Digitalisierungscheck „Handwerk“ liefert erste Ergebnisse

(Autor: BWHM GmbH)

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart ist im Januar 2017 an den Start gegangen und kann eine positive Zwischenbilanz ziehen. „Die Handwerksbetriebe nehmen die Angebote des Kompetenzzentrums sehr gut an. Im ersten Projektjahr konnten bereits rund 60 Digitalisierungschecks „Handwerk“ durch das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart sowie weitere 34 durch die Innovationsberater der baden-württembergischen Handwerksorganisationen durchgeführt werden, erklärt Oskar Vogel, Hauptgeschäftsführer des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT). Zudem lägen dem Kompetenzzentrum für das zweite Jahr zum jetzigen Zeitpunkt schon 40 neue Anfragen vor.

DigiCheck als Ausgangspunkt

„Der Digitalisierungscheck bildet für die Betriebe einen ausgezeichneten Einstieg und liefert einen ersten Überblick zum derzeitigen Digitalisierungsgrad sowie Bereichen mit erhöhtem Handlungsbedarf, erklärt Florian Jentsch, Projektleiter des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart. Das vom Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik im Rahmen des Projekts „Kompetenzzentrum Digitales Handwerk“entwickelte Analysewerkzeug untergliedert  sich insgesamt in die fünf Kategorien: Kunde und Lieferanten, Prozesse, Geschäftsmodelle, Mitarbeiter und IT-Sicherheit. Die Abwesenheit von digitalen Lösungen bedeutet dabei nicht zwangsweise einen Digitalisierungsbedarf. Nicht in jedem Kontext sind nämlich alle Digitalisierungsmaßnahmen sinnvoll. Um Zeit und Geld am produktivsten einzusetzen, wird ein Digitalisierungsindex zugrunde gelegt, der Werte zwischen 1 (niedrig) und 5 (hoch) annehmen kann.

Der Digitalisierungsgrad der Handwerksunternehmen in Baden-Württemberg liegt bei 2,7 von 5 Punkten und damit leicht unter dem von Nicht-Handwerksunternehmen. Wahrscheinlich ist, dass dies auf die geringere durchschnittliche Betriebsgröße zurückzuführen ist. Größere Betriebe sind nämlich durchweg stärker digitalisiert. Dieses Ergebnis könnte mit der Tatsache einhergehen, dass solche Unternehmen mehr Ressourcen für strategische Investitionen zur Verfügung stehen haben.

Wo muss noch nachgebessert werden?

Digitale Tools, mit denen Kunden Produkte und Dienstleistungen online bewerten können, werden in baden-württembergischen Handwerksbetrieben bislang selten eingesetzt. Ebenso ist ein hoher Handlungsbedarf bei der digitalen Koordination und Planung von Arbeitseinsätzen, der Nutzung von Cloud-Diensten sowie der Mitarbeiterschulung im Bereich IT-Sicherheit ersichtlich. Ähnlich verhält es sich beim Einsatz von mobilen Endgeräten und der Einführung innovativer Technologien, wie z.B. 3D-Druckern, Virtual-Reality-Anwendungen oder Datenbrillen. Obwohl die Einführung solcher Technologien von den Betriebsinhabern als besonders relevant eingeschätzt wird, schreiten diese eher langsam voran. „In Gesprächen mit Betriebsinhabern hat sich herausgestellt, dass häufig technologische Anstöße von Dritten erforderlich sind, um solche Veränderungsprozesse überhaupt in Grundzügen anstoßen zu können, erklärt Jentsch. Dies deute auf einen möglichen Technologietransferbedarf hin, welcher durch die Handwerksorganisationen, aber auch die geförderten Landes- und Bundesprojekte erbracht werden könnte.

Beim Thema digitale Geschäftsmodellinnovationen zeigt sich hingegen, dass die gecheckten Handwerksbetriebe dessen Notwendigkeit bisher noch nicht vollständig erkannt haben. Diese stuften die Relevanz einer Veränderung oder Anpassung des aktuellen Geschäftsmodells nämlich als niedrig ein. BWHT-Hauptgeschäftsführer Vogel gibt zu bedenken, dass gerade volle Auftragsbücher Geschäftsmodellinnovationen häufig verhindern, da angesichts des gut laufenden Tagesgeschäfts in aller Regel keine Zeit zur vertieften Selbstreflektion bleibt und die Veränderungsnotwendigkeiten deshalb nicht in Gänze erkannt werden. Doch gerade in diesen Zeiten – das muss den Handwerksbetrieben klar gemacht werden – sollte man gezielt Maßnahmen zur Zukunftsorientierung oder Neuausrichtung des eigenen Unternehmens betreiben.