemberg
Telefon +49 711 22 801 26
E-Mail marc-daniel.moessinger@vdma.org

Umsetzungsprojekt: Ökosystem Elektromobilität
(Autoren: Daniel Duwe, Dr. Raid Gharib, Miriam Heinl, Florian Jentsch & Patrick Weber)

In Zeiten von Abgasskandalen, räumlicher Flexibilität und steigendem Umweltbewusstsein ist Elektromobilität zum Megatrend in der Fahrzeugbranche geworden. Viele Kunden zögern aber noch sich ein E-Fahrzeug zuzulegen, weil der Nutzen ungewiss und der Aufwand für Anschaffung, Nutzung und Wartung zu groß und kompliziert erscheint.

Gewerkeübergreifendes Komplettangebot
Damit diese kundenseitige Komplexität auf ein Minimum reduziert werden kann, müssen  sich die Handwerksbetriebe kontinuierlich hin zum offenen und kooperierenden Unternehmen entwickeln. Die Wertschöpfung unterschiedlicher Branchen müssen dabei gezielt vermischt werden. Nur auf diese Weise kann zugleich das steigende Kundenbedürfnis nach vollumfänglichen Produkt-Dienstleistungspaketen erfüllt werden. Die Nutzer benötigen ein zuverlässiges, qualitativ-hochwertiges Gesamtpaket aus einem langstreckentauglichen Fahrzeug, einer Schnelladeinfrastruktur sowie Informationen und allumfassende Dienstleistungen „aus einer Hand“. Im Sinne eines One-Stop-Shops müssen diese Informationen und Dienstleistungen schnell und einfach verfügbar, kompatibel und von guter Qualität sein.

Handwerk als kompetenter Elektromobilitätspartner
Aktuell wird dieser Ökosystem-Gedanke durch das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart im Rahmen eines mehrmonatigen Umsetzungsprojekts verfolgt. Ziel des Projekts ist es, ein handwerksgetriebenes und gewerkeübergreifendes Elektromobilitätsökosystem zu konzipieren. Dabei sollen kundenfokussierte Prozesse modelliert und eine systematische Entwicklung der Unternehmen hin zum kompetenten und verlässlichen Elektromobilitätspartner begleitet werden. Neben Kfz- und Elektrohandwerksbetrieben aus den Kammerbezirken Konstanz und Ulm sind mit dem Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg e. V. und der Fachverband für Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg e.V. weitere fachkundige Projektpartner an Bord.

Kundenbedürfnisse und -anforderungen im Mittelpunkt
Doch sind die Kunden von gestern auch die Elektromobilitätskunden von morgen? Dieser zentralen Frage gingen die Projektpartner in einem ersten Workshop im Oktober in der Singener Bildungsakademie nach. Florian Jentsch (BWHM GmbH) und Daniel Duwe (Fraunhofer IAO) ermittelten gemeinsam mit den Teilnehmern die Bedürfnisse der Kunden in Bezug auf Elektromobilität. Im Fokus der Betrachtung lag die Frage, welche konkreten Probleme die Zielkunden in ihrem Alltag erleben und welche Lösung und Mehrwert eine Lösung bieten muss, um vom Markt angenommen zu werden. Auf Basis der Ressourcen und Fähigkeiten der Teilnehmer leitete Patrick Weber (Ferdinand-Steinbeis-Institut der Steinbeis-Stiftung) letztlich ab, wie ein neues Geschäftsmodell aussehen könnte und welche Lösungen den Kunden in Zukunft gemeinsam angeboten werden können.

Um die Kundenorientierung des Umsetzungsprojekts sicherzustellen, wird eine Zielgruppenbefragung in Stuttgart und Karlsruhe zur systematischen Identifikation ihrer Bedürfnisse durchgeführt. Gemeinsam mit den Teilnehmern soll im Anschluss ein Leitfaden für Interessenten von Elektrofahrzeugen mit den wichtigsten Aspekten über deren Anschaffung und Nutzung erstellt werden.

Wer jetzt auch digital in BeWegung bleiben und am kostenlosen Makroprojekt des Kompetenzzentrums teilnehmen möchte, findet weitere Informationen bei:

Daniel Duwe (mobilitaet@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de)

Praktikerveranstaltung im Bereich „Produktion“

Predictive Maintenance ermöglicht den Austausch von Bauteilen, bevor es zum Maschinenstillstand kommt. Auf einer vom VDMA Baden-Württemberg durchgeführten Veranstaltung des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart berichten Vertreter der Hermle AG, der Trelleborg Sealing Solutions Germany GmbH und der John Deere GmbH & Co. KG von aktuellen Projekten.

Während früher eine Maschine erst dann repariert wurde, wenn sie bereits ausgefallen war, erlauben heute neue Technologien die frühzeitige Identifikation und Beseitigung möglicher Schwachstellen. Dies verringert die Gefahr ungewollter Maschinenausfälle und trägt zu einer erheblichen Kostenreduktion bei.

Und wie sieht das in der Praxis aus? Drei Beispiele
Unter dem Motto „Maschinenausfälle wegfräsen“ hat die Hermle AG gemeinsam mit dem vom Land Baden-Württemberg geförderten Smart Data Solution Center neue Potentiale für eine automatisierte Fernwartung identifiziert. Sowohl externe als auch interne Messgrößen erfassen Informationen wie beispielsweise Temperatur, Druck, Achsposition und Drehzahlen. Anhand einer statistischen Auswertung kann somit der jeweilige Maschinenzustand abgeleitet und das optimale Wartungsintervall beim Kunden bestimmt werden.

Die Bedeutung von Predictive Maintenance aus der Sicht eines Herstellers von C-Teilen wurde am Beispiel der Trelleborg Sealing Solutions Germany GmbH verdeutlicht. Während der Wertanteil einzelner C-Teile an der gesamten Maschine nur sehr gering ist, kann der Ausfall eines C-Teils zum Stillstand der gesamten Anlage und damit zu einem erheblichen Schaden führen – ein No-Go. Eine vorausschauende Wartung kann dies verhindern. Das Unternehmen verfolgt hierbei einen kooperativen Ansatz, um gemeinsam mit dem Kunden die Voraussetzungen für die Zustandsüberwachung zu schaffen. Langfristiges Ziel des Unternehmens ist es, unter dem Schlagwort „commodity as a service“ nicht das individuelle Produkt, sondern dessen zuverlässige Leistungserbringung zu verkaufen.

In der John Deere GmbH & Co. KG ist Predictive Maintenance in die langfristige Digitalisierungsstrategie des Unternehmens eingebettet. Qualitätsprobleme werden in Echtzeit digital erfasst und ausgewertet, um über die implementierten Qualitätskreisläufe schneller zu reagieren und damit die Produktqualität permanent zu verbessern.

Keine Digitalisierung ohne Daten
Die Praxisbeispiele zeigen, dass Predictive Maintenance keine theoretische Zukunftsvision, sondern bereits gelebte Praxis im Maschinen- und Anlagenbau ist. Jedoch scheitern noch zu viele Projekte an der Bereitschaft der Kunden, Daten aus der eigenen Fertigungsumgebung freizugeben. Hier gilt es, den digitalen Wandel weiter voranzutreiben, indem gerade in KMUs Vorbehalte ab- und Kooperationen aufgebaut werden. Gleichzeitig müssen Standards für einen zuverlässigen und sicheren Datenaustausch festgelegt werden.

Weitere Informationen zum Thema bei:
Dr. Marc-Daniel Moessinger
VDMA Baden-Württemberg
Telefon +49 711 22 801 26
E-Mail: marc-daniel.moessinger@vdma.org >>

Schulungen im Bereich „Digitales Bauen“ 

Im Oktober fanden im Fraunhofer IAO Stuttgart Schulungen zu Digitalisierung in Planungs- und Bauprozessen im Mittelstand und Handwerk statt. Wir sind begeistert, was wir mit und von unseren Teilnehmer gelernt haben!

 „Digitales 3D-Aufmaß“ am 19.10.2017
Schnell, präzise, umfassend: 3D-Laserscanning bietet zahlreiche Vorteile im Vergleich zu herkömmlichen Aufmaßmethoden. So entfallen zum Beispiel wiederholte Nachmessungen vor Ort und auch eine ortsflexible Bearbeitung von Projekten ist möglich. Bei entsprechender Aufbereitung als Datenmodell und anschließender Archivierung kann zudem auch noch Jahre später auf exakte Gebäudeinformationen zurückgegriffen werden. In der Schulung „Digitales 3D-Aufmaß in der Praxis“ erhielten die Teilnehmer durch Herrn Martin Huppenbauer von der Hemminger Ingenieurbüro GmbH & Co. KG einen Überblick zu gängigen 3D-Laserscanning-Systemen. Und was sagen die Praktiker dazu? In einer Diskussionsrunde mit Rollenspiel konnten die Workshopteilnehmer das Verfahrens näher kennenlernen.

Als die größten Hürden wurden dabei folgende Aspekte identifiziert:

  • Ein anwesender Steinmetz betonte, dass der Erklärungsbedarf zu digitalen Tools in der Praxis immer noch sehr hoch sei und diese deshalb auch noch nicht zum Standardwerkzeug gehören.
  • Es herrscht immer noch Misstrauen gegenüber der Genauigkeit und Richtigkeit der so erhaltenen Daten. Da hilft nur zum Workshop kommen, ausprobieren, selbst überzeugen.
  • Datenbestände müssen beständig aktualisiert und gepflegt werden, um einen Nutzen zu bringen. Dies ist jedoch auf lange Sicht digital mit wesentlich weniger Aufwand verbunden als auf Papier.
  • Für entsprechende Effizienzgewinne müssen Gebäudedatenmodellen gewerkeübergreifend und partnerschaftlich genutzt werden. Das Kompetenzzentrum bemüht sich hier um die Vernetzung relevanter Akteure, zum Beispiel in einem Mikroprojekt.

Und wo sehen Praktiker die Vorteile des Verfahrens?

  • Im Gegensatz zu gängigen 2D-Messverfahren werden keine einzelnen Messpunkte, sondern eine ganze Punktwolke erfasst. Aus dieser können dann exakte und verformungsfreie Grundrisse, Ansichten und Schnitte konstruiert werden.
  • Die ortsflexiblen Arbeitsmöglichkeiten und -phasen zeigen sich in Kosteneinsparungen.
  • Die Informationen in Datenbanken langfristig gespeichert und bieten über die Planungs- und Realisierungsphase hinaus einen Mehrwert.
  • Visuelle Darstellungen und Augmented Reality Visualisierungen bedeuten ein großes Plus für eine moderne Kundenbetreuung.

„Virtual & Augmented Reality in Handwerk und Mittelstand“ am 25.10.2017
Virtual und Augmented Reality ist vielen im Bereich Freizeitunterhaltung bereits ein Begriff. Beim zweiten Workshop ging es darum, wie sich diese Technologien im Mittelstand und Handwerk nutzen lassen. Im Immersive Engineering Lab IELab des Fraunhofer IAO Stuttgart wurden Bauwerksdaten dank BIM (Building Information Modeling) zum maßstäblich erleb- und begehbaren, virtuellen Bauwerksprotoyp. Gerade für produzierende Gewerke wie Bau, Fliesenleger und Schreiner bieten sich enorme Vorteile für die tägliche Arbeit.

Und wie geht es weiter?
Die in den Schulungen aufgeworfenen Diskussionsthemen und erste Ideen sollen nun in Folgeterminen weiterentwickelt werden. Bleiben Sie über Aktuelles hier auf dem Laufenden.

Weitere Informationen zum Thema:
Florian Jentsch
gebauede@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de

„Das müssen wir erst mal dem Arzt schicken“  – Vom Zuckerzettel zur digitalen Datenübermittlung
(Autor: Dr. Tim Straub)

Viel Bürokratie und Papierkrieg – gerade im Gesundheitswesen und in der Pflege beschreibt dies oftmals noch den Arbeitsalltag. Schriftliche Dokumentation und umständliches Versenden von Patientendaten fressen zeitliche und personelle Kapazitäten, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden.

Doch langsam erhält auch die Digitalisierung Einzug in diesem traditionell eher analogen Bereich. Unterschiedliche Akteure, vom Patient bis hin zu Arzt und Pflegekraft, werden schnittstellenübergreifend, durch ein System miteinander vernetzt. So stehen alle wichtigen Informationen rund um den Patienten zentral und automatisch zur Verfügung.

Unser Mikroprojekt im Bereich Gesundheit dreht sich genau um dieses Thema: Wie können Daten von Menschen mit Diabetes digital übermittelt und gepflegt werden? Gemessene Blutzuckerwerte werden für gewöhnlich in eine Volldokumentation eingetragen, vom ambulanten Bereich an die Pflegezentrale vermittelt, die diese wiederum per Scan, Fax oder sogar Post an den Arzt übermittelt. Der Eintrag in einem digitalen System hingegen hilft, diesen enormen Koordinationsaufwand zu minimieren und Pflegekräfte in ihrem straffen Zeitplan zu entlasten.

Und welche Rolle spielen wir dabei? Als Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum führen wir alle Beteiligten zusammen und ermitteln, welche Anforderungen Pflegekräfte und Ärzte an eine papierlose Alternative haben. Wir informieren kostenlos über digitalen Lösungen und entwickeln gemeinsam Lösungsansätze.

Ein Beispiel: Warum statt dezentralem Aktenchaos keine Tablets in der Wohnung von Klienten verwenden und Pflegekräfte über Smartphones vernetzen?! Um Wünsche hier Realität werden zu lassen, wollen wir die Nachfrager aus der Pflege mit Lösungsanbietern wie Software-Herstellern zusammenführen.

Eine weitere entscheidende Rolle kommt den Ärzten in diesem Bereich zu. Mittels einer Befragung konnten wir ihre Anforderungen an eine digitalisierte Insulineinstellung ermitteln – aus der Ferne und in Echtzeit informiert sowie schnell reagierend im Dialog mit den Patienten. Für die Insulineinstellung sind auch Informationen zu Mahlzeiten, Bewegung und Stresslevel des Menschen mit Diabetes hilfreich. Über ein zentrales System könnte bereits vor der Insulinneueinstellung auf diese zugegriffen werden. Bei Akutfällen ist die Sofortverfügbarkeit lebensrettend.

Ziel des Mikroprojektes ist es, Potentiale der Digitalisierung zu identifizieren und die Beteiligten untereinander zu vernetzen. Bleiben Sie gespannt, welche Lösungsansätze wir gemeinsam für die gesamte Versorgungskette entwickeln. Wir werden darüber berichten!

Auch Interesse an einem Projekt mit uns im Bereich Gesundheit? Schreiben Sie uns an: gesundheit@digitales-kompetenzzentrum-stuttgart.de

Mehr Informationen zum Projekt bei Dr. Tim Straub (straub@fzi.de)

Die ungenutzten Potenziale der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Bezug auf cyber-physische Systeme (CPS) werden immer wieder angesprochen. Aber warum ist das so? Warum ergreifen Mittelständler und Handwerksbetriebe nicht die Chance, auf der Welle von Industrie 4.0 mitzuschwimmen?

Bereits in Ihrem letzten Blog hatte Jessica Klapper vom Fraunhofer IAO diese Fragen thematisiert. In Ihrem neuen Blogbeitrag beschäftigt sie sich mit dem Thema Industrie 4.0: So kommen neue Technologien in Mittelstand und Handwerk

Das koreanische Institut KETI und das Fraunhofer IOSB haben ein Projekt gestartet, das vom Koreanischen Ministerium für Handel, Wirtschaft und Energie (MOTIE) finanziert wird. Basierend auf Konzepte des „Industrial Internet of Things (IIoT)“, werden integrierte Architekturen und Technologien für Aufbau eines Netzwerks von intelligenten Fabriken – das „Smart Factory Web“ – untersucht. Das Smart Factory Web wird eine Anpassung der Produktion durch die flexible Adaption von Fähigkeiten und das Teilen von Kapazitäten und Ressourcen ermöglichen, um die zeitgerechte Erfüllung von Aufträgen zu verbessern; siehe: http://www.smartfactoryweb.de/